Fussball

Schlechte Erfahrungen mit blauen Vögeln

Von Mario Krischel
Guido Burgstaller führt die Torschützenliste der 2. Liga an

Der FC Schalke hat auf seine Verletzungsmisere in der Offensive reagiert. Mit Guido Burgstaller vom 1. FC Nürnberg kommt der Toptorjäger der 2. Liga. Vor zwei Jahren stand er ohne Vertrag da, nun ist er Fußballgott.

"Schade Burgi", schreibt ein Nürnberg-Fan am Montagabend auf Facebook. "Du und der Glubb, das hat für beide Seiten funktioniert. Ich kann verstehen, dass du in die 1. Liga willst, das wollen wir auch. Alles Gute und danke für deinen Einsatz und deine Tore."

Sie grollen ihm nicht in Nürnberg, wie auch? Schließlich war Guido Burgstaller die personifizierte Lebensversicherung der Franken. Dass er eines Tages nochmal eine neue Herausforderung suchen würde, haben sie irgendwie längst gewusst. Er könne "nicht versprechen" in Nürnberg zu verbleiben, betonte der Österreicher zu Beginn der Winterpause.

Das wahrgewordene Nicht-Versprechen

Das Nicht-Versprechen hat er nicht gebrochen, das steht inzwischen fest. Fortan trägt Burgstaller königsblau statt weinrot. Mit der Empfehlung von 14 Toren in 16 Zweitliga-Spielen in dieser Saison ist Burgstaller gewissermaßen auch das Versprechen, das S04-Manager Christian Heidel nie gegeben hat - einen neuen Angreifer an Bord zu holen.

Dieser Wunsch wurde stattdessen von außen lautstark herangetragen. Klaas-Jan Huntelaar, Breel Embolo und Franco Di Santo werden Schalke verletzungsbedingt noch eine gewisse Zeit fehlen, immerhin Eric-Maxim Choupo-Moting verzichtet auf den Afrika Cup, um die Knappen wie in den vergangenen Spielen vor dem Wintereinbruch offensiv nicht völlig verharmlosen zu lassen.

Aber jetzt ist "Burgi" ja da. Der Mann, auf den sein Nationaltrainer nicht so recht steht. Der Mann, der in Wales plötzlich mit blauen Reservisten-Vögeln trainieren musste. Oder der Mann, der die fränkischen Herzen im Sturm eroberte - im wahrsten Sinne.

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Traum von der Premier League

2007 begann seine Profi-Laufbahn in der Heimat beim FC Kärnten, zwei Jahre darauf schoss er den SC Wiener Neustadt mit seinen Treffern in die österreichische Eliteklasse und landete 2011 bei Rekordmeister Rapid. Bei den Hütteldorfern markierte Burgstaller in drei Jahren und 109 Partien 27 Treffer sowie 21 Assists.

2014 wagte er dann den Sprung auf die Insel und schloss sich Cardiff City an, das gerade erst aus der Premier League abgestiegen war. Es sei immer sein Traum gewesen, mal im Mutterland des Fußballs zu spielen, erzählte Burgstaller. Er wollte dem walisischen Hauptstadtklub beim direkten Wiederaufstieg helfen. Doch aus dem Traum wurde schnell ein Albtraum.

Warum es bei Cardiff nicht klappte

Der erste Treffer gelang ihm gleich bei seinem zweiten Einsatz. Dann geht es aber bergab, rapide. In der Krone blickt Burgstaller zurück: "Nach eineinhalb, zwei Monaten, ist Trainer Ole Gunnar Solskjaer, der mich geholt hatte, entlassen worden. Und ab dem Zeitpunkt war die Cardiff-Zeit für mich beendet." Der neue Coach der "Bluebirds" schickte ihn zur U23. Wenig später wird sein Vertrag aufgelöst.

Der FCN, zu diesem Zeitpunkt ebenfalls seit einem halben Jahr wieder in der 2. Liga, holte Burgstaller zurück ins Geschäft und stattete den Angreifer mit einem Zweieinhalbjahres-Vertrag aus. Schnell zahlte er das Vertrauen zurück und schoss sich in die Herzen der Club-Fans.

Neben seinen zahlreichen Torbeteiligungen überzeugte Burgstaller die Fans stets vor allem mit Einsatz und Leidenschaft. "Sie wissen, dass ich immer 100 Prozent gebe, auch wenn's spielerisch mal nicht so läuft", sagt er selbst. "Dass ich mich trotzdem immer voll reinwerfe, das honorieren die Leute und das merke ich auch." Und da können sie auch darüber schmunzeln, dass seine Art und Weise, wie er auf dem Feld agiert, ein bisschen unorthodox daherkommt - ein bisschen wie Thomas Müller? "Nicht, dass ich mich mit Thomas Müller vergleichen will, aber ja, so könnte man meine Spielweise beschreiben."

ÖFB-Coach Marcel Koller begeistert diese Spielweise derweil offenbar nicht sonderbar, er ignoriert Burgstaller konsequent. Ein paar Einsätze 2012, zwei 2013 und dann noch zwei Freundschaftsspiele in diesem Frühjahr. Mehr war nicht. Auch im EM-Kader Österreichs fehlte Burgstaller.

"Wenigstens wechselt er innerhalb des Vereins"

Gründe für eine Nominierung hätte Koller im Sommer aber einige gehabt. In der zurückliegenden Spielzeit musste Burgstallers Nürnberg den Traum von der Bundesliga-Rückkehr nämlich nicht zuletzt dank 25 Scorerpunkten des kernigen Österreichers erst in der Relegation gegen Eintracht Frankfurt begraben.

Und in dieser Saison? Nun, da hat Burgstaller eben nach nicht einmal einer Halbserie schon wieder mehr Tore erzielt als im ganzen letzten Jahr. Dass FCN-Sportvorstand Andreas Bornemann angesprochen auf seinen Abschied von einem "herben Verlust" spricht, kommt ja nicht von ungefähr. Immerhin taufte der Verein den heute 27-Jährigen nach einem Doppelpack gegen Arminia Bielefeld höchst selbst als "Fußballgott".

Nach 710 Tagen ist das Kapitel Nürnberg jetzt beendet. "Wenigstens wechselt er innerhalb des Vereins", besänftigt ein anderer Nürnberg-Anhänger die Fans, die seit Jahren eine tiefe Freundschaft mit Schalke verbindet.

Burgstaller selbst geht mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es sei der Zeitpunkt gekommen, "den nächsten Schritt zu gehen und diese Chance auf Schalke zu nutzen". Die Chance auf Spiele wird auf jeden Fall schnell kommen. Im Team von Trainer Markus Weinzierl muss Burgstaller sofort funktionieren, denn er wird die zweite Saisonhälfte als einzige "echte Neun" im Kader beginnen, ehe ein Huntelaar, ein Embolo, oder ein Di Santo zurückkehren.

Guido Burgstaller im Steckbrief

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