Der neue Stern unterm Bayer-Kreuz

Von Simon Ommer
Dienstag, 31.01.2017 | 17:27 Uhr
Leon Bailey wechselt für 12 Millionen Euro zu Bayer 04 Leverkusen
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Nach langem Transferpoker meldete Bayer 04 Leverkusen Vollzug: Leon Bailey wird sich der Werkself mit sofortiger Wirkung anschließen. Der Linksaußen wechselt für 13,5 Millionen Euro vom KRC Genk an den Rhein und könnte dort mittelfristig Nationalspieler Julian Brandt ersetzen. Im Kampf um den jungen Mann setzte sich Bayer gegen zahlreiche Konkurrenten durch. So unumstritten sein Talent ist, so umstritten ist das Umfeld des 19-Jährigen.

Schnelle Männer gibt es auf Jamaika en masse. Keine andere Nation bringt so viele Topathleten auf der Tartanbahn hervor wie die kleine Karibikinsel. Doch Fußballer? Fehlanzeige! Bei Leon Bailey soll das anders sein. Der Youngster gilt als vielversprechendes Talent und soll nun die Offensive der Leverkusener beleben. Seine große Stärke: Die Schnelligkeit. Natürlich, wie könnte es anders sein beim Mann aus dem Land der Sprinter.

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Seine Heimat hat der Flügelstürmer jedoch früh verlassen. Bereits im Jahr 2011 machte er sich auf die große Reise nach Europa, um seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Zwar wechselte er nicht zu einem Topverein, dennoch sorgte er in Österreich für Furore: Für die U15 des USK Anif erzielte er in 16 Meisterschaftsspielen unglaubliche 75 Treffer.

Der weitere Werdegang des 19-Jährigen ist, ebenso wie seine Torquote in Österreich, gleichermaßen unglaublich, aber auch bizarr: Während der Zeit in Anif ist Bailey mit seinem Berater und Stiefvater Craig Butler durch Europa gereist, um an Probetrainings von größeren Vereinen teilzunehmen. Bei seinem Klub fehlte er daher regelmäßig.

"So schnell, das ist nicht normal"

Unter anderem absolvierte er ein Training bei Ajax Amsterdam. Frank de Boer, damaliger Jugendtrainer von Ajax, schwärmte im Jahr 2015 gegenüber Het Nieuwsblad von den Fähigkeiten des Jamaikaners: "Er ist so schnell, das ist nicht normal. Und er verbindet das mit einer super Technik, diese Kombination ist außergewöhnlich."

Nach seinem Engagement in Österreich wurde es jedoch kurios: Im Sommer 2013 zog er weiter und verließ USK Anif in Richtung Slowakei zu AS Trencin. So berichteten es zumindest die Medien. Sein Berater Butler stellte jedoch klar, dass er zurück nach Jamaika ging, um sich für den endgültigen Sprung nach Europa vorzubereiten. Eben jener Berater sorgte schon vor einigen Jahren für negative Schlagzeilen, als er in Jamaika eine sechsjährige Sperre absitzen musste sowie in Mexiko eine Entführung vorgetäuscht hatte.

Erste Station in Europa

Jedenfalls wechselte Bailey im Sommer 2015 von der Phoenix Academy in Jamaika zum KRC Genk. In Belgiens Jupiler Pro League absolvierte er in seiner ersten Spielzeit 25 Spiele. Dabei erzielte er vier Treffer und bereitete sieben weitere vor. Man sollte ihn also nicht nur auf sein Tempo und seine Technik reduzieren, denn seine Statistiken zeigen, dass er nicht nur als Torschütze, sondern auch als Vorbereiter glänzt.

In der aktuellen Spielzeit kommt er auf sieben Torbeteiligungen in 19 Partien. Für Furore sorgte er darüber hinaus auf internationaler Bühne in der Europa League und deren Qualifikation. In zwölf Begegnungen gelangen ihm dort sieben Treffer. Er führte Genk damit nahezu im Alleingang zum Gruppensieg.

So ist es nicht verwunderlich, dass Bailey in den Fokus von Europas Spitzenklubs gerückt ist. Neapel, Manchester United, FC Liverpool - nur eine Auswahl der Vereine, die angeblich am 19-Jährigen interessiert waren. Letztlich hat Bayer Leverkusen nach langem Hin und Her das Rennen gemacht. "Mit Leon Bailey haben wir erneut einen vielversprechenden Spieler langfristig an uns binden können", freut sich Geschäftsführer Michael Schade über den Transfer. Der Jamaikaner hat einen Vertrag bis 2022 unterschrieben.

Schnelligkeit, Technik, Selbstvertrauen

Trainer Roger Schmidt erhält mit Bailey nicht nur einen pfeilschnellen und torgefährlichen Offensivspieler, sondern auch einen selbstbewussten jungen Mann. "Er traut sich, dich anzuschreien, wenn etwas nicht gut läuft", erklärt sein ehemaliger Mitspieler Thomas Buffel und setzt fort: "In Kevin de Bruyne erkenne ich Leon Bailey ein bisschen wieder. Beide sind ziemlich überzeugt von ihren Qualitäten." Der Vergleich zu den absoluten Superstars lässt also nicht lange auf sich warten.

Einen andere Ähnlichkeit erkennt Winfried Schäfer, der bis zum Herbst Nationaltrainer von Jamaika war: "Bailey erinnert mich an Mehmet Scholl. Er kann vorne alles spielen, ist beweglich, technisch sehr stark, besitzt einen super linken Fuß. Und darüber hinaus ist er auch noch pfeilschnell." Bailey wandelt also auf den Spuren einer Bayern-Legende.

In Leverkusen muss er sich allerdings erst einmal dem Konkurrenzkampf stellen. Gerade auf den Außenbahnen ist der Klub aus dem Rheinland stark besetzt. Karim Bellarabi ist auf rechts gesetzt, über die linke Seite agiert im 4-4-2-System entweder Hakan Calhanoglu oder Julian Brandt. Dennoch ergibt der Transfer von Bailey absolut Sinn - für alle Beteiligten. Leon Bailey wird trotz der Konkurrenz reichlich Spielpraxis erhalten, denn aufgrund seiner Flexibilität kann er in der kompletten Offensive eingesetzt werden, wenn auch vorerst nur als Joker.

Ersatz für Brandt?

"Bayer 04 ist ein guter Klub. Hier möchte ich den nächsten Schritt machen, Leverkusen ist dafür bekannt, dass man sich hier gut entwickeln kann", äußerte sich der Spieler auf der Homepage der Werkself.

Die Verpflichtung passt zudem komplett ins Bild der Bayer-Philosophie. Bailey ist nicht der erste junge Spieler, der sich unter dem Bayer-Kreuz entwickeln und mittelfristig in die Startformation spielen soll. Darüber hinaus ist die Mannschaft von Roger Schmidt dann auch auf einen möglichen Abgang von Nationalspieler Julian Brandt vorbereitet, der immer wieder mit europäischen Spitzenvereinen in Verbindung gebracht wird.

Selbstverständlich ist die Entwicklung von Bailey noch längst nicht beendet, wahrscheinlich hat sie noch nicht einmal ihren Höhepunkt erreicht. In Leverkusen kann er nun seine Stärken erstmals in einer Topliga beweisen. Ob er die Mannschaft auf Anhieb zu Erfolgen schießen kann, bleibt abzuwarten - auszuschließen ist dies jedoch gerade wegen seines rasanten Aufstiegs nicht.

Leon Bailey im Steckbrief

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