Der turbulente Abschied des Andreas Rettig

SID
Donnerstag, 10.05.2012 | 13:11 Uhr
Andreas Rettig (l.) macht sich so seine Gedanken über die Zukunft des FC Augsburg
© Getty
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Seit ein paar Tagen wohnt Andreas Rettig mit seiner Gattin wieder in seiner geliebten Heimatstadt Köln. Im Rheinland fühle er sich am wohlsten, bekennt er. Bis Mittwoch war Rettig noch Geschäftsführer des FC Augsburg und wird sich nun in aller Ruhe auf seine neue Tätigkeit als Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga DFL vom 1. Januar 2013 an in Frankfurt vorbereiten.

Doch seine Zeit im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben wird der 49-Jährige nicht so schnell vergessen. Sechs Jahre lang lebte und arbeitete der gelernte Industriekaufmann in Augsburg.

Es war ein intensive Zeit und bis auf wenige Momente auch ein recht harmonische. Nur die letzten Tagen waren turbulent, ja sogar richtig geräuschvoll - ungewollt bescherte der Abgang des Trainers Jos Luhukay dem Aufsteiger FC Augsburg bundesweit mehr Schlagzeilen als der vorzeitige Klassenverbleib.

"Diese Trennung war für uns schmerzhaft", sagt Rettig im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd, "ich bin mir aber sicher, dass das Ganze keinen nachhaltigen Schaden für den Verein bedeuten wird, weil man es am Ende darauf reduzieren muss, dass ein Trainer freiwillig gegangen ist."

Luhukay war ein "Glücksfall"

Rettig unternimmt aber erst gar nicht den Versuch, die unwürdigen Geschehnisse auf der Pressekonferenz am letzten Spieltag nach dem Sieg gegen Hamburg (1:0) umzudeuten. Auch ihm habe das nicht gefallen, bekennt Rettig. Präsident Walther Seinsch würdigte Luhukay auf dem Podium keines Blickes und vergaß, dem Fußballlehrer die obligatorischen Blumen zu überreichen.

"Es hat diese Emotionalität gefehlt, die man sich zu diesem Anlass vielleicht gewünscht hätte", sagt Rettig gegenüber dapd. Er verstehe die Enttäuschung und die Tatsache, dass man das Drumherum nicht nachvollziehen konnte. "Aber es gibt niemanden im Klub, angefangen vom Zeugwart bis zum Präsidenten, der Luhukay keine Wertschätzung entgegenbringen würde."

Am Freitag vor dem Hamburg-Spiel hatte der Niederländer, der im April 2009 in Augsburg als Trainer begann, Rettig und Seinsch darüber informiert, dass er seinen noch einen Jahr gültigen Vertrag nicht erfüllen werde. Diese Entscheidung sei unumkehrbar, teilte der Niederländer seinen enttäuschten Vorgesetzten mit.

Denn Luhukay hat Historisches vollbracht beim FCA, indem er dem Klub nicht nur zum Aufstieg in die Erste Liga verhalf, sondern ihn auch noch zum kaum für möglich gehaltenen Klassenverbleib führte.

Luhukay war der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. "Ein Glücksfall ohne Wenn und Aber" sagt Rettig. "Ich kann deshalb Franz Beckenbauer nur recht geben, wenn er Jos Luhukay zum Trainer des Jahres ausruft."

Die Gründe für seinen Abschied seien aber verständlich. Sie ähneln übrigens Rettigs eigenen Motiven. "Er hat gemerkt, dass der Klassenverbleib das Maximum dessen ist, was wir erreichen können." Erstmals sei Luhukay im März dieses Jahres auf ihn zugekommen und habe ihm von seiner inneren Zerrissenheit erzählt

"In Kauf genommen, dass wir als Verein Kratzer abgekommen"

Darüber, dass er alles erreicht habe mit dem Klub und sich ein neues Abenteuer nicht mehr zutraue. Rettig schreibt es "unserem Vertrauensverhältnis"" zu, wie er sagt, dass der Trainer überhaupt schon zu einem so frühen Zeitpunkt sein Inneres nach außen gekehrt habe. Er hätte überhaupt nichts sagen brauchen, sagt Rettig, "und am letzten Tag sagen können: Ich höre jetzt auf.".

Dass die Öffentlichkeit dieses Thema aufnehme, sei absehbar gewesen, sagt Rettig und fragt selbst: Was hätte der Klub anderes tun können? Die Verträge mit den Co-Trainern verlängern, ohne die Gewissheit dass der Chef bleibt? Aus diesem Grund habe man "alles dem Ziel Klassenverbleib untergeordnet und dabei in Kauf genommen, dass wir als Verein ein paar Kratzer abbekommen", sagt Rettig.

In einem Punkt ist er sich aber sicher: Es wird nichts zurückbleiben. Er werde immer wieder mit einem guten Gefühl nach Augsburg zurückkehren und "nicht betreten auf den Boden blicken müssen, weil die Menschen wegen mir die Straßenseite wechseln."

Jos Luhukay im Steckbrief

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