Podolski-Abschied mit kleinem Pathos

Podolski: FC retten und dann nach England

SID
Mittwoch, 02.05.2012 | 16:08 Uhr
Lukas Podolski äußerte sich über seine Wechsel-Motive und die abschließenden Ziele mit dem FC
© Getty
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Einen herzzerreißenden, schmalzigen Auftritt aus der Traumfabrik Hollywood konnte man nicht erwarten. Erstens saß da Lukas Podolski auf dem Podium, und der deutsche Fußball-Nationalspieler ist viel zu bodenständig für Gefühlsduselei. Zweitens hätte ein solches Theater nun so gar nicht in die Karnevalshochburg Köln gepasst, denn da geht es lustig zu.

Die Worte des Publikumslieblings vom 1. FC Köln verrieten am Mittwoch auf seiner Abschiedspressekonferenz vielleicht ein wenig, dass er am Saisonende nicht irgendeinen Klub in Richtung London zum FC Arsenal verlässt. "Der FC bleibt mein Verein, egal, was passiert", sagte der Angreifer, der die beste Saison seiner Karriere in der Bundesliga spielt.

Und dennoch reichten seine 18 Tore nicht zum Klassenerhalt - noch nicht. Am Samstag kommt sein Ex-Klub Bayern München - und da kann der FC mit einem Sieg den Relegationsplatz sichern, um dann in den Relegationsspielen gegen den Dritten der 2. Liga Köln vor dem fünften Abstieg aus der Bundesliga zu bewahren.

Erinnerungen an 3:2-Sieg gegen Bayern

Das wäre ein Traum für den "Prinzen", der beim Rosenmontagszug auf dem Wagen der Ehrengarde stets die Attraktion bei den Jecken ist. Lukas Podolski erinnerte an den 3:2-Sieg gegen den Rekordmeister im vergangenen Jahr nach 0:2 zur Pause, mahnte an, besser zu spielen als beim 1:4 in Freiburg und forderte: "dagegenhalten und kämpfen".

Dann müsste man nicht darauf schauen, was der vorletzte Hertha BSC gegen 1899 Hoffenheim macht. Ja, das wäre die perfekte Welt, der perfekte Abgang. Vor allem wollte Lukas Podolski denen, die zurückbleiben, vermitteln, dass ab dem 1. Juli nicht die Uhren in der Domstadt stehen bleiben.

"Es ist wichtig, dass der Klub marschiert, auch wenn ich weg bin. Es ist wichtig, dass man nicht sagt: Der Podolski ist weg, jetzt bricht hier alles zusammen", sagte der Nationalstürmer. Für Podolski beginnt ein neuer Lebensabschnitt, in London, bei den Gunners, einem Titelanwärter und Champions-League-Dauergast, mit Ausnahme-Trainer Arsene Wenger.

2006 wagte es der gebürtige Pole schon einmal mit einem Wechsel, damals zu den Bayern. "In München war ich einen Tick zu jung", sagte er am Mittwoch. Für zehn Millionen Euro Ablösesumme und mit großem Tamtam ging es 2009 wieder zurück zum FC. Über die Champions League hatte Prinz Poldi damals gesprochen, angespornt von den rosigen Aussichten, die von den Verantwortlichen verbreitet worden waren.

Seitenhieb gegen Overath

"Der Verein muss einen Neuanfang starten mit dem neuen Präsidium", sagte er zum neuen Vorsitzenden Werner Spinner und den Vizepräsidenten Toni Schumacher und Markus Ritterbach. Und dann schwang in seinen Worten auch die Enttäuschung über das mit, was vom ehemaligen Vorstand mit Wolfgang Overath an der Spitze nicht gehalten werden konnte: "Ich hoffe, dass es bergauf geht, was uns damals versprochen wurde."

Der neue Lebensabschnitt erfolge nun endlich zum richtigen Zeitpunkt. "Ich bin erfahrener und besser geworden und deswegen traue ich mir den Schritt zu. Ich bin überzeugt, dass ich mich durchsetzen werde", sagte Podolski, der einen mehrjährigen Vertrag in London erhält. Die genaue Länge gab er nicht bekannt. Nicht bekannt ist auch die Höhe der Ablösesumme, Spekulationen zufolge soll sie 13 Millionen Euro betragen.

Seine Entscheidung erleichtert hat wohl auch die Tatsache, dass Nationalmannschaftskollege Per Mertesacker im vergangenen Sommer zu Arsenal wechselte. "Ich freue mich auf Per. Wir kennen uns gut und verstehen uns gut. Er wird mir die Eingewöhnungszeit erleichtern", sagte der Kölner, der mit Arsene Wenger bislang nur telefoniert hat.

Und: "Der Klub hat dieselben Farben wie der FC (Rot-Weiß/Anm. d. Red.)." Und dann kam doch noch ein wenig Pathos dazu. Ein Wechsel innerhalb der Bundesliga wäre nie infrage gekommen, "weil ich das vor den Fans nicht hätte verantworten können und mir der Klub so am Herzen liegt, dass ich das nicht verkraften könnte".

Lukas Podolski im Steckbrief

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