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Süle, Rudy und der Sinn

Von SPOX
In der kommenden Saison im Bayern-Trikot? Niklas Süle (l.) und Sebastian Rudy

Übereinstimmende Medienberichte besagen, dass der FC Bayern München zur kommenden Saison Niklas Süle und Sebastian Rudy von der TSG 1899 Hoffenheim verpflichten wird. Welche Perspektiven hätten diese beiden Personalien beim Rekordmeister?

Am Samstagabend, der Bundesligaspieltag war bereits beendet und die Themen des Tages alle durchgekaut, da kam die Bild am Sonntag mit der Meldung um die Ecke, der FC Bayern München werde sich zur kommenden Saison die Dienste von Niklas Süle und Sebastian Rudy sichern.

Mittlerweile haben sich die Anzeichen verdichtet, dass dem tatsächlich so sein könnte. Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge ließ am späten Sonntagnachmittag im Anschluss an die Partie beim SV Darmstadt 98 ein Dementi los, das er mit einem Grinsen garnierte. Dieses seichte Nein erschien in etwa so wahrscheinlich wie Hans-Joachim Watzkes Antwort auf die Frage am Freitagabend, ob denn Julian Weigl bald seinen Vertrag in Dortmund verlängern werde.

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Süle und Rudy treten also wohl recht sicher den Weg von Hoffenheim zu den Bayern an. Manch einer mag in diesem Fall an Uli Hoeneß' Vision denken, die er Anfang des Jahrhunderts öffentlich machte.

Rudy und Süle erinnern an Kirchhoff und Rode

Einen FC Bayern Deutschland wolle er bis zur Heim-WM 2006 aus dem Rekordmeister machen, talentierte, begehrte und entwicklungsfähige Spieler aus Deutschland in München versammeln. Und die sollten dann den Kern der Nationalmannschaft bilden.

Das gelang zum damaligen Zeitpunkt nur bedingt. Erst 2011 lief das DFB-Team mit sieben Bayern-Akteuren auf. In all den Jahren dazwischen lotsten die Münchner zwar reihenweise deutsche Spieler zu sich, Kandidaten wie Julian Draxler oder Marco Reus entschieden sich jedoch anders.

Rudy und mit Abstrichen Süle erinnern eher an gewisse Transfers von Ex-Sportvorstand Matthias Sammer. Der holte Anfang 2013 beispielsweise Jan Kirchhoff vom 1. FSV Mainz 05, ein Jahr später ging Sebastian Rode aus Frankfurt zu den Bayern.

Kauft Bayern nur die Leistungsträger weg?

Beide Spieler waren damals beinahe in der gesamten Bundesliga begehrt und hätten wohl bei vielen anderen Klubs deutlich höhere Spielanteile gesammelt. Doch wenn der FC Bayern anfragt - man kennt diese Geschichte...

Beide Wechsel waren jedoch auch exemplarische Transfers. Der gern erhobene Vorwurf, die Bayern kaufen der Konkurrenz nur die Leistungsträger weg, greift zu kurz. Vielmehr waren auch Kirchhoff und Rode deutsche Perspektivspieler, die in München trotz der traditionell großen Konkurrenz den nächsten Entwicklungsschritt hätten gehen können.

Der Konjunktiv zeigt an: Wirklich funktioniert hat dieses Unterfangen nicht und viele fühlten sich bestätigt. Wozu nur Kirchhoff oder Rode, hieß es bei Bekanntgabe der Wechsel.

Chelsea und United an Süle dran

Diesen Impuls vermag man nun auch bei Rudy und Süle zu verspüren. Welche sportlichen Perspektiven kann der FCB den beiden Spielern überhaupt bieten?

Im Fall Süle ist klar: Der 21-jährige Innenverteidiger gehört auf seiner Position und in diesem Alter zu den besten Deutschen. Er kommt auf bereits 89 Bundesligaspiele und bringt auch von seiner Persönlichkeit her eine erstaunliche Frühreife mit.

Süle ist 1,95 Meter groß, physisch stark und erinnert an einen Verteidiger alter Schule. Sein Kopfballspiel ist ordentlich, die Spieleröffnung verbesserungswürdig. Im Sommer hatte er die Möglichkeit, für viel Geld zum FC Chelsea zu wechseln. Dem Vernehmen nach lehnten die Hoffenheimer eine Ablösesumme in Höhe von 30 Millionen Euro aus London ab, auch Manchester United soll sich für Süle interessieren.

