Gesucht: Der neue Hoffnungsträger

Von Daniel Reimann
Montag, 20.06.2011 | 10:51 Uhr
Schalker Teamkollegen in der Saison 2011/2012: Jan Moravek (r.) und Jermaine Jones
© Getty
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Im Schatten von Torjäger Lakic verlässt auch Jan Moravek die Pfalz. Die Schalker Leihgabe mauserte sich in seiner ersten FCK-Saison gleich zum Herzstück der Lauterer Offensive, seine Rückkehr nach Gelsenkirchen wirft zahlreiche Fragen auf. Eigentlich war ein Ersatz schon gefunden, doch der Wechsel wird zur Hängepartie - und könnte immer noch platzen.

Roman Weidenfeller springt erst gar nicht. Er staunt. Er knickt staunend ein. Er macht noch eine Alibi-Bewegung mit der rechten Hand Richtung Ball. Dann muss er staunend zusehen, wie die Kugel im rechten Winkel einschlägt. Völlig unhaltbar.

Weidenfeller war schuldlos bei Jan Moraveks kleiner Sternstunde gegen Dortmund, als der Tscheche kurz vor Abpfiff noch den spektakulären Ausgleich erzielte. 16 Meter Torentfernung, Brustannahme, abgezogen, Kreuzeck, drin!

Es war für die Moral ein besonders wichtiger Punkt für den FCK, der an jenem 22. Spieltag noch mittendrin im Abstiegskampf steckte. Eine kleine Revanche für die 0:5-Pleite aus dem Hinspiel und nach drei Niederlagen in Folge endlich wieder ein Punktgewinn.

Irgendwie war es bezeichnend, dass selbst unmittelbar nach dem Spiel kaum jemand über Moravek und sein phantastisches Tor sprach. Das Top-Thema war vielmehr eine Gelb-Rote Karte gegen Neven Subotic und die angeblich unfaire Verhaltensweise von Srdjan Lakic, die zu diesem Platzverweis führte.

Schaltzentrale im Lauterer Spiel

Moravek hingegen steht selten im Fokus. Auch seine fünf Saisontore sind kaum der Rede wert, lediglich zwei davon waren letztlich mit Spiel entscheidend. Für Gesprächsstoff sorgten beim FCK vielmehr Leute wie Goalgetter Lakic und Vorlagenkönig Christian Tiffert.

Dabei war der erst 20-jährige Moravek schon in seiner ersten Saison am Betzenberg eine ungeheure Bereicherung für das Spiel der Roten Teufel. Mit seiner ausgereiften Technik und toller Ballkontrolle verlieh er dem FCK Sicherheit. War der Tscheche nicht mit von der Partie, wirkte Lautern in der Vorwärtsbewegung oft leb- oder gar hilflos, weil seine kreativen Momente ausblieben und ein Spielgestalter mit Übersicht fehlte.

"Er ist einer, der die Verantwortung sucht und immer bemüht ist, aktiv am Spiel teilzunehmen", lobte ihn sein Coach Marco Kurz. Und tatsächlich entwickelte sich Moravek im Laufe der Saison zur offensiven Schaltzentrale auf dem Rasen. Eine Rolle, die ihm liegt: "Ich bin gern im Zentrum des Spiels. Ich mag es, wenn viele Bälle über mich laufen und ich das Tempo mit diktieren kann."

Rückkehr ins Ungewisse

Klingt alles nach einer romantischen Erfolgsstory mit guten Aussichten. Wäre da nicht ein kleiner Haken: Moravek war nur ausgeliehen und wird zur neuen Saison nach Gelsenkirchen zurückbeordert.

Transfers, Termine, News und Gerüchte: Kaiserslautern in der Sommerpause

"Ich bin sehr zufrieden hier", äußerte sich Moravek noch im Frühjahr. "Wir würden ihn gerne behalten", erklärte sein Trainer. Trotzdem stellte Schalkes Sportdirektor klar, dass Leihgabe Moravek, wie auch Lewis Holtby und Jermaine Jones, zu den Königsblauen zurückkehren muss. Was bleibt, sind reichlich Fragezeichen und eine nicht zu ignorierende Lücke in der FCK-Elf.

