Von der Bank zur Bank

Von SPOX
Montag, 30.01.2017 | 12:33 Uhr
Thomas Kessler kassierte in seinen bisher acht Bundesliga-Einsätzen in dieser Saison neun Tore
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Thomas Kessler steht beim 1. FC Köln seit der Verletzung von Timo Horn zwischen den Pfosten. Der gebürtige Kölner ruft Woche für Woche Top-Leistungen ab und stellt dennoch keinerlei Ansprüche. Der Keeper spiegelt den neuen 1. FC Köln wider.

"Ich habe kein Problem damit, eher in der zweiten Reihe zu stehen." Stirnrunzeln. Kein Profi, kein Sportler nimmt gerne die Zuschauerrolle ein.

Einer für alle, alle für einen. Wer sich diese Denke in der Ellbogengesellschaft des modernen Profi-Fußballs noch ernsthaft auf die Fahne schreibt, macht sich gewissermaßen zur Lachnummer. Thomas Kessler ist eine von wenigen Ausnahmen.

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"Ich lebe unheimlich gerne in Köln, und ich liebe diesen Fußballverein, seitdem ich denken kann", sagte Kessler vor einigen Wochen im Interview mit bundesliga.de: "Ich versuche, mit jeder Faser meines Körpers dieser Mannschaft zu helfen." Klingt kitschig, kommt aber von Herzen. Und das darf Kessler derzeit unter Beweis stellen.

Seit Wochen auf Top-Niveau

Seit der Meniskus-Verletzung von Timo Horn steht der 31-Jährige in der ersten Reihe und ruft seitdem Top-Leistungen im Kasten der Kölner ab. Anfang November war das. "Thomas ist ein erstklassiger Torhüter und mit all seinen Qualitäten ein wertvolles Mitglied unseres Teams", lobte Geschäftsführer Jörg Schmadtke die eigentliche Nummer zwei.

Die Perspektive auf einen Stammplatz ist für Kessler nicht erkennbar. Sobald Horn wieder fit ist, muss "Kess" wieder Platz machen. Die Verbundenheit zum Verein, zur Mannschaft lässt den ebenbürtigen Ersatzmann aber keinen Gedanken an einen Wechsel verschwenden.

Das war nicht immer so. Seit jeher zurrt Kessler seine Handschuhe für den FC zusammen - mit zwei Ausnahmen: Leihgaben an St. Pauli und Eintracht Frankfurt. "Irgendwann war der Punkt gekommen, wo ich mich nicht noch mal ein Jahr vertrösten lassen wollte. Ich hatte damals das Gefühl, dass jedes Jahr, das ich nicht spiele, mir nicht gut tut."

Ansichten relativieren sich - Klubs verändern sich

Mit sieben Jahren mehr auf dem Buckel hat sich Kesslers Wahrnehmung gewandelt. Seine Vertragsverlängerung im April letzten Jahres bis 2019 war daher nur zu erwarten. Doch auch der Verein hat sich gewandelt - sportlich als auch in seiner Philosophie. Beides hat Peter Stöger mitgeprägt.

Die fußballerischen Quantensprünge spiegeln sich in der Tabelle wider. 29 Punkte. Platz sieben. Die internationalen Ränge sind absolut machbar für Köln. Kessler fühle sich zum Teil schon wie Manuel Neuer, weil er so wenige Bälle zu halten bekomme. Der Grund dafür?

"Wir sind keine Mannschaft, die von drei, vier Stars lebt. Wir sind als Kollektiv stark", so Kessler. Klingt wieder kitschig. Dennoch hat es Stöger geschafft, dass der Effzeh genau das verinnerlicht hat. "Jeder Trainer hat andere Stärken, aber in Sachen Menschenführung gebe ich ihm eine 1+ mit Sternchen", lobte Kessler seinen Coach gegenüber dem Kölner Stadtanzeiger.

Jeder Spieler habe das Gefühl, gleich wichtig zu sein. Auch Kessler findet natürlich keinen enormen Gefallen daran, wieder auf der Bank Platz nehmen zu müssen. Dennoch ist er - auch neben dem Platz - eine wichtige Säule des Erfolgsteams. Kessler lässt seinen vermeintlichen Teamgeist-Phrasen Taten folgen. Dass er mehrfach in den Mannschaftsrat gewählt wurde, ist nicht erstaunlich.

Der Traum jedes Trainers

Und so ganz nebenbei spielt der Routinier erstklassigen Fußball. Mit ihm im Kasten verlor Köln erst ein Spiel. Klare Rollenverteilung bedeutet keinen Mangel an Konkurrenzkampf. Der spornt Kessler noch immer an. Der lässt ihn besser werden. Die Zahlen sprechen für ihn. (Hier für App-User)

Der Traum eines jeden Trainers: Ein unkomplizierter, leistungsfähiger Ersatzmann. "Wir können uns glücklich schätzen, dass wir einen super Mann haben, der jederzeit spielen kann. Wir haben nach der Verletzung von Timo nicht darüber nachgedacht, auf dem Markt nach einem anderen Torwart zu suchen", so Stöger.

Auch Torwart-Legende Toni Schumacher ist begeistert: "Kessler ist einfach eine Bank. Er hat mehrfach bewiesen, dass er richtig stark ist."

Und solange die Bank ab und an auch mal die Bank verlassen darf, "freue ich mich und versuche Gas zu geben."

Thomas Kessler im Steckbrief

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