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BVB: Zurück auf Start

BVB-Trainer Jürgen Klopp hat bald fast den gesamten Profikader beisammen
© getty

Nach mehr als drei Wochen Training in unvollständiger Mannstärke beginnt für Borussia Dortmund im Trainingslager im schweizerischen Bad Ragaz die wirklich heiße Phase der Vorbereitung. Die Nachzügler sind nun fast alle an Bord und müssen koordiniert belastet werden. Um erfolgreich wie zuletzt zu sein, haben die BVB-Spieler auch eine psychische Herausforderung zu bestehen.

"Das sind tolle Jungs, die aber sonst nie mit uns trainieren", sagte Jürgen Klopp. Die Vorbereitung läuft beim BVB seit knapp über drei Wochen, doch Dortmunds Trainer musste beim Personal zuletzt viel rotieren, um auf dem Trainingsplatz sinnvoll arbeiten zu können.

Die tollen Jungs sind Amateurspieler wie Christoph Zimmermann, Khaled Narey, Maximilian Güll oder Jon Stankovic. Ihre Perspektive in Richtung Profikader liegt für die kommende Saison noch im einstelligen Prozentbereich. Doch Klopp greift momentan auf sie zurück, um seinen Kader aufzufüllen. Jene U-23-Spieler, die schon häufiger mit den Profis trainierten, sind seit dem Saisonstart der 3. Liga am vergangenen Wochenende abkömmlich.

Großkreutz, Durm und Ginter bald da

Auch jetzt sind ins Trainingslager im schweizerischen Bad Ragaz, das für die Borussia am Dienstag begann, wieder sieben Amateurspieler mitgereist. Allerdings hat sich die Belegschaft an fest für die erste Mannschaft eingeplanten Spielern in den letzten eineinhalb Wochen deutlich erhöht. Mit Ciro Immobile, Dong-Won Ji und Adrian Ramos sind nicht nur drei von vier Neuzugängen bereits eingestiegen, auch die beiden weiteren WM-Fahrer Mitch Langerak und Sokratis hat Klopp wieder um sich.

Kevin Großkreutz und Erik Durm werden am Montag in die Schweiz nachreisen, Matthias Ginter soll schon drei Tage früher bei seinem neuen Klub beginnen. Bis auf Mats Hummels und Roman Weidenfeller, die erst nach Ende des Trainingslagers wieder in Dortmund erwartet werden, ist Klopps Kader dann vollzählig. Die heiße Phase der Vorbereitung geht in diesen Tagen also los.

Bislang arbeitete der BVB mit seinen Angestellten größtenteils im Aufbaubereich. Die von ihren Verletzungen zurückgekehrten Sven Bender, Neven Subotic und Jakub Blaszczykowski haben die ersten drei Wochen dazu genutzt, nach und nach ihre Rückstände zu verringern und das Pensum zu erhöhen. Gleiches gilt für Ilkay Gündogan, dessen Ausfall sich bald zum ersten Mal jährt.

Gündogan trabt

Marco Reus, dessen Comeback für Anfang September vorgesehen ist, hat die Reha-Phase sehr gut überstanden. Er reiste mit in die Schweiz, dreht seine Runden über den Platz und arbeitet ansonsten individuell. Nuri Sahin wiederum hat die Anfangsphase der Vorbereitung aufgrund einer Kapselreizung im Knie verpasst und tastet sich derzeit an höhere Belastungen heran.

Die Ausgangslagen bei den einzelnen Spielern sind demnach teilweise sehr unterschiedlich, das Ziel aber dasselbe: Baldmöglichst alle auf demselben Stand haben und in voller Mannstärke in die Detailarbeit gehen.

Diejenigen, die bereits seit Anfang Juli mit dabei sind, weisen gegenüber den Rückkehrern selbstverständlich einen körperlichen Vorsprung auf. Das Trainerteam ist in Bad Ragaz nun gefordert, die Nachzügler so zu belasten, dass die Intensität einerseits nicht zu hoch ist, andererseits der Sprung auf eine gemeinsame Basis schnellstmöglich gelingt.

Die drei Neuen haben die ersten Einheiten in Bad Ragaz bereits zusammen mit der Mannschaft absolviert und an den Spielformen teilgenommen, nur Kuba und Reus laufen am Rande des Sportplatzes Ri-Au für sich. Gündogan begann nach der Arbeit im Kraft-, Stabilisations- und Koordinationsbereich mit ersten leichten Läufen im Trab.

Klopp: "Schritt für Schritt"

Wohl auch deshalb hat der BVB erstmals in den vier Jahren, die es nun schon ins Heidiland geht, gleich zwei Testspiele während des neuntägigen Trainingslagers terminiert. Die Duelle mit Chievo Verona (Freitag) und dem Schweizer Drittligisten Rapperswil (Sonntag) sind als zusätzliche Einheiten zu verstehen, in denen die individuelle Belastungssteuerung genauso im Vordergrund steht wie das Herantasten an alte und neue Abläufe im Spielbetrieb. Es geht bei der Borussia weiter im Takt und gleichfalls von Neuem los.

"So eine Vorbereitung hatten wir noch nie", sagte Klopp kürzlich. Zehn für die WM abgestellte Spieler bedeuten beim BVB einen Rekord, hinzu kommen wie erwähnt die von ihren Verletzungen Wiedergenesenen. "Schritt für Schritt" kann die Arbeit da nur vonstattengehen, meint der Coach.

Einen Teil dieser Arbeit müssen die Spieler nun auch im Kopf verrichten. Zwar ist es für Akteure wie Hummels oder Großkreutz, die schon lange mit dabei sind, keine Mammutaufgabe, sich die taktischen Abläufe wieder auf die Festplatte zu brennen. "So etwas vergisst man in vier Wochen nicht", sagt Sahin dazu.

Psychische Belastung für die Spieler

Doch für all diejenigen, und das ist der Großteil des Kaders, die letzte Saison inklusive Weltmeisterschaft lange belastet wurden, bleibt es eine psychische Herausforderung, sich ab sofort wieder zu quälen. Das Leben eines Profifußballers verläuft nicht nur physisch sehr intensiv. Die Spieler werden gefordert sein, sich wieder in eine Stimmungslage zu versetzen, die es ihnen leichter erlaubt, Motivation aus den auf sie zukommenden Aufgaben zu ziehen.

Man muss klar im Kopf sein, um seinen inneren Schweinehund überwinden zu können. Die WM-Fahrer werden allesamt schon von der Gefahr gehört haben, nach einer um ein Turnier verlängerten Spielzeit in ein Loch zu fallen. Dortmund versuchte anders als nach der Europameisterschaft vor zwei Jahren dieser Thematik mit einem Mehr an Urlaub entgegen zu treten.

Bis zum Bundesligaauftakt hat der BVB noch drei Wochen Zeit, um am Feinschliff zu arbeiten und aus den nicht idealen Begebenheiten das Beste zu machen. Die größte Baustelle wird die neue Komposition im vorderen Drittel sein. Trainer und Spieler - ab sofort sind in Bad Ragaz alle gefordert. Denn Klopp stellte bereits klar: "In drei Wochen ist Wettkampf, da müssen 15, 16 Mann parat stehen."

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