Die Reifeprüfung

Freitag, 30.10.2015 | 13:00 Uhr
Blüht in Berlin derzeit richtig auf: Mitchel Weiser (r.)
© getty
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Mitchell Weiser hatte bei Hertha BSC keinen guten Start, doch inzwischen gehört er zu den Leistungsträgern in der Hauptstadt. Der Rechtsverteidiger wirkt reifer als beim FC Bayern München und empfiehlt sich für höhere Aufgaben. Dass er ein talentierter Fußballer ist, wusste man schon recht früh. Dass er sein Talent auf den Platz bekommt, beweist er erst seit gut einem halben Jahr.

Zum ersten Mal macht Mitchell Weiser 2011 in Mexiko von sich reden. Mit der deutschen U17 spielte er eine starke Weltmeisterschaft 2011. Dank seiner Schnelligkeit, seinem Antritt, seiner Wendigkeit und seiner guten Technik verbuchte Weiser in sieben WM-Spielen drei Treffer und drei Assists. Die FIFA belohnte das Talent mit einer Berufung in die Top-11 des Turniers.

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Mit einer seiner ersten Amtshandlungen als Sportvorstand des FC Bayern holte Matthias Sammer den jungen, nicht immer pflegeleichten Weiser vom 1. FC Köln anschließend nach München. Sportlich fiel der Rechtsfuß zunächst nicht groß auf. Er stand ab und an im Profikader, wurde das eine oder andere Mal eingewechselt. Aber einen festen Platz erkämpfte er sich im Starensemble der Bayern nie. Selbst nach seiner Leihe zum 1. FC Kaiserslautern in der Winterpause 2013, spielte er sich trotz ausreichender Einsatzzeiten kaum in den Vordergrund.

Der kleine Cousin

Wirklich auffällig wurde er erst nach seiner Rückkehr zum FC Bayern. Allerdings nicht dank seiner Leistung auf dem Platz. Aufmerksamkeit erlangte er nach einem Foto mit David Alaba und ihm in feschen Tangas. Auch sonst glänzte er eher als Anhängsel der gestandenen Bayern-Stars in den sozialen Netzwerken. Er wirkte dabei wie der kleine Cousin, der mit Alaba, Jerome Boateng oder Mario Götze unterwegs sein durfte. Das zeigte zwar, dass er in der Mannschaft akzeptiert war, sportlich aber war er längst nicht in den Sphären seiner Kumpels unterwegs.

Doch irgendwann setzte ein Entwicklungsprozess ein. Weiser überzeugte im Wintertrainingslager in Dubai und spielte sich im Team Pep Guardiolas fest.

"Ich habe mich hinterfragt, ob ich alles mit 100 Prozent gemacht habe. Wenn man den Vergleich zieht, sieht man, dass es nicht immer 100 Prozent waren. Es haben die letzten Prozent gefehlt, die mich besser gemacht und letztlich auch zu Bayern gebracht haben", sagte Weiser.

"Wir erkennen seit einem halben Jahr eine Wandlung bei ihm", erzählte Sammer, "Mitchell trainiert extrem gut und arbeitet an sich. Es hat bei ihm Klick gemacht."

Weiser erkämpfte sich einen festen Platz im Kader und kam in zwölf Rückrundenspielen zum Einsatz, am Saisonende zog ihn Pep Guardiola oftmals sogar WM-Torschütze Götze vor. Weiser schlug in der kurzen Einsatzzeit die viertmeisten Flanken im Bayern-Kader. Die Münchener waren plötzlich so zufrieden mit ihm, dass sie überlegten, den auslaufenden Vertrag zu verlängern. "Er weiß von mir, dass wir unsere Entscheidungen sehr spät treffen", erläuterte Sammer und betonte: "Die Tür steht offen."

