Die Ente bleibt draußen!

Von Max-Jacob Ost
Montag, 29.08.2011 | 18:44 Uhr
Die personifizierte Deutsche Bank, Michael Ballack, kann bei Bedarf auch gucken wie eine WC-Ente
© Getty
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Rudi Völler und Robin Dutt befinden sich im einem Streit, aus dem sie nur Felix Magath mit der Kreditkarte von VW herauskaufen kann. Schlimmer ist die Lage da nur in No-Look-Zweikämpfen auf Schalke und zwischen den Zeilen des Franz Josef Wagner der Bundesliga. Die Bundesliga hat sich zu einem Zirkus entwickelt, der aus der Feder von Loriot stammen könnte. Der Alternativen Liste bleibt da nur eines: Beiden zu huldigen.

1. Das listige an Listen: Ihr Beginn ist gleichzeitig ihr Ursprung. Wer eine Liste aufstellt, muss sich deshalb strengstens an die Methodik der Liste halten. Fangen wir also, um sicher zu gehen, ganz von vorne an: Woher kommt der Fußball? Nun, diese Frage ist fast so alt wie Udo Lattek. Man geht davon aus, dass sie erstmals im frühen Pleistozän gestellt wurde. Noch älter sind lediglich die Fragen "Was zum Neandertaler machen Sie in meiner Höhle?" und "Haben Sie mal Feuer?" Gleichwohl ist die Antwort schwieriger zu finden als ein Haiku über Peter Neururers Oberlippenfassade.

Führende Wissenschaftler um Joachim Bublath gehen davon aus, dass sich die Elementarteilchen des Fußballs (die Frisur von Bobby Charlton, Beckenbauers Schweißdrüsen, der linke Fuß Helmut Rahns) jenseits von Raum und Zeit in der Gästekabine gedrängt, sich erst auf einen Pfiff des Ur-Schiedsrichters hin in alle Richtungen verteilt und Jahrmillionen Jahre später als Haarwurzel von Carlos Valderrama, Schläfen-Vene von Jürgen Klopp oder geweitete Nüster von Ecki Heuser materialisiert hätten.

Von den Kirchen dieser Welt wird diese Urpfifftheorie wenig überraschend abgelehnt. Die Geistlichkeit sieht vielmehr in einem göttlichen Wesen den Schöpfer des Fußballs, der die Bundesligaspieler nach seinem Ebenbild geformt hat. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit trägt dieser Gott also Nasenpflaster, Goldkettchen und Vokuhila. Wegen einer Tätlichkeit aus dem Paradies vertrieben, fristet der Fußball seitdem ein verlorenes Schicksal in unwirtlicher Umgebung. Als Mahnmal an diesen Zustand zwischen jämmerlichem Rumgeholze und vergebenen Elfmetern gilt bis heute England als sein Mutterland.

Es ist kaum anzunehmen, dass Gott es nicht reute, seine Krone der Schöpfung, den Fußballspieler und die aus einem Wadenbein geformte Spielerfrau, so fahrlässig in die Hände des Teufels mit Hauptsitz in Zürich getrieben zu haben. Einige wenige Erdenbewohner nahe der Geisteskrankheit glauben deshalb bis heute fest daran, der Ur-Trainer habe seinen Sohn als Heiland auf die Erde gesandt, um den Fußball vor dem Abpfiff und seiner fürchterlichen dritten Halbzeit zu retten.

Dieser Heiland spreche Nebensätze nur in Dass-Konstruktionen, trage seltsame Gewänder und würde seine Apostel einst in einer furiosen Halbzeit zu einem Auswärtssieg bei den hanseatischen Atheisten (das muss man sich vorstellen: Diese Irren leugnen Defensive wie Offensive gleichermaßen!) führen. Aufgrund grotesker Albernheit wurde diese Antwort vom DFB-Schiedsgericht verboten und die Frage nach dem Ursprung des Fußballs nie wieder gestellt. Bitte sagen Sie jetzt nichts!

2. Der Spitzenreiter: Fußball ist ein Spiel der Widersprüche. Diese Widersprüche gehen so weit, dass erhebliche Teile der Bevölkerung nicht einmal zustimmen würden, dass Fußball ein Spiel sei. Konsequenterweise setzt sich das in seinen Begrifflichkeiten fort: Ecken stehen zueinander im Verhältnis, elf Meter werden nachgeschossen und wenn man zu passiv im Abseits steht, wird man für sein Nichtstun bestraft. In diese Reihe gehört auch der Terminus "Spitzenreiter". Denn obwohl der Fußball nach wie vor insbesondere bei männlichen Bürgerinnen und Bürgern Anklang findet, wird diese schmerzverursachende Prozedur landesweit als erstrebenswertes Ziel erachtet.

