Fussball

Marco Reus beim BVB: Der Boss der schwarzgelben Rasselbande

Von Stephan Weber
Marco Reus ist für den BVB aktuell unverzichtbar.

Marco Reus präsentiert sich auch in Stuttgart in Gala-Form. Als einzig Verbliebener der einstigen BVB-Vollgas-Offensive ist er für Schwarz-Gelb nun nicht nur als Führungsspieler für die jungen Talente unverzichtbar.

Es war kurz nach 17 Uhr am Samstagnachmittag, als Marco Reus seinen Arbeitstag in Stuttgart beenden durfte. Beim Stand von 3:0 für den BVB konnte Lucien Favre seinem Kapitän problemlos eine Verschnaufpause geben. Kräfte sparen für das wichtige Duell in der Champions League am Mittwoch gegen Atletico Madrid (ab 21 Uhr im LIVETICKER) war angesagt.

Als der 29-Jährige den Rasen verließ und Platz machte für seinen guten Kumpel Mario Götze, bot sich jedoch eine schöne, weil nicht gerade alltägliche Szenerie. Denn der Applaus, der nun aufbrandete, kam nicht nur aus dem Gästebereich der Schwarz-Gelben. Auch die VfB-Fans zollten der wieder einmal starken Leistung des deutschen Nationalspielers Respekt.

Reus zum Spieler des Monats September gekürt

Mit seinem Treffer zum 2:0 in der 23. Minute und der Vorlage zum Sahne-Tor seines Offensivkollegen Paco Alcacer zum 3:0 hatte Reus der Partie seinen Stempel aufgedrückt. "Es war ein rundum gelungener Nachmittag", bilanzierte er danach auch sichtlich glücklich am Sky-Mikrofon.

Fünf Tore und drei Vorlagen stehen nach acht Spieltagen schon zu Buche, Reus ist alle 82 Minuten an einem BVB-Treffer direkt beteiligt.

Pflichtspieldaten von Marco Reus im Vergleich

2018/19

2017/18

Pflichtspiele

11

15

Tore

7

7

Schüsse pro Spiel

2.5

2.3

Chancenverwertung

32%

27%

Passquote

81.3%

80.0%

Ballaktionen pro Spiel

51

46

Ballaktionen im gegnerischen Strafraum pro Spiel

5.2

4.8

Zweikampfquote

39%

43%

Der verdiente Lohn: Reus erhielt vor wenigen Tagen die von der DFL erstmals verliehene Auszeichnung zum Spieler des Monats September.

Dass er medial insgesamt dennoch im Schatten von Super-Torjäger Paco Alcacer, Juwel Jaden Sancho oder Mittelfeld-Motor Axel Witsel steht, dürfte Reus gar nicht unrecht sein.

Er ist seit jeher ein eher ruhiger Vertreter seiner Zunft. Große Töne hört man bis heute kaum vom offensiv flexibel einsetzbaren Mittelfeldspieler. Vielmehr genießt der Rechtsfuß, der sich im Sommer trotz des DFB-Desasters mit der Teilnahme an der WM einen Kindheitstraum erfüllte, im Stillen, dass es momentan sportlich und privat (Reus wird im Frühjahr 2019 erstmals Vater) perfekt läuft.

Dortmund stellt neuen Tor-Rekord auf

Der BVB macht im Herbst 2018 so viel Spaß wie lange nicht mehr und stellte in Stuttgart einen weiteren Vereins-Rekord auf. Noch nie zuvor hatte die Borussia in der Bundesliga-Historie nach acht Spielen bereits 27 Treffer erzielt.

Im Vorjahr war Schwarz-Gelb unter Favres Vorgänger Peter Bosz ebenfalls perfekt und spektakulär in die Saison gestartet, dann nach der 2:3-Pleite zuhause gegen Leipzig an Spieltag acht aber völlig aus dem Tritt geraten.

Dieser Knackpunkt ist also schon einmal überwunden. Und auch so deutet derzeit wenig darauf hin, dass sich Ähnliches wiederholt. Schließlich ist von den damals in der Folge entstandenen Problemen abseits des Feldes wie dem unrühmlichen Abgang von Pierre-Emerick Aubameyang, der sich im Winter zum FC Arsenal streikte und für große Unruhe sorgte, derzeit nicht auszugehen.

Reus letzter Verbliebener der einstigen Vollgas-Offensive des BVB

Von der einstigen Vollgas-Offensive um Aubameyang und dem zum FC Barcelona transferierten Ousmane Dembele ist einzig Reus übrig geblieben.

Was heißt nur noch? Nicht nur statistisch geht Reus aktuell mehr denn je voran. Unter seinem Förderer Favre, den Reus vor kurzem einmal mehr "fachlich" und "menschlich" als den besten Trainer, den er je hatte, pries, hat der 29-Jährige noch einmal unübersehbar einen weiteren großen Schritt hin zum Führungsspieler gemacht.

Mit der Übergabe der Kapitänsbinde an Reus, zuvor hatte Marcel Schmelzer das Amt inne, hat der Schweizer Coach dessen Rolle an der Spitze der Mannschafts-Hierarchie auf und neben dem Platz manifestiert.

Und Reus zahlt mit Leistung zurück. Als verlängerter Arm des Trainers auf dem Feld ist der gebürtige Dortmunder gerade für die jungen Spieler, die neben ihm regelrecht aufblühen, ein wichtiger Fix-Punkt und zentrales Element für den Spektakel-Fußball, der national seines Gleichen sucht und auch international beachtet wird.

Besonders mit Neuzugang Alcacer funktioniert das Zusammenspiel - wie auch am Samstag in Stuttgart zu sehen - schon bestens. "Wir haben sofort gesehen, dass die beiden sich gut verstehen und fußballerisch auf einer Linie sind", schwärmte Manager Michael Zorc zuletzt in der Sport Bild.

Die Dortmunder Top-Scorer in der Bundesliga:

SpielerToreAssistsScorerpunkte Gesamt
Marco Reus538
Jadon Sancho268
Paco Alcacer707

Zum Reifeprozess gehört aber auch, dass Reus darum bemüht ist, der automatisch entstandenen Euphorie Einhalt zu gewähren.

Schließlich sei auch gegen den VfB längst nicht alles perfekt gewesen. "In der ersten Halbzeit haben wir schnellen Fußball gespielt und den Ball laufen lassen", lobte Dortmunds Nummer 11 zwar, um dann aber direkt eine Mahnung folgen zu lassen: "In der zweiten Halbzeit hatten wir etwas weniger Zugriff und haben kein Mittel mehr gefunden". Er gestand, "dass wir trotz der guten Ergebnisse taktisch noch einiges zu tun haben."

Reus: "Reifeprüfung gegen Atletico"

Schon am kommenden Mittwoch wartet mit Atletico nun ein anderes Kaliber als der kriselnde VfB auf die Favre-Elf. Es werde eine "Reifeprüfung für uns, vor allem für die jungen Spieler", so Reus.

Gerade defensiv sind die Rojiblancos nur schwer zu knacken. Sollte die Dortmunder Gala-Offensive aber weiter so furios und effizient aufspielen wie in den letzten Partien, scheint auch gegen den spanischen Top-Klub alles möglich.

Und wenn Favre dann wieder den Luxus haben sollte, Reus wenige Minuten vor Spielende bei komfortabler Führung auszuwechseln zu können, dürfte im Dortmunder Signal Iduna Park ein deutlich lauterer Jubel als in Stuttgart aufbranden.

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