Julian Draxler: Schalkes Mario Götze

Von Haruka Gruber
Freitag, 25.11.2011 | 16:08 Uhr
Zwei Teenager, zwei Klubs, ein Derby: Julian Draxler (l.) und Mario Götze (r.)
© Imago
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Letztes Jahr lockte Borussia Dortmund, aber Julian Draxler schmetterte das provokante Angebot ab - und machte sich auf Schalke unverzichtbar. Im Derby (Sa., 15.15 Uhr im LIVE-TICKER) trifft er auf sein "Vorbild".
 
 

Hans-Jürgen Draxler legt keinen Wert darauf, seinen Namen in den Zeitungen zu lesen. Dass er vor 23 Jahren beim FC Schalke 04 gespielt und mit Wolfram Wuttke die deutsche B-Jugend-Meisterschaft gewonnen hat, interessiere doch niemanden mehr, sagt er. Und allzu lange über seinen Sohn Julian möchte er auch nicht sprechen, denn: "Ich mag es lieber im Hintergrund."

Als Julian Draxler im Mai dieses Jahres von seiner Heimatstadt Gladbeck eingeladen wurde, sich in das Goldene Buch einzutragen, legte der stolzer Vater seine Zurückhaltung jedoch kurz ab: "Julian lebt meinen Traum", sagte Draxler senior, dem der Sprung von der A-Jugend in den Profi-Fußball verwehrt geblieben war.

Seinem Sohn hingegen gelang etwas Außergewöhnliches: Innerhalb von eineinhalb Jahren wurde aus einem talentierten, aber körperlich schwächlichen B-Jugend-Spieler das neue Gesicht des FC Schalke 04.

Spätestens nach der EM 2012 dürfte Julian Draxler auch zur engen Auswahl von Bundestrainer Jogi Löw gehören.

Das neue Schalke-Gesicht

"Ich möchte mithelfen, dass sich Julian in den nächsten zwei Jahren zum A-Nationalspieler entwickelt. Auch Raul fördert ihn, fast wie einen Sohn. Da er mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt und keine falschen Freunde hat, traue ich Julian nach der EM den Sprung zu Joachim Löw absolut zu", sagt S04-Trainer Huub Stevens.

Es ist eine verständliche Strategie, die Schalke verfolgt. Nach dem Weggang von Torwart Manuel Neuer suchte der Verein eine neue Ikone - und fand sie in Benedikt Höwedes und eben Draxler.

Schalke ohne Höwedes und Farfan: Die voraussichtlichen Aufstellungen!

Beide stammen aus der eigenen Jugend und sind die Inkarnation des königsblauen Geistes. Der erst 23-jährige Höwedes wurde folgerichtig zum Kapitän ernannt, Draxler ist trotz seiner 18 Jahre ebenfalls eine unentbehrliche Kraft, nachdem er im Debütjahr vorwiegend eingewechselt wurde.

Eine entsprechend gewichtige Rolle kommt Draxler zu, wenn Schalke am Samstag zum Derby bei Borussia Dortmund antritt. Sportlich, aber auch als emotionales Ventil für sein Umfeld: "Von Schulkollegen höre ich seit Tagen nur noch: 'Haut die Zecken weg!'", erzählt der angehende Fachabiturient in der "Bild".

Dortmund mit Interesse

Draxler wurde seit frühester Kindheit mit Schalke sozialisiert. Er konnte in Gladbeck im Grunde nichts anderes werden als ein Fan dieses Vereins - umso provokanter war es, dass ausgerechnet Dortmund Interesse bekundete, als Draxler noch nicht im Blickfeld des Profi-Kaders stand.

BVB-Nachwuchskoordinator Lars Ricken zeigte sich bereits im September 2010 nach dem 3:1-Sieg der Schalker A-Jugend gegen Dortmund von Draxler beeindruckt, er selbst jedoch schloss sofort einen Wechsel zum Erzrivalen aus.

"Ich dachte keine einzige Sekunde daran, zum BVB zu gehen. Das wäre die Höchststrafe", sagte Draxler, der kurz darauf, nach weiteren Glanzleistungen mit der A-Jugend (acht Tore in zwölf Spielen), vom damaligen S04-Trainer Felix Magath zum Wintertrainingslager der Profis mitgenommen wurde.

Sogar Juventus fragt an

Auch perspektivisch sei Dortmund keine Option: "Was ich definitiv ausschließen kann, ist ein Wechsel zum BVB. Wenn ich Schalke mal verlassen sollte, dann eher Richtung Ausland."

Die Gegenwart und mittelbare Zukunft plant er aber auf Schalke und verlängerte im Sommer seinen ohnehin bis 2014 datierten Vertrag um zwei weitere Jahre bis 2016. Dass ihm Sportdirektor Horst Heldt bei den Verhandlungen verriet, dass Juventus Turin wegen ihm angefragt hätte, vernahm er mit Verwunderung, ohne dass dies einen Einfluss gehabt hätte.

"Das war verrückt, aber die Frage eines Wechsels hat sich natürlich überhaupt nicht gestellt, weil ich mich auf Schalke super wohl fühle", sagte Draxler. Weitere Angebote werden jedoch folgen.

Abgeschaut von Mario Götze

Draxler bestätigte in den vergangenen Wochen nicht nur seine Leistungen aus der Vorsaison: Er erklomm die nächste Stufe. Er war schon immer gesegnet mit Technik und Schusskraft, doch was ihm fehlte, waren Robustheit und die für einen Offensivspieler nötige Spritzigkeit. "In der B-Jugend hatte ich eine schwierige Phase, weil ich körperlich schwächer war als die anderen."

In dieser Saison aber machte er seine Ankündigung wahr und verbesserte sich enorm im physischen Bereich. Er erarbeitete sich ein breiteres Kreuz, um in Zweikämpfen nicht weggeschubst zu werden, gleichzeitig steigerte er merklich seine Antrittsschnelligkeit, so dass er selbst häufiger einen Schnellangriff initiiert statt nur mitzulaufen.

"Das machen die Einheiten im Kraftraum", sagt Draxler, der sich dabei ausgerechnet einen Dortmunder zum Vorbild nahm. Zwar seien Zinedine Zidane und Rivaldo seine Idole, doch Mario Götze und dessen Körperlichkeit beeindrucken ihn.

"Ich weiß, dass ich daran noch sehr arbeiten muss, um bei den Profis mithalten zu können", sagte Draxler noch im Sommer zu SPOX. "Götze ist mindestens zwei Schritte vor mir."

Götze aber noch gefährlicher

Der Rückstand wurde kleiner. Aber: Draxler mangelt es im Vergleich zum ein Jahr älteren Götze auch an der Torgefahr.

Während der Dortmunder in dieser Saison in 18 Pflichtspielen imposante sechs Treffer und sieben Assists verzeichnet, stehen bei Draxler in 19 Pflichtspielen zwei Treffer und vier Assists - was auch damit zu erklären ist, dass er sich umstellen musste.

In der Jugend wurde er noch zentral eingesetzt, unter Stevens ist er am linken Flügel gefragt, wo es in Dortmund zum direkten Duell mit Götze kommen könnte, falls dieser wie erwartet rechts beginnt. "Die neue Position war zunächst etwas gewöhnungsbedürftig für mich. Aber mittlerweile komme ich damit immer besser zurecht", sagt Draxler.

Ansprüche möchte er ohnehin nicht formulieren: "Meine Erwartungen wurden bisher schon übertroffen." Vermutlich auch die seines Vaters.

Ein Karriere in Königsblau: Julian Draxler im Steckbrief

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