Fussball

Sebastian Rode und seine Situation beim BVB: Alles kann, nichts muss

Sebastian Rode spielt seit Sommer 2016 beim BVB.
© getty

Sebastian Rode spielt seit 2016 bei Borussia Dortmund und verpasste die gesamte letzte Saison verletzungsbedingt. Unter dem neuen Trainer Lucien Favre scheint seine Situation beim BVB aussichtslos.

Emotional gesehen war es durchaus plausibel, was der Anhang von Rot-Weiss Essen von sich gab. "Ohne Profis habt ihr keine Chance", sangen die RWE-Fans am Dienstag im Stadion Rote Erde in Dortmund. Dass die zweite Mannschaft des BVB mit drei Spielern aus dem Profikader antrat, klang ja bereits vor Anpfiff unfair.

Ausgeglichen war die Partie dann nicht, 5:0 gewann der BVB II - die ersten drei Tore legte Profi Shinji Kagawa jeweils Profi Alexander Isak auf. Der Japaner schaffte es an diesem Tag nicht in den Champions-League-Kader für das Spiel bei Atletico Madrid und Trainer Lucien Favre gab die Anweisung, dass er sich Spielpraxis in der Zweiten holen sollte.

Das ist erlaubt und regelkonform. Die Kritik der Essener Anhänger müsste sich theoretisch also an einen anderen Adressaten richten, denn der BVB hat nichts falsch gemacht. Zumal Isak ohnehin nicht im CL-Kader gelistet ist und seit einigen Wochen in der Regionalliga aufläuft.

Sebastian Rode beim BVB: Ein Jahr ohne Fußball

Auch Sebastian Rode, Profi Nummer drei, wurde von der Borussia nicht für die Spiele in der Königsklasse nominiert. In der Tat war die Partie gegen Essen Rodes erster Pflichtspieleinsatz im BVB-Dress seit 459 Tagen. Den letzten bestritt er Anfang August 2017 beim Supercup gegen seinen Ex-Klub FC Bayern München.

Es mag sich aufgrund seiner aktuellen Situation komisch anhören, doch grundsätzlich gesehen geht es für Rode endlich wieder bergauf. Die komplette vergangene Spielzeit hatte er pausieren müssen. Ein Auszug aus der Krankenakte: Bluterguss, Muskelfaserriss, Stressreaktion am Knochen, Leisten-OP.

Seit Mai ist Rode nun wieder gesund geschrieben, fit und beschwerdefrei. Die Sommer-Vorbereitung zog er ganz normal durch und kam nach der langen Abstinenz auf seine Einsatzzeiten. Beim ICC-Turnier sprangen in drei Partien 73 Minuten heraus, davon 45 im ersten Duell gegen Manchester City. Dort zeigte sich Rode gewohnt lauffreudig und engagiert, nach einem Jahr ohne Fußball hinterließ er einen ordentlichen Eindruck.

Rode-Berater Panic: "Da muss er jetzt durch"

Als sich anschließend jedoch der Konkurrenzkampf zuspitze, setzte Favre auf andere. Vier Minuten ließ ihn der Coach im vorletzten Test gegen Neapel ran, mehr war nicht drin. Axel Witsel und Thomas Delaney als die neuen Platzhirsche im defensiven Mittelfeld, aber auch Julian Weigl, Mo Dahoud und der mittlerweile abgewanderte Nuri Sahin standen vor Rode.

In der vergangenen Länderspielpause durfte er beim 4:0-Testspielsieg gegen Aachen immerhin mal wieder eine Halbzeit lang mittun. "Momentan ist es seine Aufgabe, professionell mit der Situation umzugehen", sagt Rodes Berater Branko Panic im Gespräch mit SPOX. "Bei der Mannschaft läuft es gut. Er ist ein Herausforderer. Das ist sein Job als Profi und da muss er jetzt durch. Es gilt dran zu bleiben, denn solche Situationen können sich auch schnell wieder ändern."

Kämpfen, arbeiten, dranbleiben - etwas anderes bleibt Panics Klienten aktuell kaum übrig. Favre sieht für Rodes spezifische Spielweise keinen Raum im Dortmunder Konstrukt. Beobachter loben jedoch seinen Trainingseifer. Rode lässt sich trotz der horrenden Anzahl an Frustmomenten nicht hängen und ist ein bodenständiger Kerl ohne Starallüren. Er weiß die Lage einzuschätzen und wäre er momentan BVB-Trainer, würde er an der erfolgreichen Mannschaft wohl auch nicht viel verändern.

52 Pflichtspieleinsätze beim FC Bayern

Im vergangenen Jahr wäre womöglich ein geeigneterer Zeitpunkt gewesen, um ins Team zu rutschen. Da offenbarte die Borussia große Probleme in Rodes Kernbereich und hatte deutlich weniger Wechseloptionen zur Verfügung als aktuell. Das Glück scheint sich in Dortmund seit einiger Zeit von ihm abgewendet zu haben.

Darunter auch die Zeit beim FC Bayern (2014-2016) zu zählen, ginge jedoch zu weit. Rode wechselte damals aus Frankfurt an die Isar und kam unter Pep Guardiola regelmäßig zu Einsätzen. Zwar reichte es in zwei Jahren lediglich 15 Mal in die hochkarätig besetzte und wie eine Maschine aufspielende Startformation, doch Rode war immer fester Bestandteil des Teams und kam am Ende seiner Münchner Zeit auf 52 Pflichtspieleinsätze.

Dass er sich den Wechsel zum BVB grundsätzlich anders vorgestellt hat, steht außer Frage. Zu nur sieben Startelfeinsätzen kam er bisher. Ob noch weitere hinzukommen oder sich die Wege womöglich schon im Winter trennen, ist ungewiss.

Verlässt Rode den BVB im Winter?

Dem Vernehmen nach wurde Rode im Sommer nicht zu einem vorzeitigen Abgang gedrängt. Dass er ihn nicht von selbst aus gesucht hat, spricht für seinen Charakter, denn Rode ist gewiss keiner, dem es leichtfallen würde, in einer solch schwierigen Situation einfach abzuhauen. Es nagt an ihm und vor ein paar Monaten bestand für ihn ja auch noch die Hoffnung, wieder eine echte Option werden zu können. Wieso hätte er also die bis 2020 datierte Zusammenarbeit beenden sollen, wo er sich nun endlich wieder herangekämpft hatte?

Dass er angesichts der schwierigen Lage bald vielleicht anders darüber denkt, sollte man nicht ausschließen. "Sebastian genießt auf dem Markt nach wie vor einen guten Ruf", sagt Panic. Alternativen zum BVB dürften sich für ihn finden lassen, schließlich befindet sich Rode mit 28 in einem guten Alter, um einer Mannschaft mit seiner Erfahrung weiterhelfen zu können.

Ein Wechsel muss jedoch auch immer Sinn ergeben und vor allem ein gutes Gefühl beim Spieler erzeugen. Panic bemüht in dieser Hinsicht nur das alte Swingerclub-Motto: "Alles kann, nichts muss."

Sebastian Rode: Seine Leistungsdaten beim BVB seit 2016

EinsätzeStartelfeinsätzeMinuten
Bundesliga145575
Champions League41140
DFB-Pokal2188
DFL-Supercup21134
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