Der FC Schalke vor der Rückrunde

Die Suche nach dem zweiten Herbst

Von Mario Krischel
Mittwoch, 18.01.2017 | 17:54 Uhr
Wohin führt die Reise des FC Schalke im neuen Jahr?
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Vor dem Start in die zweite Saisonhälfte der Bundesliga ist die Situation beim FC Schalke ungewiss. Trotz einer nach außen getragenen positiven Stimmung ergeben sich wieder einmal viele offene Fragen. Was ist mit den Verletzten? Wer vertritt wen? Wie fügen sich die Neuzugänge ein? Eines steht jedoch fest: Es müssen frühzeitig Antworten folgen.

Die Hinrunde

Ohje, oh yes, och nö - will man es kurz machen, dann fasst man die Hinrunde der Knappen in etwa so zusammen. In der expandierten Fassung bedarf es aber wohl einiger Erklärungen. Der Horrorstart mit fünf Pleiten zum Auftakt ist omnipräsent, das haben auch Manager Christian Heidel und Trainer Markus Weinzierl während der dann folgenden Serie ohne Niederlage im Oktober und November immer betont.

"Natürlich läuft man dem Rest nach so einem Start die gesamte Saison hinterher". Trifft zu. Was hierbei jedoch auffiel und nach wie vor auffällt: Noch nie war es auf Schalke, das gewiss höhere Ansprüche hat als den aktuell elften Rang, so ruhig. Nach fünf Spielen ohne Punkt keine Trainerdiskussion? Vor nicht einmal einem Jahr undenkbar. Doch eben das wird dem Gespann Heidel/Weinzierl hoch angerechnet. Sie haben es geschafft, das Umfeld und die dünnhäutigen Anhänger von ihrem Weg zu überzeugen. Genährt wurde die Zuversicht später unter anderem durch eine starke Aufholjagd in der Liga, die vorzeitige Qualifikation für die Europa-League-Zwischenrunde und das Überwintern im DFB-Pokal - all das geschah im Goldenen Herbst.

Dann kam das sportlich weniger relevante letzte Gruppenspiel der Euro League in Salzburg, das Schalke mit 0:2 verlor und die Serie von zwölf ungeschlagenen Spielen beendete. Dass aus den letzten vier Partien vor Wintereinbruch dann nur noch ein Punkt geholt wurde, hat aus der Zuversicht wieder eine gewisse Unsicherheit werden lassen.

Das Personal

Aufs Stichwort. Mit der Systemumstellung Ende September vom 4-2-3-1 hin zum 3-5-2 hatte Weinzierl nach zahlreichen Varianten zu Saisonbeginn endlich seine Stammelf gefunden. Eine Dreierkette, bestehend aus "Zweikampfmaschinen" (O-Ton Ralf Fährmann). Zwei offensive Außenverteidiger, die oben drein noch torgefährlich sind. Ein Mittelfeld, das die perfekte Mischung aus Balleroberung und Ballverteilung darstellt. Davor ein kleiner, dribbelstarker Wirbelwind und in vorderster Front der ballbehauptende Abschlussstürmer - im Idealfall.

Denn genau da trat das Dilemma ein, das sich Weinzierl und Heidel im Sommer wohl nicht schlimmer hätten ausmalen können. Erst Rekordneuzugang Breel Embolo, dann sein Vertreter Klaas-Jan Huntelaar, dann dessen Ersatz Franco Di Santo und am Ende auch noch Eric Maxim Choupo-Moting - von vier nominellen Angreifern stand am Ende keiner mehr zur Verfügung. Dazu kamen zwischenzeitliche Sperren für Benedikt Höwedes und Naldo sowie Blessuren bei Matija Nastasic, weshalb auch in der Abwehr öfter rotiert wurde als gewünscht. Immerhin konnten mit Thilo Kehrer, Fabian Reese und Donis Avdijaj gleich mehrere Nachwuchshoffnungen auf sich aufmerksam machen.

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Die dünne Personaldecke sieht allerdings auch nach der Winterpause nicht wirklich verbessert aus. Neben den Verletzungen werden zu Beginn der Rückrunde auch noch Nabil Bentaleb (Algerien) und Abdul Rahman Baba (Ghana) aufgrund des Afrika Cups fehlen. Embolo wird nicht vor März zurückerwartet, bei Huntelaar könnte es im Februar wieder gehen und Di Santo muss wegen seiner Bauchmuskelbeschwerden eventuell unters Messer. Immerhin Choupo-Moting ist komplett fit und sagte sogar seine Teilnahme am Afrika Cup ab. Dennoch ist der Kameruner nicht der klassische Abschlussstürmer, den die Königsblauen wieder benötigen.