Den Sinn einer Moravek-Rückkehr noch in diesem Sommer kennen Horst Heldt und Konsorten wohl exklusiv. Denn der ohnehin völlig aufgeblähte Kader der Königsblauen zählt nicht weniger als vier klassische (Jose Jurado, Alexander Baumjohann, Ali Karimi und Lewis Holtby) sowie zwei weitere potenzielle Spielmacher (Julian Draxler, Levan Kenia).

Wie der junge Moravek trotz seines enormen Entwicklungssprunges bei derart starker Konkurrenz auf Schalke Fuß fassen soll, ist kaum vorstellbar.

Keine teaminterne Alternative

Am Betze hätte man gerne noch ein weiteres Jahr oder gar länger vom hochbegabten Tschechen profitiert. Eine Kaufoption war im Leihvertrag allerdings nicht enthalten. Doch wer schließt die Lücke, die Moravek hinterlässt? Die teaminternen Alternativen sind unbefriedigend.

Ivo Illicevic und Stiven Rivic sind auf den Außenpositionen am stärksten, Thanos Petsos und Christian Tiffert deutlich defensiver orientiert. Und der 23-jährige Pierre de Wit kann beileibe einen Moravek nicht gleichwertig ersetzen.

Bance kein Thema mehr

Auch bei den bisher getätigten Neuverpflichtungen ist keiner ein passender Kandidat für die Moravek-Position. Der von Duisburg geholte Olcay Sahan ist kein Ballverteiler, vielmehr ein klassischer offensiver Außen.

Und Ex-Paulianer Richard Sukuta-Pasu bietet lediglich eine weitere Alternative im Sturmzentrum. Das wäre auch Aristide Bance gewesen, doch das Interesse am Ex-Mainzer ist inzwischen wieder abgeflaut und seine Verpflichtung kein Thema mehr.

Hängepartie um Hoffnungsträger

Doch nach einem echten Spielmacher wird weiterhin gefahndet. Der Hoffnungsträger in diesem Fall heißt Gil Vermouth. Schon vor mehreren Wochen hat sich der FCK-Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz mit dem Israeli und dessen Teamkollegen Itay Shechter über einen Transfer geeinigt.

Beide haben ihre Verträge schon unterschrieben, es gibt bereits Fotos des Offensiv-Duos mit ihren neuen FCK-Trikots. Doch noch immer steht die Freigabe von Arbeitgeber Hapoel Tel Aviv aus. Der zur Hängepartie geratene Doppelwechsel könnte noch jederzeit scheitern.

"Ich weiß schon fast gar nicht mehr, wie viele Flüge, Telefonate und Gespräche vor Ort dafür bisher draufgegangen sind", beklagt Kuntz. Er betont jedoch, dass er "vorsichtig optimistisch" sei, was die Verpflichtung der beiden Israelis angeht.

Sollte es jedoch nicht klappen, gibt es ein Problem: Der FCK hat sich scheinbar komplett auf Vermouth versteift, von Alternativplänen ist derzeit keine Rede.

Vermouth: Vielseitig und dribbelstark

Führt man sich die Qualitäten von Vermouth vor Augen, kann man die Begeisterung von Kuntz und Co. allerdings durchaus verstehen. Und am Montag setzten sowohl Vermouth als auch Shechter ein klares Zeichen: Obwohl die Transfers noch nicht durch sind, erscheinen beide zum Trainingsauftakt der Roten Teufel.

Der 25-Jährige ist im Offensiv-Dribbling kaum vom Ball zu trennen, hat eine hervorragende Technik, verfügt über einen präzisen und eiskalten Abschluss - und würde damit nahezu perfekt in das Lauterer Anforderungsprofil eines Moravek-Ersatzes passen.

Ob er tatsächlich als Ersatzmann für den scheidenden Spielmacher Moravek eingeplant ist, steht aber noch in den Sternen. Trainer Kurz behält sich zahlreiche Möglichkeiten vor: "Vermouth ist ein sehr erfahrener offensiver Mittelfeldmann, der auf der rechten Außenbahn wie auch auf den Halbpositionen oder zentral hinter den Spitzen spielen kann."

Und zum Glück erhält Vermouth, wenn er denn kommt, einen Vierjahresvertrag. Dann kann der FCK zumindest wieder selbst über das Schicksal seiner Leistungsträger entscheiden.

33 Pflichtspiele für den FCK: Jan Moravek im Steckbrief

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