Hertha als ideale Wahl

Viele Bundesligisten waren inzwischen hinter ihm her. Eintracht Frankfurt streckte seine Fühler nach ihm aus, auch Schalke 04 soll an Weiser interessiert gewesen sein. Letztlich entschied sich Weiser für einen Wechsel in die Hauptstadt zur Hertha. Ihm war wichtig, was ihm der FC Bayern nicht zusichern konnte: Spielpraxis zu sammeln und regelmäßig zum Einsatz zu kommen.

Dumm nur, dass Weiser sich in der Vorbereitung seines neuen Klubs verletzte. In den ersten Spielen meist als Rechtsaußen eingesetzt, stellte ihn Pal Dardai seit dem 4. Spieltag konsequent als Rechtsverteidiger auf - die Position, die er auch in München oft bekleidete und dort in einem seiner besten Spiele gegen seinen zukünftigen Klub brillierte.

Seit dem 2:1-Sieg über den VfB Stuttgart mit einem Assist von Weiser läuft es bei der zuvor krisengeschüttelten Hertha. Derzeit belegt die Alte Dame nach dem 10. Spieltag überraschend den fünften Platz.

Dardais neuer Stil passt

Dardai hat seine Mannschat neu eingestellt. Ging es im letzten Jahr mit Kampf und Einsatz lediglich um den Klassenerhalt, so will der Trainer seit Sommer sein Team Fußball spielen sehen - und das funktioniert mehr als ordentlich. Die Euphorie in der Hauptstadt um die Hertha lange nicht mehr so groß.

Ein Grund dafür ist Weiser, der sich zuletzt in der Vordergrund spielte und konstant auf hohem Niveau agierte. Vier Vorlagen gab der 21-Jährige in dieser Spielzeit bereits. Am 9. Spieltag schoss er gegen den FC Ingolstadt sein Premieren-Tor für die Berliner und sorgte so für den 1:0-Sieg.

Das neue Spiel der Hertha kommt Weiser entgegen. Gemeinsam mit Genki Haragouchi bildet er ein gefährliches Pärchen auf Herthas rechter Seite.

Eine Alternative für Löw?

Neben der Euphorie in Berlin entwickelt aktuell sich ein sportlicher Hype um den Neuzugang aus München. Dass Weiser in den letzten Wochen auf einer Position überzeugt, die seit dem WM-Sommer im deutschen Fußball vakant ist, verstärkt die Entwicklung. Bundestrainer Joachim Löw testete seit dem Rücktritt von Philipp Lahm diverse Rechtsverteidiger in der Nationalmannschaft. Zuletzt agierten dort Emre Can und Matthias Ginter. So richtig überzeugt hat bisher keiner.

Ist Weiser die Lösung? Mitte November könnte Löw ihn in den Freundschaftsspielen gegen die Niederlande und Frankreich testen.

Swag: Weiser im Hertha-Trikot

Der gebürtige Rheinländer scheint endlich angekommen im Profi-Fußball. Nach seinem Wechsel zur Hertha sprach er in der B.Z. über seine Ziele: "Stammspieler werden, mit Hertha nicht mehr gegen den Klassenerhalt spielen. Ich will nicht vom internationalen Fußball sprechen, aber annähernd in die Richtung will ich schon bald."

Anfangs belächelt, scheint Weiser persönlich vom internationalen Fußball gar nicht mehr weit weg zu sein. Der Reifeprozess seit Anfang des Jahres 2015 muss sich dafür weiter fortsetzen. Seine Erfahrungen aus dem Training und den Spielen unter Guardiola bringt Weiser in Berlin sehr gut ein, wie ihm Dardai bereits bescheinigte. Die Hertha tut ihm gut - und andersrum.

Auf seinem Instagram-Profil sind mittlerweile weniger Bilder zu sehen, die ihn in möglichst trendigen Outfits zeigen. Inzwischen sieht man Weiser dort meist im Hertha-Trikot, welches für seine Zukunft wesentlich mehr Swag haben dürfte als ein Fischerhut.

Mitchell Weiser im Steckbrief

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