Angriff aus der zweiten Reihe

Von FÜR SPOX am Gardasee: Fatih Demireli
Montag, 16.07.2012 | 20:16 Uhr
Anatoli Timoschtschuk im Zweikampf mit Mario Mandzukic: Alles geben für den Stammplatz
© Getty
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Der FC Bayern hat für die neue Saison gleich sechs neue Spieler unter Vertrag genommen - mindestens einer soll noch dazu kommen. Dies eröffnet für Trainer Jupp Heynckes neue Möglichkeiten und kurbelt den Konkurrenzkampf erheblich an. Leidtragende könnten die deutschen Nationalspieler sein, die noch im Urlaub sind und künftig öfter mit der Bank vorlieb nehmen könnten.

Xherdan Shaqiri ist eine Frohnatur. Er lacht gerne und er bringt andere gerne zum lachen. "Ich war auch schon in Basel ein beliebter Spieler", sagte der Schweizer am Montag im Bayern-Trainingslager im Trentino. Und auch das ist Shaqiri: sehr selbstbewusst.

Als er bei seiner ersten medialen Vorstellung in München an das bayerische Elend mit drei Vizetiteln erinnert wurde, lächelte Shaqiri und stellte klar, dass der FC Bayern eben "Siegertypen" wie ihn brauche. Von wegen Bayern-Gen.

Fast zwei Wochen nach seinem ersten Auftritt hat Shaqiri bereits Kultstatus bei den Anhängern. Im Trentino ist Shaqiri die Obsession der Fan-Begierde. Der Bus fuhr nach dem Training verspätet ab, weil der Schweizer keine einzige der unzähligen Foto- und Autogrammwünsche ablehnte.

Rummenigge: "Wir sind besser aufgestellt"

"Vielleicht gefällt es ihnen, wie ich Fußball spiele", sagt Shaqiri. Seine Fähigkeiten sind auch den Bayern-Verantwortlichen früh aufgefallen. Shaqiri wurde bereits im Februar vom FC Basel verpflichtet. Gab es damals noch leise Zweifel, ob der 20 Jahre alte Shaqiri den Bayern sofort helfen kann, so zeigen die ersten Wochen, dass Shaqiri eine ernsthafte Alternative sein wird. In den ersten Testspielen wusste er zu überzeugen.

Shaqiri ist einer von sechs neuen Spielern, die seit 1. Juli beim FC Bayern unter Vertrag stehen - alle haben große Ambitionen auf einen Stammplatz. "Ich glaube, dass wir grundsätzlich besser aufgestellt sind als letzte Saison. Wenn ich mir alleine die Offensive anschaue...", sagte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge.

Gomez: Die Konkurrenz heißt nicht mehr Petersen

War Mario Gomez' Vertreter in der Vorsaison noch Nils Petersen, der vom Zweitligisten Energie Cottbus kam, heißen die Alternativen nun Mario Mandzukic und Claudio Pizarro. EM-Teilnehmer Mandzukic erzielte 20 Tore in 56 Bundesliga-Spielen. Pizarro ist mit 160 Toren in 333 Spielen sogar ausländischer Rekordtorschütze der Bundesliga.

Beides sind Spieler mit dem Selbstverständnis, immer spielen zu wollen. "Kein Spieler will Ergänzungsspieler werden", sagt Pizarro und erinnert sich noch an seine erste Zeit beim FC Bayern zwischen 2001 und 2007. "Damals war ich auch nicht gesetzt. Ich habe viel gearbeitet, um Stammspieler zu werden." Er ist es geworden - von daher klingt das fast schon wie eine Drohung.

Pizarro: "Gomez hat super gespielt"

Wobei auch Pizarro weiß, dass Gomez einen Bonus in München genießt: "Er hatte eine super Saison, hat bei der Nationalmannschaft auch sehr gut gespielt und ist Stammspieler hier." Und dennoch darf sich Gomez künftig sicher nicht mehr allzu lange Schwächephasen erlauben, weil jetzt deutlich mehr Qualität und Anspruch im Nacken sitzt.

Auch Shaqiri, der aufgrund seiner Vielseitigkeit eine "Bedrohung" für mehrere Spieler ist, hält nichts von großer Zurückhaltung im Kampf um die Stammplätze: "Der Klub hat mehrere Spieler geholt und will den Konkurrenzkampf noch mehr fördern. Wer gut trainiert, wird spielen", sagt er.

Einen Vorteil für Shaqiri, aber auch für Pizarro und allen anderen Neuzugänge scheint es in dieser Phase zu geben.

Während sich bis auf Mandzukic alle Neuen seit dem Trainingsstart am 3. Juli empfehlen können, stoßen die deutschen Nationalspieler nach ihrem EM-Urlaub erst bei der China-Reise zur Mannschaft. "Das kann ein Vorteil sein", sagt Shaqiri, der sich "als Neuzugang schnell integrieren wollte". Und: "Da ist mir gelungen."

Martinez-Transfer: Rummenigge skeptisch

Was für Gomez gilt, gilt auch für andere Nationalspieler wie Thomas Müller oder Toni Kroos, die nach Shaqiris Verpflichtung möglicherweise öfter in die Rotation geraten könnten, als ihnen lieb ist.

Mit Javier Martinez, an dem Trainer Jupp Heynckes nach wie vor starkes Interesse hat, kommt vielleicht sogar noch ein Europameister dazu. Allerdings ist Rummenigge skeptisch, was einen Transfer angeht.

"Ich bin da nicht optimistisch, da bin ich ganz ehrlich. Sein Präsident hat immer ausdrücklich betont, dass er den Spieler nicht verkaufen will und auch nicht unter einem Preis der Klausel (40 Millionen Euro, d. Red.). Es gibt keinen Verein, der bereit ist, diesen Preis zu zahlen. Man muss das ganze Transfergeschäft sehr rational sehen und nicht nach Effekthascherei schielen, um Beifall von der Öffentlichkeit zu bekommen", sagte der Vorstandsboss der "tz".

Aber auch ohne Martinez könnte die Situation für Heynckes, der im Gegensatz zu Vorgänger Louis van Gaal auf größere Kader steht, kaum besser sein. Kroos oder Müller? Tymoschtschuk oder Luiz Gustavo? Viel mehr Fragen musste der Bayern-Coach in der Vorsaison kaum beantworten, wenn all seine Spieler fit waren. In der letzten Saison gehörten nur 13, 14 Spieler zum erweiterten Stamm, in der kommenden Saison sind es 17, 18.

Dante drängt in die Mannschaft

Heynckes hat nicht nur personell mehr Auswahl, sondern auch taktisch. Dank Pizarro und Mandzukic könnte Bayern sogar mit einer Doppelspitze antreten. "Ich habe das in der Vergangenheit gespielt. Es liegt am Trainer, wie er sich entscheidet", sagt Pizarro.

Auch in der Defensive ist es enger geworden: Dante ist nach Holger Badstuber, Jerome Boateng und Daniel van Buyten der vierte Top-Verteidiger. Jeder will spielen.

"Natürlich sind alle vier gestandene Verteidiger, aber ich bin nach München gekommen, um meinen Platz in der Mannschaft zu kämpfen", so Dante zu SPOX.

Kampf heißt die neue Devise in München - vor allem, wenn die Nationalspieler zurück sind. "Sie werden mit voller Kraft da sein", weiß Shaqiri, dem die Situation aber gefällt: "Ich mag Spektakel", sagt der Schweizer und schickt ein Lächeln auf die Reise.

Der Kader von Bayern München

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