Die Neuzugänge

Im Winter musste Heidel reagieren - und er hat reagiert. Guido Burgstaller kam als Toptorjäger der 2. Liga vom 1. FC Nürnberg und unterschrieb auf Schalke bis 2020. Der kernige Österreicher soll der stockenden Offensive wieder mehr Torgefahr verleihen. Dazu wurde Holger Badstuber bis zum Ende der Spielzeit vom FC Bayern ausgeliehen. Der langzeitverletzte Abwehrmann hofft, auf Schalke wieder zu alter Form zu finden. Die nötige Spielpraxis wird er wohl bekommen, da auch hinter dem gesundheitlichen Zustand von Kapitän Höwedes (Hüftverletzung) noch ein Fragezeichen steht.

Die Aufstellung

An diesem Punkt allerdings beginnt die Kette der Fragen erst: Wie finden sich die Neuzugänge ein? Können Burgstaller und Badstuber den Knappen sofort weiterhelfen? Wer vertritt Bentaleb? Mit welcher Formation lässt Weinzierl spielen?

Gerade für Badstuber wird es schwierig sein, nach langer Leidenszeit sofort wieder zu Bundesliga-Niveau zu finden. Vor allem die Geschwindigkeitsnachteile könnten für den 27-Jährigen sowie für die gesamte Dreierkette zu Problemen führen.

Aufgrund der Verpflichtung Burgstallers wird sich wohl auch die Rolle von Max Meyer wieder verändern, der eine Position nach hinten rücken könnte und vor der Doppelsechs Leon Goretzka/Johannes Geis agiert. Davor dann werden aller Voraussicht nach Choupo-Moting und Burgstaller auflaufen, von denen sich abwechselnd einer als hängende Spitze etwas fallen lässt.

Die Vorbereitung

"Wir hatten nach den vielen Englischen Wochen endlich einmal die Möglichkeit, über einen längeren Zeitraum im Detail zu arbeiten", zog Weinzierl auf der S04-Website ein positives Fazit zum Trainingslager im spanischen Benidorm. Das Testspiel vor Ort gegen den belgischen Erstligisten KV Oostende gewann Schalke mit 2:1, war allerdings auch über eine Hälfte lang ein Mann mehr.

Ansonsten konnten nur bedingt Erkenntnisse aus der Vorbereitung gewonnen werden, was auch schwer anmutet, wenn ein Großteil des Kaders nicht mitziehen kann. Zu allem Überfluss ging die Generalprobe beim Chemnitzer FC, Tabellenfünfter in Liga drei, gründlich schief. Mit Burgstaller und Badstuber in der Startformation ließ sich Königsblau gleich in Hälfte eins mehrfach auskontern und unterlag am Ende mit 1:2. Bezeichnend war ebenfalls, dass es Naldo war, der den einzigen S04-Treffer des Tages beisteuerte. Zuvor hatten Goretzka, Meyer und Co. beste Möglichkeiten liegen lassen, Burgstaller war bereits zur Pause in der Kabine geblieben.

Auf Testspiel-Ergebnisse lässt Heidel aber ohnehin nicht viel kommen. In Mainz hatte er bereits ähnliche Erfahrungen: "Da gab es mal eine Vorbereitung, da haben wir jeden Gegner geschlagen. Am Ende gab es sogar ein 5:0 gegen den FC Liverpool - und in der Saison lief es dann gar nicht. In einem anderen Jahr haben wir in der Vorbereitung jedes Spiel vergeigt und dann die ersten sieben Bundesligaspiele gewonnen."

Die Situation

Und doch war es die Art und Weise, wie der Revierklub in Chemnitz agierte, die an die zum Teil uninspirierten Auftritte vor der Winterpause erinnerte. "Die erste Halbzeit war nicht gut", wurde Ralf Fährmann später deutlich. "Da gibt es auch keine Ausreden." Wenigstens, und das ist das Positive, wurden die Fehler rechtzeitig aufgezeigt. Oder, wie es Burgstaller bei Schalke TV formulierte: "Lieber heute verlieren und nächste Woche gewinnen. Wir wissen, was wir besser machen müssen."

Was bleibt also? Viele Ausfälle, mäßige Tests und eine Noch-Unbekannte im zuletzt stockenden Angriff. Nach dem mittelgroßen Umbruch im Sommer ist die Lage auch vor dem Rückrunden-Start nicht wirklich einzuschätzen, denn niemand weiß so recht, was im zweiten Abschnitt der Saison erwarten werden darf und erwarten werden kann.

Klar ist: Will Schalke noch eine Chance haben, sich am Ende der Saison einen internationalen Startplatz zu sichern, müssen die beiden Auftaktspiele daheim gegen Ingolstadt und Frankfurt zwingend gewonnen werden. Anschließend geht es bereits zu den Bayern. Und dann dürfte sich so langsam auch das Lazarett auflösen.

Der FC Schalke im Steckbrief

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