Kaiserslautern trifft, St. Pauli gewinnt

Von Stefan Moser / Falk Landahl
Freitag, 03.12.2010 | 22:23 Uhr
Mit dem rutschigen Platz hatten beiden Teams zu kämpfen. Hier fallen Rothenbach und Lakic
© Getty
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Der FC St. Pauli hat das Duell gegen Mitaufsteiger Kaiserslautern gewonnen. Zum Auftakt des 15. Spieltags setzte sich die Mannschaft von Trainer Holger Stanislawski mit 1:0 (0:0) durch und feierte damit den ersten Dreier nach zuvor sechs sieglosen Spielen in Folge.

24.000 Zuschauer im ausverkauften Millerntor-Stadion in Hamburg trotzten der klirrenden Kälte und sorgten auch während der ereignisarmen ersten Hälfte für eine erstklassige Stimmung.

Die Belohnung: 132 Sekunden nach dem Seitenwechsel traf Kaiserslauterns Christian Tiffert nach einer Freistoßflanke von Matthias Lehmann unglücklich ins eigene Tor.

Der entscheidende Treffer zum eher schmeichelhaften Sieg für St. Pauli, das mit nun 17 Punkten in der Tabelle zu Kaiserslautern aufschließt.

Reaktionen:

Holger Stanislawski (Trainer FC St. Pauli): "Das war eine sehr intensive Partie, aber da müssen die Jungs durch. Man muss sich eben viel erarbeiten, wenn es nicht so läuft. Die Jungs haben sich reingeknallt, sie haben richtig gearbeitet, deshalb können wir uns über die drei Punkte wirklich freuen."

Marco Kurz (Trainer 1. FC Kaiserslautern): "Das Gegentor war natürlich unglücklich, aber wir haben nicht mehr verdient. Wir haben das Spiel in der ersten Halbzeit verloren, da haben wir einiges vermissen lassen. Nach dem Tor sind wir aufgewacht und haben endlich agiert. In der ersten Halbzeit haben wir nur reagiert. Das ist sehr sehr schade, denn hier wäre mehr drin gewesen."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Zambrano, Naki und Takyi sind aus disziplinarischen Gründen nicht im Kader von St. Pauli, Oczipka sitzt überraschend auf der Bank. Weil auch Thorandt gesperrt fehlt, lässt Stanislawski also eine völlig neu formierte Viererkette ran. Volz beginnt überraschend auf links, Gunesch und Morena zentral, Rothenbach auf rechts.

Kaiserslautern beginnt mit exakt derselben Elf, die letzte Woche Schalke mit 5:0 vom Betzenberg fegte.

12.: Erste Chance der Partie: Langer Ball auf Moravek, der sich am Strafraum gegen Morena durchsetzt. Aus spitzem Winkel zieht er ab - Kessler faustet den Ball weg, St. Pauli klärt.

12.: Gleich im Gegenzug die Riesenchance für St. Pauli. Ebbers tanzt drei Kaiserslauterer aus und ist frei vor Sippel. Seinen Schuss aus elf Metern auf das lange Eck pariert der Torwart jedoch souverän.

29.: Lehmann hämmert aus 30 Metern einen Freistoß auf das Gehäuse. Sippel klatscht nur zur Seite ab, aber St. Pauli macht nichts aus dem Abpraller.

48., 1:0, Tiffert (ET): Freistoß von der rechten Seite von Lehmann. Gunesch taucht am Sechzehner unten durch, Tiffert steigt hinter ihm hoch, bekommt den Ball auf die Schulter und fälscht unhaltbar für Sippel ab. Unten rechts schlägt es ein.

76.: Freistoß aus 23 Metern, halblinks. Lehmann schießt hoch auf das kurze Eck, Sippel faustet den Ball zur Ecke. Klasse Aktion von beiden.

