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Wer wird Trainer beim FC Bayern München? Die Suche nach dem Heynckes-Klon

Von SPOX
2013 feierte der FC Bayern mit Trainer Jupp Heynckes (M.) den größten Erfolg der Vereinsgeschichte

Der FC Bayern München macht in der Trainerfrage keine gute Figur und steht auch sechs Monate nach der Entlassung von Carlo Ancelotti noch ohne Plan für die neue Saison da. Die Arbeit von Jupp Heynckes hat den Klub wieder in die Spur gebracht, aber auch die Messlatte für dessen Nachfolger sehr hochgelegt. Was muss der neue Mann auf der Trainerbank des Rekordmeisters können?

Zu Beginn des Jahres hat Uli Hoeneß diese Charmeoffensive ausgerufen. Der 66-jährige Präsident des FC Bayern München ließ es sich nicht nehmen, seine Wertschätzung für Jupp Heynckes bei jeder Gelegenheit kundzutun.

Hoeneß schien sich ziemlich sicher, dass er seinen Kumpel Jupp nur lange genug umgarnen müsse, um ihn von der Abkehr von seinem ursprünglichen Plan zu überzeugen. Dieser lautete: Die Übernahme des Trainerjobs nach der Entlassung von Carlo Ancelotti ist ein Freundschaftsdienst und endet zum 30. Juni 2018.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge stieg wenig später ein und unterstützte Hoeneß. "Wir wären ja schlecht beraten, diesen Mann, der nicht nur ein guter Trainer ist, sondern auch ein wunderbarer Mensch, wenn wir den so ohne Weiteres kampflos aufgeben würden", sagte Rummenigge.

Und weiter: "Bei Jupp Heynckes muss man auch ein Stück diese Geduld haben. Man muss den Jupp, ohne ihn zu drängen, mit der notwendigen Eleganz begleiten."

Welcher Trainer moderiert den Umbruch beim FC Bayern?

Die Bayern haben Heynckes in den vergangenen Monaten mal mit mehr, mal mit weniger Eleganz begleitet und dabei feststellen müssen, dass sie noch so geduldig sein können, an Heynckes' Entschluss wird sich nichts ändern. Er hört auf.

Sechs Monate nach der Entlassung von Carlo Ancelotti steht der FC Bayern also wieder am selben Punkt: Wer wird neuer Trainer? Wer soll den Umbruch langfristig moderieren? Und wer führt die fußballerische Entwicklung dieser Mannschaft fort?

Wie schon damals fiel es der Führungsriege aus diversen Gründen schwer, sich auf den naheliegendsten Kandidaten Thomas Tuchel zu einigen.

Neuer Bayern-Trainer erst im Mai oder Juni?

Mit dem Thema Zeitdruck wollen sich die Bayern aber nicht beschäftigen, auch wenn die aktuelle Saison in die Endphase einbiegt und die neue schon längst geplant werden muss.

Ancelotti und zuvor Pep Guardiola "haben wir sehr früh installiert. Es kann auch sein, dass wir dieses Mal nur ein oder zwei Monate vorher einen Trainer haben werden", sagte Rummenigge schon im Januar. Klar sei nur: "Wir werden einen Trainer haben."

Damals hieß es auch, dass man sich auf einen deutschen bzw. deutschsprachigen Trainer festgelegt habe. "Jupp Heynckes wäre der idealste deutsche Trainer."

Was hat Heynckes in seiner sechsmonatigen Amtszeit beim FC Bayern gemacht und was muss sein Nachfolger für Qualifikationen mitbringen?

Die Bayern-Trainer der vergangenen 20 Jahre

TrainerAmtszeit
Giovanni Trapattoni01.07.1996 bis 30.06.1998
Ottmar Hitzfeld01.07.1998 bis 30.06.2004
Felix Magath01.07.2004 bis 31.01.2007
Ottmar Hitzfeld01.02.2007 bis 30.06.2008
Jürgen Klinsmann01.07.2008 bis 27.04.2009
Jupp Heynckes28.04.2009 bis 30.06.2009
Louis van Gaal01.07.2009 bis 09.04.2011
Andries Jonker10.04.2011 bis 30.06.2011
Jupp Heynckes01.07.2011 bis 30.06.2013
Pep Guardiola01.07.2013 bis 30.06.2016
Carlo Ancelotti01.07.2016 bis 28.09.2017
Willy Sagnol29.09.2017 bis 08.10.2017
Jupp Heynckes09.10.2017 bis 30.06.2018

Heynckes hat beim FC Bayern eine klare Hierarchie installiert

Als nach der vergangenen Saison Philipp Lahm und Xabi Alonso ihre Karrieren beendeten, war Ancelotti plötzlich in einer veränderten Rolle gefragt. Der Italiener musste eine neue Hierarchie in der Mannschaft aufbauen und nicht mehr nur das Erbe seines Vorgängers Guardiola verwalten.