Signal an Badstuber

Dass auch die Bayern frühzeitig ein Auge auf Süle warfen, ist logisch wie nachvollziehbar. Nur: Am Duo Mats Hummels und Jerome Boateng - sollten beide fit sein - wird auch für Süle kein Weg vorbei führen. Zwar begaben sich die Münchner Abwehrspieler zuletzt immer häufiger in den Krankenstand, doch bei voller Besetzung ist Süle als klarer Backup zur Wunsch-Innenverteidigung zu sehen.

Auch Borussia Dortmund soll Süle seit längerer Zeit in den Kandidatenkreis aufgenommen haben. Auf den ersten Blick könnte ein Platz beim BVB sinnvoller erscheinen, doch da steht für die neue Saison wohl schon Ömer Toprak auf der Matte. Auch dort ist also die Konkurrenz nicht ohne.

Süles Transfer würde zudem ein Signal an Holger Badstuber senden. Dessen Vertrag läuft zum Saisonende aus und der verletzungsgeplagte 27-Jährige ist aktuell weit davon entfernt, wieder eine tragende Rolle zu spielen. Ob Badstuber in München noch einmal seine Unterschrift unter einen neuen Vertrag setzen wird, darf nun zumindest angezweifelt werden.

Rudy flexibel einsetzbar

Bliebe Badstuber allerdings, kommt Süle und nimmt man noch Javier Martinez hinzu, stünden den Bayern fünf Akteure für zwei Positionen zur Verfügung. In Hoffenheim agiert Süle als halbrechtes Glied einer Dreierkette, auch diese Variante wäre beim Rekordmeister denkbar.

Während man bei Süle also gleich mehrere Gedankenspiele anstellen kann, ist die Lage bei Rudy etwas diffuser. Wäre das offensichtlich nahende Karriereende von Philipp Lahm bereits verkündet und hätten die Bayern nicht erst vor Tagen den Vertrag mit Rafinha verlängert, dann sähe man Rudys Perspektiven sicherlich klarer.

So jedoch ist lediglich sicher, dass die Münchner im zwölfmaligen Nationalspieler einen flexibel einsetzbaren, ablösefreien Akteur bekommen. Rudy ist wie Lahm, Rafinha und auch Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger geeignet, kann aber auch im zentral-defensiven Mittelfeld eingesetzt werden - wie unter anderem Lahm und der zuvor genannte Martinez.

FCB kann nur wenig falsch machen

Angesichts der hochkarätigen Konkurrenzsituation ist es derzeit schwer vorstellbar, wo sich Rudy genau einzusortieren hat. In Hoffenheim ist er unter Julian Nagelsmann Kapitän und Leistungsträger, noch vor einem Jahr setzte ihn Huub Stevens im Abstiegskampf während der Hinrunde mehrfach auf die Ersatzbank.

Mit 26 Jahren befindet sich Rudy im besten Fußballalter. Er ist kein Lautsprecher und bringt einen hohen Ehrgeiz mit, er kann sich in Spiele und Aufgaben hineinbeißen. Der Ex-Stuttgarter ist ein solider Backup, nur nicht mehr mit diesem Talente-Status, den man Süle noch ans Revers heften kann.

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Letztlich zwei Transfers, mit denen die Bayern nur wenig falsch machen können. Gerade wenn es um die Besetzung der Kaderbreite angeht, fischt der Tabellenführer der Bundesliga gerne in Gebieten, die talentierte oder gar gestandene Spieler mit Phantasie und Erfahrung beinhalten - und die bei anderen Bundesligisten dauerhaft für die Startelf vorgesehen wären.

Auch Joachim Löw schätzt die Dienste der beiden. Rudy hat der Bundestrainer zuletzt kontinuierlich eingeladen und auch Süle trug schon ein erstes Mal den Adler auf der Brust. Vielleicht ein kleines Anzeichen für eine Neuauflage der FC-Bayern-Deutschland-Idee. Vielleicht aber auch zwei Wechsel, die später in einer Reihe mit Kirchhoff und Rode stehen werden.

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