84.: Was für ein Pfund! Aus knapp 20 Metern zieht Bugera aus halblinker Position ab. Kessler fischt den Ball aus dem Winkel.

Fazit: Komisches Spiel, das durch ein komisches Eigentor entschieden wurde. Kaiserslautern war keineswegs die schlechtere Mannschaft, hat es aber wohl in der ersten Hälfte verpasst, die Verunsicherung des Gegners auszunutzen. Etwas schmeichelhafter, aber enorm wichtiger Sieg für St. Pauli.

Der Star des Spiels: Fabio Morena. Hatte vor allem im ersten Durchgang zwar große Probleme in der Luft gegen Lakic. Steigerte sich aber in der zweiten Halbzeit und sorgte zusammen mit dem ebenfalls neu in die Mannschaft gekommenen Gunesch dafür, dass Kaiserslautern im und um den Strafraum kaum klare Aktionen hatte. Erster Einsatz für den Kapitän seit dem 5. Spieltag - Chance genutzt.

Die Gurke des Spiels: Gerald Asamoah. Schon seit Wochen fahnden die Hamburger Medien nach einer Führungsfigur auf St. Pauli. Asamoah konnte sich dafür erneut nicht empfehlen. Wirkte gegen Kaiserslautern als hängende Spitze verloren und ohne echte Aufgabe: Versteckte sich als Anspielstation oder verlor einfache Bälle im Mittelfeld. Auch gegen den Ball ohne Biss. Sehr unglücklicher Abend für den 31-Jährigen, der nach gut einer Stunde auch raus musste.

Die Pfeife des Spiels: Knut Kircher. Hatte kaum Mühe mit der fairen Partie. Manchmal etwas kleinlich, unterm Strich aber eine souveräne und angenehm unaufgeregte Leistung.

Analyse: Nur ein Punkt aus den letzten sechs Spielen hinterlassen auch auf St. Pauli Spuren im Gemüt: Die Gastgeber begannen hektisch und verkrampft, im Spiel nach vorne fast ängstlich und ohne Eigeninitiative. Kein Pressing, kein Spiel ohne Ball, keine Anspielstationen, keine Durchschlagskraft über Außen. Konsequenz: Viele lange Bälle und nur zwei nennenswerte Szenen in 45 Minuten: Eine Einzelaktion von Ebbers und ein Freistoß von Lehmann.

Kaiserslautern zunächst mit dem Selbstvertrauen aus den letzten Spielen entschlossener im Zweikampf, variabler und präsenter im Mittelfeld, ruhig im Spiel nach vorne. Allerdings: Wenig Tempo und noch weniger Risiko. So hatten die Gäste zur Pause zwar die ordentliche Bilanz von knapp 60 Prozent Ballbesitz, aber kaum echte Torchancen.

Nur 132 Sekunden nach dem Seitenwechsel allerdings stellte Tifferts Eigentor das Spiel auf den Kopf. Mit dem Stadion im Rücken  bekam St. Pauli endlich das nötige Adrenalin und wehrte sich leidenschaftlich und taktisch diszipliniert gegen die Angriffe der Lauterer.

So konnten die Gäste in keiner Phase wirklich Druck aufbauen - auch ein Verdienst der neu formierten Hamburger Viererkette. Vor allem Morena und Gunesch arbeiteten im Zentrum immer wieder aufopferungsvoll gegen den sehr agilen und präsenten Lakic und zogen der Gäste-Offensive damit zusehends den Zahn - keine echte Chance für Kaiserslautern im zweiten Durchgang.

Trotzdem ein etwas schmeichelhafter Sieg für St. Pauli, das diesmal aber einfach das Glück hatte, das in den vergangenen Partien fehlte. Kaiserslautern dagegen hat das Spiel wohl in der ersten Halbzeit verloren, als die Gäste zu wenig investierten, um die Verunsicherung der Hamburger auszunutzen.

St. Pauli - Kaiserslautern: Daten zum Spiel

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