Fussball

FC Bayern - James-Gala gegen Mainz: Drei Tore und ein Fragezeichen

Von Dennis Melzer, Kerry Hau, Martin Volkmar
James glänzte beim Spiel gegen Mainz mit drei Treffern.

James glänzt beim 6:0 des FC Bayern gegen Mainz 05 mit drei Toren. Im Anschluss brennt eine Frage mehr denn je unter den Nägeln: Wo liegt seine Zukunft?

James Rodriguez ist kein Lautsprecher, nicht der Typ, der gerne nach dem Spiel im Scheinwerferlicht badet und mit merklicher Genugtuung die Lobpreisungen der Medien oder Teamkollegen delektiert.

Am Sonntag musste er sich aber zwangsläufig in der Mixed Zone stellen, nahm diesmal keine Sprachnachricht auf, telefonierte nicht, um geschäftstüchtig zu wirken - und damit den drohenden Reporterfragen aus dem Weg zu gehen, wie er es in der Vergangenheit nicht selten handhabte.

Der Kolumbianer war gegen Mainz 05 zum viel umjubelten Mann des Spiels avanciert, hatte erstmals seit er im Sommer 2017 auf Leihbasis von Real Madrid zum FC Bayern gewechselt war, drei Tore in einem Spiel beigesteuert.

Sehenswerte, technisch hochwertige Treffer, die zum Zungeschnalzen animierten und ihm zunächst Standing Ovations bei seiner Auswechslung und später den Spielball mit allen Unterschriften seiner Mannschaftskameraden einbrachte - so, wie es bei einem Hattrick Usus ist.

James Rodriguez hält sich zu Zukunft weiter bedeckt

"Ich bin natürlich sehr glücklich, dass ich drei Tore geschossen habe", sagte James im Gespräch mit den anwesenden Journalisten, wirkte ob seiner herausragenden Darbietung und dem damit verbundenen Rummel um seine Person aber eher peinlich berührt. Deshalb hob er auch schnell die Mannschaftsleistung hervor und bedankte sich brav bei den restlichen Bayern-Jungs, die ihm den Weg für seine Gala ebneten.

Damit war der rein sportliche Teil auch schon abgearbeitet. Zu erschreckend, zu sehr in Kaninchen-vor-der-Schlange-Manier hatte sich der Gegner aus Rheinhessen an diesem ungemütlichen Abend präsentiert. Allerdings resultierten aus James' Leistung selbstverständlich die immer wiederkehrenden Fragen zu seiner Zukunft. Fragen, um die sich im Bauch der Allianz Arena abermals alle Beteiligten metaphorisch wunden wie die bereits angesprochene Schlange.

"Das ist noch Zukunftsmusik. Dazu kann ich noch nichts sagen. Es gibt noch einige wichtige Spiele, danach müssen wir uns zusammensetzen. Ich fühle mich aber wohl hier und bin glücklich", erklärte der Mittelfeldmann.

James: Zidane "wird meine Zukunft nicht beeinflussen"

Zuletzt war er immer wieder mit einer Rückkehr zu den Königlichen in Verbindung gebracht worden, nährte dahingehende Gerüchte teilweise selbst mit einigen Aussagen. Allerdings noch bevor Zinedine Zidane, der während seines ersten Engagements als Trainer nicht unbedingt als James-Fürsprecher galt, nur neun Monate nach seinem Rücktritt erneut bei den Blancos angeheuert hatte.

Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung habe er "nie" Probleme mit Zidane gehabt, sagte der 27-Jährige und versicherte mit Hinblick auf die Zizou-Rückkehr: "Er wird meine Zukunft nicht beeinflussen."

Doch nicht nur James blieb bezüglich seiner Zukunft unkonkret. Auch den Protagonisten Uli Hoeneß und Hasan Salihamidzic waren keine wirklichen Prognosen zu entlocken.

Anders als FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge, der sich jüngst in einem Interview mit der AZ als James-Fan geoutet und recht deutlich für einen Verbleib des Edeltechnikers ausgesprochen hatte.

Hoeneß beispielsweise hatte zwar ein "sehr gutes" Spiel von James gesehen, merkte aber an: "Wir müssen das in einer Gesamtbetrachtung am Ende entscheiden, ob wir ihn verpflichten oder nicht."

Salihamidzic: "Werden darüber reden, wenn die Zeit gekommen ist"

Salihamidzic reagierte auf die Frage von Goal und SPOX, ob James gegen Mainz die perfekte Bewerbung für einen fixen Transfer im Sommer geliefert habe: "Das war heute großartig, ein sehr, sehr gutes Spiel von ihm."

Brazzo verwies aber gleichzeitig auch - gebetsmühlenartig, beinahe schon bewundernswert gelassen, immer wieder auf die gleichen Fragen eingehen zu müssen - erneut auf die lange Zeit, die noch bliebe, um eine Verpflichtung auszuloten. "Wir werden darüber reden, wenn die Zeit gekommen ist. Dann werden wir unsere Schlüsse ziehen."

Dürften vornehmlich James' Mitspieler über das weitere Vorgehen im zähen Poker entscheiden, würden sie wohl für eine langfristige Zusammenarbeit mit dem Südamerikaner votieren, schwärmten sie nach der Begegnung mit den Nullfünfern doch in den höchsten Tönen.

Niklas Süle lobte: "Sein linker Fuß ist einmalig. Er ist aber auch ein wahnsinnig guter Typ", ehe Thomas Müller, der mittlerweile nicht statt James aufgeboten wird, sondern Seite an Seite mit dem 68-maligen Nationalspieler spielt: "Ich habe schon oft gesagt, dass ich am liebsten mit ihm zusammenspiele, weil er jemand ist, der dem Ball entgegengeht. Er verteilt den Ball sehr gut und ich gehe gerne in den Raum, in den er die Bälle hereinspielen will."

Kurz zuvor hatte er James noch in der Kabine via Social Media zu dessen "sehr besonderen Leistung" gratuliert.

FC Bayern: Das Fragezeichen aus dem Weg räumen

Sehr viel analoges und virtuelles Scheinwerferlicht für einen Spieler, der sich lieber zurückhält, präferiert, seine Arbeit so gut wie möglich zu verrichten und im Anschluss ungestört wahlweise ins Auto oder in den Mannschaftsbus einsteigen zu dürfen.

Fest steht allerdings: Spätestens kurz nach der Saison werden die Strahler wieder auf ihn gerichtet sein. Um endlich dieses große, unsichtbare Fragzeichen, das seit Monaten über der Säbener Straße und der Allianz Arena schwebt, aus dem Weg zu räumen, Licht ins Dunkle zu bringen.

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