Philipp Lahm muss für seine Äußerungen Kritik einstecken
Philipp Lahm muss für seine Äußerungen Kritik einstecken
© Getty

Wegen Aussagen zur Homosexualität

Dienstag, 17.01.2012

NBA-Star übt Kritik an Philipp Lahm

Nationalmannschaftskapitän Philipp Lahm ist wegen seiner jüngsten Äußerungen über Homosexualität in die Kritik geraten. Der Bayern-Spieler hatte erklärt, dass die deutsche Gesellschaft noch nicht bereit für das Bekenntnis eines Fußball-Stars zu seiner Homosexualität sei. "Er muss doch ein Vorbild sein in seinen Äußerungen, oder er muss den Mund halten", sagte der frühere NBA-Basketballprofi John Amaechi.

Amaechi, der 2007 seine Homosexualität in einem Buch publik machte und als Psychologe renommierte Firmen bei Antidiskriminierungsmaßnahmen berät, war am Dienstag Gast auf dem Dialogforum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit dem Thema "Vor dem Ball sind alle gleich - sexuelle Identitäten im Fußball" in der Sportschule Hennef. Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, schloss sich der Kritik an. "Ich denke, es war ein Fehler von Philipp Lahm, das zu sagen."

Lahm hatte in einem am Montag veröffentlichtem Interview erklärt: "Ich glaube nicht, dass die Gesellschaft schon so weit ist, schwule Profi-Fußballer als etwas Selbstverständliches zu akzeptieren, so wie es in anderen Bereichen bereits möglich ist." Diesen Standpunkt hatte er bereits in seinem vor einigen Monaten veröffentlichen Buch vertreten.

"Wenn ich ein Fan wäre, hätte ich die Nase voll"

Lahm solle nicht die Fußball-Fans als Argument nehmen, dass ein Spieler seine Homosexualität verbergen müsse. Er orientiere sich doch in anderen Themen nicht an den Fans. "Wenn ich ein Fan wäre, dann hätte ich die Nase voll davon, dass ich für engstirniges Verhalten verantwortlich gemacht werde", sagte Amaechi. Der Brite räumte aber ein, dass er selbst in der US-Profiliga der Basketballer niemals Karriere hätte machen können, wenn er sein Coming-out schon als aktiver Spieler vollzogen hätte.

Der 41-Jährige zeigte sich erstaunt über die Offenheit, mit der der DFB die Problematik von Schwulen und Lesben angehen würde. Sport stecke in dieser Frage noch "im Dinosaurier-Zeitalter".

In der Wirtschaft seien viele Unternehmen viel weiter im Kampf gegen Diskriminierung von Minderheiten. Amaechi lobte aber DFB-Präsident Theo Zwanziger: "Ich habe noch nie einen Präsidenten so eloquent darüber sprechen hören. Der britische Fußball liegt im gesellschaftlichen Bereich viel weiter zurück. Er ist noch in der Neandertaler-Zeit."

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