Aktuell reitet der FC Bayern also auf dem FC Schalke, Werder Bremen und Hannover 96. Es wurden schon für weniger skurrile Anblicke Zirkuszelte aufgebaut. Und was anatomisch mit den Herren Gomez und Co. passiert, wenn wie einst von Berti Vogts prognostiziert, die Breite an der Spitze enger wird, mag man sich gar nicht vorstellen. Aus Sicht des neutralen Beobachters mit intaktem Schamgefühl ist es deshalb sehr zu begrüßen, wenn man sich wie der VfL Wolfsburg diesem grausigen Spektakel versagt und sich lieber als gut austrainiertes grünes Glühwürmchen in den Tabellenkeller begibt. Alles richtig gemacht, vor allem bei dieser Hitze!

3. Papas Kreditkarte: Einen Grund, den Tabellenkeller aufzusuchen, kennen wir also bereits. Es gibt aber noch viele weitere: Mancher leidet an kollektiver Fußball-Legasthenie (Hamburger SV), bei anderen geht es mit dem Teufel zu (Kaiserslautern) und häufig sind die Spieler einfach genervt von Brettspielabenden am Montagabend. Der Abstieg wird hier schnell zur Flucht vor Schlossalleen-Hoteliers, mit denen man Haus, Bett und Steuerklasse teilen muss.

In seltenen Fällen ist auch der Trainer schuld. Wie Felix Magath, der als eine Art Angelina Jolie der Bundesliga jeden Spieler adoptiert, der im Telefonbuch von Ali Karimi steht. Solch Verhalten verstört natürlich die Großfamilie und führt zu Abstoßungserscheinungen, die sich leider viel zu häufig nicht auf Torhüter und Ball beschränken.

Umso beruhigender für die Nerven des Betrachters ist es da, wenn der Trainer diesen Missstand wenigstens selbst erkennt: "Am Mittwoch ist das Transferfenster geschlossen, die Spieler müssen also keine Angst mehr haben, dass sich irgendwas verändert. Sie können sich dann voll und ganz auf sich konzentrieren und dann bessere Leistungen bringen."

Hört sich ja prima an! Nur zwei kleine Gegenfragen seien erlaubt, Herr Magath: Gibt es wirklich Hoffnung auf Verbesserung, wenn sich ein Monolith wie Sortirios Kyrgiakos auf sich selbst konzentriert? Und wann wird dem Verantwortlichen für die Unsicherheit endlich die volkswagengrüne Kreditkarte gesperrt?

4. Schamgefühlentzündung: Es ist einfach ein verrückter Mikrokosmos, in dem sich Trainer bewegen. Der eine shoppt wie Paris Hilton auf Speed und für den anderen ist es schon zu schnelllebig, dass Toni Polster nicht mehr bei Köln spielt. Richtig, Herr Oenning, Sie sind gemeint! Und wieder andere legen sich die fadenscheinigsten Verletzungen zu, um in diesem Irrsinn nicht negativ durch Normalität aufzufallen. So wie Holger Stanislawski, der sich beim Gestikulieren gegen Augsburg einen fünf Zentimeter langen Riss des Schürzenbinder-Muskels unterhalb der Achselhöhle zugezogen hat.

Eine Verletzung, die noch nicht einmal bei Waldorfschülern mit Namen wie Xanthippen-Hippe oder Prometheus-Elias aufgetreten ist und von vielen deshalb ins Reich der Fabeln verwiesen wird. Dementsprechend schwierig ist die Behandlung. Am besten sollte sich Stanislawski Rat bei Kollege Bruno Labbadia holen. Dessen größtes Problem war Gerüchten zufolge lange der Schürzenjäger-Muskel. Auch wenn dieser noch ein beträchtliches Stück weiter unterhalb der Achselhöhle liegt.

5. Dortmunder Rauchzeichen: Einen wesentlich schmerzfreieren Weg zur Profilschärfung im Mutanten-Biotop "Bundesligatrainer" hat Jürgen Klopp gewählt. Mit einer Mischung aus Rocky Balboa, King Kong und der Kaffemaschine aus "Haushaltsgeräte des Horrors, Teil V" hält er konsequent einen Adrenalinpegel mit dem man problemlos die Niederlande zum Erlebnis-Naturbad umwandeln könnte. Entgegen der Proteste von Tierschützern erforschte man unlängst bei "SKY" diese Naturgewalt, indem man ein völlig verstörtes Versuchskaninchen mit Mikrofon in die Umgebung des Wutbürgers Klopp schickte und den Platzverweis gegen Mario Götze zu analysieren versuchte.

Nur durch ein geschicktes Täuschungsmanöver gelang dem Field-Reporter das Überleben: Er presste ein "Meine Meinung ist hier nicht von Belang" zwischen den ängstlich bibbernden Lippen hindurch und verwandelte sich augenblicklich in eine abgestorbene Büropflanze. Zusammen mit Charakterkopf Robin Dutt als Raufasertapete ergab sich so ein Stimmungsbild, das den Eyjafjallajökull der Bundesliga sichtlich verwirrte. Mit Beeinträchtigungen des Flugverkehrs im Großraum Dortmund ist deshalb nur noch bis Mitte Mai 2012 zu rechnen.

Seite 2: Der Franz Josef Wagner der Bundesliga trifft auf den König von Mallorca

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