Armin Veh wird Geschäftsführer in Köln: Quereinstieg ins Trümmerfeld

Von SPOX
Mittwoch, 06.12.2017 | 20:00 Uhr
Armin Veh wird Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln
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Der 1. FC Köln hat mit Armin Veh als Erben von Jörg Schmadtke eine erstaunliche Personalie präsentiert. Ein Personalie, die Risiken birgt - in der aktuellen Konstellation aber auch funktionieren kann.

"Abstiegskampf brauch' ich auch nimmer."

Fast auf den Tag genau einen Monat, nachdem Armin Veh im März 2016 bei Eintracht Frankfurt, seiner wohl letzten Station als Trainer, freigestellt worden war, gab er der Süddeutschen Zeitung ein Interview. Darin erklärte der jetzt 56-Jährige nicht nur, dass sein nächster Klub einer "mit viel Potenzial sein" müsse, einer "bei dem du mehr gewinnst als verlierst". Nein, er wiederholte auch das, was er zwei Jahre zuvor bei seinem ersten, damals noch freiwilligen Abschied, aus Frankfurt klargemacht hatte: Armin Veh und ein Verein im Abstiegskampf, das werde es nicht mehr geben.

Am Nikolaustag 2017 hat Veh jetzt einen Vertrag als Geschäftsführer Sport beim 1. FC Köln unterschrieben. Der 1. FC Köln, der so schlecht gestartet ist, wie noch nie ein Verein in der Bundesliga: 14 Spiele, kein Sieg, drei Pünktchen, sogar der Vorletzte Bremen ist schon acht Punkte weg.

Kurzgesagt: Ein Verein im Abstiegskampf.

Spinner über Veh: "Erfüllt perfekt die Kriterien"

Es war nicht der einzige Grund, warum sich zunächst Erstaunen in Fußballdeutschland breit machte, als die Ernennung des neuen Kölner Geschäftsführers um 13.15 Uhr am Mittwoch publik wurde. Die "perfekt erfüllte Kriterien", die der angeschlagene Effzeh-Präsidenten Werner Spinner in einem euphorischen Statement verlautbaren ließ, waren im ersten Moment nicht wirklich ersichtlich.

So ist Vehs Erfahrungsschatz abseits der Trainerbank überschaubar. In den späten Achtzigerjahren war er drei Jahre lang Manager beim FC Augsburg und dessen Vorgängerklubs, 2009 gab er als Nachfolger von Felix Magath beim VfL Wolfsburg Trainer und Sportdirektor in Personalunion. Nach sechs Monaten übernahm damals Dieter Hoeneß das Management, vier Wochen später wurde Veh als Coach entlassen.

Ab kommenden Montag soll der 56-Jährige, der auch bei Borussia Dortmund als Feuerwehrmann einigermaßen hoch im Kurs gestanden haben soll, mithelfen, beim 1. FC Köln zu retten, was wohl nicht mehr zu retten ist. Und das ohne allzu viel Einarbeitungszeit, denn: Mit der Suche nach einem neuen Trainer nach dem Rauswurf von Peter Stöger steht bereits eine Aufgabe an - die nicht nur für den Klub, sondern auch für Veh selbst fundamental sein wird.

Denn geht es dabei nicht nur um die Rückkehr zu sportlichen Erfolgen für die Mannschaft, sondern auch darum, welches Klima in Zukunft bei den Geißböcken herrscht. Jörg Schmadtke und Stöger hatten es als Duo beinahe vier Jahre lang geschafft, im euphorisiert unruhigen Kölner Umfeld ruhig und seriös zu arbeiten. Veh gilt zwar nicht als Schreihals - aber durchaus als jemand, der eine starke Meinung hat und diese auch gerne in der Öffentlichkeit vertritt.

Veh soll den Kölner Absturz auffangen

Und trotz alldem, trotz aller vermeintlichen Widersprüche, ist Veh in Köln ein Projekt, das funktionieren könnte. "Auf die Möglichkeit, beim 1. FC Köln ein nachhaltiges Projekt anzugehen, freue ich mich sehr", sagt Veh selbst: "Die Verantwortlichen des FC haben mich davon sofort begeistert."

So hat sogar der FC Bayern vor kurzem den Sportdirektorenposten mit dem Quereinsteiger Hasan Salihamidzic besetzt. Und natürlich ist die Erfolgsoase München wenig vergleichbar mit dem gerade am Boden liegenden Köln, doch wird auch Veh ohne viel Druck seiner Arbeit nachgehen können. Denn egal, wie der FC die verbleibenden Spiele bis zur Winterpause gestaltet - mit dem Klassenerhalt rechnen realistischerweise nur noch die wenigsten. Viel zu verlieren, das kommt Veh zu Gute, haben sie bis Mai eh nicht mehr in Köln.

Vielmehr soll Veh, an der Seite seines Mitstreiters aus VfB-Zeiten und Finanzgeschäftsführer Alexander Wehrle, den aktuellen Absturz langfristig auffangen; wieder etwas aufbauen. Sein Vertrag läuft bis 2020. Und auch wenn es gerade sarkastische Stimmen aus dem Rheinland gibt, Vehs einziger Pluspunkt sei, dass er nicht der nicht der noch skeptischer beäugte Didi Beiersdorfer ist: Sein Erfahrungsschatz und Kenntnis der Bundes- und auch der 2. Liga kann man Veh nicht wegdiskutieren.

Und vielleicht ist Abstiegskampf ja erträglicher, sobald man nicht mehr auf der Trainerbank sitzt.

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