Im Rahmen der Möglichkeiten

Von Stefan Moser
Samstag, 04.12.2010 | 12:14 Uhr
Jubel nach dem 1:0 - mit dem Erfolg gegen den FCK verschafft sich St. Pauli Luft nach unten
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Eigentlich ein schlechtes Spiel, das eigentlich nicht mal ein Tor verdient hatte - und trotzdem kein Grund zu verzweifeln: Der FC St. Pauli darf sich nach dem 1:0-Erfolg gegen den 1. FC Kaiserslautern nicht nur über das zurückgekehrte Glück freuen - sondern auch über eine gelungene Maßnahme des Trainers. Und Verlierer Marco Kurz weiß nun, was er seinem Team noch beizubringen hat. Unterm Strich jedenfalls stehen beide Aufsteiger in der Tabelle ganz ordentlich da.

Reaktionen:

Holger Stanislawski (Trainer FC St. Pauli): "Es war eine intensive Partie. In der ersten Halbzeit haben wir eine ordentliche Partie abgeliefert, hinten raus wurde Kaiserslautern natürlich noch einmal richtig gefährlich. Die Jungs haben sich aber reingeknallt, deswegen können sie sich freuen."

Marco Kurz (Trainer Kaiserslautern): "Wir haben in der ersten Halbzeit das Spiel verloren. Unterm Strich ist die Niederlage verdient. Es wäre mehr drin gewesen, aber wir haben das einfache Spiel vermissen lassen. St. Pauli hat mit Laufbereitschaft und Herz gespielt, mit der Atmosphäre im Rücken. Es ist fantastisch, hier zu spielen."

Fabio Morena (St. Pauli): "Es freut mich ungemein, dass die Mannschaft gezeigt hat, dass Leidenschaft in ihr steckt. Dieser Sieg gibt uns ein bisschen Luft zum Atmen. Das Spiel in München wird jetzt ein absolutes Highlight. Wir gehen da nicht nur zu den Bayern hin, um schön Guten Tag zu sagen."

Fabian Boll (St. Pauli): "Dieser Sieg hat uns unheimlich geholfen. Jeder konnte ja sehen, wie wir uns nach dem Abpfiff gefreut haben. Es war wichtig zu sehen, dass der hohe Aufwand, den wir betreiben, sich auch lohnt. Es war ein gutes, altes St. Pauli-Spiel mit Kampf und Leidenschaft. Wenn wir in der Bundesliga bleiben wollen, müssen wir das jedes Wochenende bringen."

Christian Tiffert (1. FC Kaiserslautern): "Heute hat ganz sicher der Glücklichere gewonnen. Dass das Tor so fällt, war bezeichnend für das Spiel."

 

Nachbetrachtung:

Fußball ist schon ein merkwürdiger Sport. Die neutralen Zuschauer sahen eine niveauarme Partie ohne spielerische Höhepunkte, die eigentlich nur 0:0 ausgehen kann. Doch dann traf ausgerechnet Kaiserslauterns Christian Tiffert, einer der besten deutschen Mittelfeldspieler der letzten Wochen (natürlich nach einer Standardsituation) ins eigene Tor - und bescherte St. Pauli damit den ersten Sieg seit dem 7. Spieltag.

Die beiden Trainer hingegen sahen nach dem Spiel zwei Aufsteiger, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten nun beide mit 17 Punkten in der Tabelle sehr ordentlich dastehen. Auch das eine durchaus nachvollziehbare Sichtweise.

Gerade für St. Pauli aber war der sicher eher schmeichelhafte Dreier enorm wichtig, um die Abwärtsdynamik der jüngeren Vergangenheit fürs Erste zu stoppen. Denn die Verunsicherung war der Mannschaft nach zuletzt nur einem Punkt aus sechs Spielen auch vor heimischer Kulisse deutlich anzumerken. Vom leidenschaftlichen Pressing, der mannschaftlichen Geschlossenheit und der risikobereiten Unbekümmertheit, die die Hamburger noch zu Saisonbeginn auszeichnete, war wenig zu sehen. Stattdessen versteckten sich die Spieler im Aufbau, wirkten nervös und gehemmt und kamen kaum strukturiert in die Hälfte des Gegners.

Auch die zuletzt bekannten Probleme waren gegen Kaiserslautern deutlich zu sehen: Keine Konsequenz im Abschluss und fehlendes Charisma vor allem im Spiel nach vorne. Den Flügeln mangelte es an Durchschlagskraft und Überzeugung,  im Zentrum wirkt Asamoah nach wie vor deplatziert.

Nach der Führung aber schien sich die Mannschaft vom mentalen Ballast der Negativserie zu befreien und lieferte zumindest defensiv eine taktisch gute und auch leidenschaftliche Leistung - und erkämpfte sich verdient das erste Zu-Null seit sieben Spieltagen.

Womöglich auch ein Ergebnis mit Signalwirkung - und das nicht nur, weil nun der Glaube an die Glückgöttin auch auf dem Heiligengeistfeld wieder Konjunktur hat. Sondern auch, weil Trainer Stanislawski vor dem Spiel seine komplette Viererkette umbaute, nachdem er neben Naki und Takyi auch Stamm-Innenverteidiger Zambrano aus dem Kader gestrichen hatte. Alle drei hätten sich während der Woche nicht "an gewisse Regeln der Gruppe" gehalten und saßen nur auf der Tribüne. Die Maßnahme griff - vor allem Gunesch und Morena im Zentrum spielten nach leichten Anlaufschwierigkeiten eine starke zweite Hälfte.

Kaiserslautern indes zeigte insgesamt eines seiner schwächeren Spiele in der laufenden Saison. Und das ausgerechnet nach dem euphorischen 5:0-Sieg gegen Schalke. Obwohl die Mannschaft vor allem im sehr variablen Mittelfeld durchaus stabil und selbstbewusst wirkte, fehlte unterm Strich die nötige Bereitschaft und Konsequenz, um einen angeschlagenen Gegner fachgerecht auszuknocken.

Vor allem in der ersten Hälfte verpassten es die Pfälzer, den Finger in die Wunden der Gastgeber zu legen und die Verunsicherung auszunutzen. Eine Qualität, die der Mannschaft offenbar gerade auswärts noch fehlt - die man von einem Aufsteiger wohl aber auch nicht unbedingt erwarten muss. Trainer Kurz wird daran arbeiten.

Analyse: Schmeichelhafter aber wichtiger Sieg für St. Pauli

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