Der FC Augsburg nach Luhukay und Rettig

Der unnötige Umbruch

Von Adrian Bohrdt
Mittwoch, 09.05.2012 | 18:35 Uhr
Andreas Rettig (l.) und Jos Luhukay (r.) gehen und hinterlassen in Augsburg eine gravierende Lücke
© Getty
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Lange wurde die ruhige Art beim FC Augsburg gelobt, jetzt hat sich der Verein durch interne Differenzen selbst um einen gemütlichen Sommer gebracht. Neben Manager Andreas Rettig verlässt auch Trainer Jos Luhukay den FCA. Und während der neue Trainer noch gesucht wird, steht der neue Manager bereits heftig in der Kritik.

Es passte ins Bild, was der FC Augsburg in den Tagen seines größten sportlichen Erfolges nach außen vermittelte. Nachdem Trainer Jos Luhukay auf der Pressekonferenz nach der Partie gegen den HSV seinen Abschied verkündet hatte, sollte der ebenfalls anwesende Präsident Walter Seinsch dem scheidenden Trainer Blumen überreichen.

"Zum Abschluss hat der Herr Seinsch noch etwas zu sagen", wurde er von seinem Pressesprecher angekündigt - und schaute fragend zurück. Erst als plötzlich von der Seite Blumen auftauchten, wusste der Präsident, was zu tun ist, murmelte "ach so" und überreichte Luhukay den Strauß.

Chronologie des Abschiedes

Wie konnte das alles passieren? Nach der Hinrunde stand der FCA mit nur drei Siegen auf dem vorletzten Platz, alle düsteren Experten-Prognosen schienen sich zu bewahrheiten: Augsburg galt als Abstiegskandidat Nummer eins. Was aber folgte, war eine deutlich verbesserte Rückrunde und als Krönung der sichere Klassenerhalt mit einem 0:0 in Mönchengladbach - und das sensationell bereits am vorletzten Spieltag.

Von einer "Erfolgsgeschichte über drei Jahre" sprach Luhukay nach dem Spiel in Gladbach noch, wohl wissend aber, dass die weitere Zusammenarbeit sich als schwierig erweisen könnte. Bereits Ende März habe er in Gesprächen mit dem Vorstand "Zweifel über meine Zukunft" angemeldet.

Platzen ließ Luhukay die Bombe dann nach dem 1:0-Erfolg über den HSV am letzten Spieltag, wodurch Augsburg die Saison vor dem Bundesliga-Dino beendete: "Es ist mir wirklich nicht leicht gefallen, und es tut sehr weh", betonte der 48-Jährige, sprach von der "schwersten Entscheidung meiner Trainerkarriere" und legte Wert darauf, dass er den FCA "aus freien Stücken" verlässt.

Was ihn letztlich zu diesem Schritt bewogen hat, wollte der Niederländer nicht sagen. Die Spekulationen um Differenzen Luhukays mit dem neuen Führungsduo, bestehend aus Präsident Seinsch und dem neuen Manager Manfred Paula, ehemals Manager beim FC Ingolstadt, halten sich aber hartnäckig und so ist in der Fuggerstadt Katerstimmung anstatt Freude über den Klassenerhalt eingekehrt.

Genau wie Luhukay gab auch Manager Andreas Rettig (Vertrag bis 30. Juni 2012) private Gründe für seinen Abschied aus Augsburg an: Rettig wird zum 1. Januar 2013 in die DFL-Geschäftsführung eintreten und den scheidenden Geschäftsführer Holger Hieronymus ersetzen. Und auch Felix Jäckle, Leiter der Geschäftsstelle des FCA, hat seinen Vertrag aufgelöst. Er arbeitet künftig für den Bayerischen Fußball Verband.

Sündenbock: Der neue Manager Paula

Paula, der neue Manager Sport, lässt derweil schon im Verein Köpfe rollen: Roland Bahl und Erwin Wurm, das Trainergespann der zweiten Mannschaft, muss trotz gesichertem Aufstieg in die Bayernliga gehen. Bahl traf die Entscheidung völlig überraschend: "Ich kann das alles nicht nachvollziehen und bin maßlos enttäuscht. Das muss ich erst verarbeiten."

In Paula hatten die Fans dann auch schnell ihren Sündenbock gefunden. Seine Alleingänge und die problematische Beziehung zu Luhukay - spekuliert wird beispielsweise über Kontaktaufnahme mit Spielern, ohne vorherige Absprache mit dem Trainer -sollen die Hauptgründe für den Abschied des Erfolgstrainers gewesen sein.

Es folgten Beschimpfungen via Internet gegen Paula, der bereits früh heftig in der Kritik steht. Das veranlasste Präsident Seinsch jetzt zu einem offenen Brief, in dem er Paula verteidigt: "Ich will hier eindeutig klarstellen, dass für den Weggang von Jos Luhukay einzig und allein eine Person verantwortlich ist: Das ist Jos Luhukay selbst."

Weiter stellte Seinsch klar: "Paula konnte und wollte Luhukay nicht ins Handwerk pfuschen! Manfred Paula war absolut loyal zu Jos Luhukay und ich bitte darum, dass wir ihm mit Respekt begegnen."

Auch Rettig steht gegenüber der "Augsburger Allgemeine" seinem Nachfolger bei: "Wir haben uns vertrauensvoll ausgetauscht und ich bedauere es sehr, dass er - aus meiner Sicht zu Unrecht - so in der Kritik steht." Geschäftsführer Peter Bircks vermutet sogar, dass "mindestens zwei" gescheiterte Bewerber in den Fan-Foren gegen Paula hetzten.

Ausblick: Wie geht es weiter?

Mit Geschäftsführer Peter Bircks und Sport-Manager Manfred Paula steht die neue Doppelspitze des Vereins, von denen Seinsch sagt: "Wir haben zwei Fachleute für die jeweiligen Bereiche gefunden und sind uns sicher, dass wir die beste Lösung für die Zukunft des FC Augsburg haben."

Wer die Mannschaft in der kommenden Saison aber trainieren soll, ist noch unklar. Klarer Favorit ist Markus Weinzierl, derzeit noch Cheftrainer bei Jahn Regensburg. Dort befürchtet man bereits dessen Abgang: "So wie die Zeichen stehen, muss man damit rechnen, dass er uns leider verlassen wird", sagte der Sportliche Leiter Franz Gerber. Zunächst steht für Regensburg aber noch die Relegation gegen den KSC an, es geht um den Aufstieg in die zweite Liga.

Allzu lange darf man sich im Verein aber nicht Zeit lassen, denn mit Axel Bellinghausen (Düsseldorf) Ja-Cheol Koo (zurück nach Wolfsburg) und Hajime Hosogai (zurück nach Leverkusen) verlassen elementare Säulen die Mannschaft, auch Jan Moravek (zurück nach Schalke) wird dem Verein in der kommenden Saison wohl nicht mehr zur Verfügung stehen.

Und Luhukay? Der wollte sich zu seiner Zukunft noch nicht äußern, wies aber alle Gerüchte entschieden zurück, wonach er bereits mit anderen Klubs in Kontakt stehe: "Ich stehe für Normen und Werte. Ich möchte dementieren, dass ich schon mit anderen Vereinen gesprochen habe."

Der FC Augsburg im Überblick

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