Lahm und Alonso waren die unumstrittenen Führungsspieler, die viele Dinge im Mannschaftskreis regelten und die deutsche sowie die spanischsprechende Fraktion auf Kurs hielten. Mit ihrem Abschied begann für Ancelotti die schwierigste Aufgabe, an der er am Ende auch scheiterte.

Ancelotti wollte seine Mannschaft um Thiago aufbauen und ließ Spieler wie Thomas Müller oder Jerome Boateng zurück. Diese Gemengelage flog ihm schließlich um die Ohren.

Als Heynckes kam, stellte er fest: "Die Spieler brauchen Führung. Ich will eine klare Hierarchie installieren, den Spielern Vertrauen in ihre Einwirkungsmöglichkeiten geben."

Mit Müller und Manuel Neuer sind die beiden Kapitäne wieder ganz oben in der Rangfolge, auch wenn Neuer weiterhin nicht spielen kann. Dahinter gibt es mit Boateng, Arjen Robben, Franck Ribery und Mats Hummels eine Gruppe von weiteren Führungsspielern.

Heynckes hat die Disziplin zurückgebracht

Der Trikot-Wurf von Ribery nach seiner Auswechslung im Champions-League-Spiel gegen den RSC Anderlecht war sicherlich der Höhepunkt der Disziplinlosigkeiten beim FC Bayern in der Phase vor Ancelottis Rauswurf. Die Unzufriedenheit vieler Spieler wurde immer öfter sicht- und hörbar.

Zuvor hatte sich auch Müller schon kritisch in der Öffentlichkeit über seinen Trainer geäußert und dessen Aufstellung hinterfragt. Bei Heynckes gibt es auch Spieler, die weniger zum Zug kommen und mit ihrer Rolle nicht zufrieden sein können, aber der 72-Jährige moderiert die Situation deutlich besser.

"Mir ist eine angenehme Atmosphäre sehr wichtig", sagt Heynckes. "Regeln und Disziplin auf allen Ebenen" seien besonders in einer Fußballmannschaft nötig.

"Er fordert elementare Dinge ein: Pünktlichkeit. Höflichkeit gegenüber allen Mitarbeitern: Jeder soll gegrüßt und freundlich behandelt werden - egal, welche Aufgabe er hat. Zudem Sauberkeit, jeder soll seinen Platz in der Kabine sauber halten", sagt Hummels: "Das sind simple Sachen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Aber es schadet nie, diese noch einmal zu betonen und allen klarzumachen."

Heynckes hat die Trainingsintensität erhöht

Es war einer der größten Vorwürfe an Ancelotti, dass sein Training nicht allerhöchsten Ansprüchen genüge. Vor allem sein rauchender Fitnesstrainer Giovanni Mauri stand sinnbildlich für den Schlendrian, der sich in die Trainingseinheiten an der Säbener Straße eingeschlichen hatte.

Heynckes machte von Beginn an keinen Hehl daraus, dass er mit der körperlichen Verfassung einiger Spieler nicht einverstanden sei. Mehrmals sprach er über die höhere Trainingsintensität, die er und sein Trainerteam verordnet hätten.

Nach den ersten Wochen unter Heynckes sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic: "Die Spieler werden langsam fit." Die Trainingseinheiten beim FC Bayern beginnen seit dem Trainerwechsel eine Stunde früher und sind länger sowie intensiver.

Heynckes hat den Teamspirit gefördert

Schon bei seiner Vorstellung sagte Heynckes: "Es geht darum, eine Mannschaft zu formen, die wirklich zusammenspielt und zusammenarbeitet." Es sei zwar normal, dass Spieler, die die gleiche Sprache sprechen, mehr Kontakt miteinander hätten, aber es darf keine Grüppchenbildung geben. Alle müssen gemeinsam für ein Ziel arbeiten.

Heynckes kam entgegen, dass er einen Großteil der Mannschaft schon von seinem vorherigen Engagement kannte. Dazu helfen ihm seine Spanischkenntnisse, um Vidal, Thiago, Martinez und James Rodriguez zu führen.

Heynckes hat öffentlich und auch vor der Mannschaft schon mehrfach erzählt, dass der den Teamgeist als entscheidenden Schlüssel der Triple-Mannschaft 2013 ansieht. Mit diesem Vergleich schwört er das aktuelle Team auf die gemeinsamen Ziele ein.

Ab der nächsten Saison muss das ein Anderer machen. Ein Anderer, der aber am besten die gleichen Fähigkeiten wie Heynckes haben sollte. Der FC Bayern sucht den Heynckes-Klon.

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