Dringend: Mehr Smileys in die Startaufstellung

Von Stefan Moser
Montag, 22.08.2011 | 20:00 Uhr
Eine ausführliche Psychoanalyse von Stale Solbakkken ergab: eigentlich nichts
© Getty
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Woran kann man heute eigentlich noch glauben?! Ailton ist jetzt Psychoanalytiker, Stefan Effenberg ein zahmer Tiger, für Schiedsrichter soll man Verständnis haben und Markus Babbel verunsichert die Alternative Liste des 3. Spieltags. Und zwar total!

1. Kannibalen auf der Couch: Irgendwer, es muss wohl Ailton oder Sigmund Freud gewesen sein, hat mal behauptet: Wenn sich jemand während einer Kommunikation verhaspelt, handelt es sich in den seltensten Fällen nur um eine zufällige Fehlleistung. Was er aus Versehen sagt, liege meistens deutlich näher an der Wahrheit, als das, was er vermeintlich eigentlich mitteilen wollte. Die Psychoanalyse nennt das einen "Freudschen Verfingerer". Wenn Herr Boulahrouz nun also behauptet, er wollte dem Schiedsrichter nach seinem Platzverweis eigentlich nur Beifall klatschen, als ihm dabei aus Versehen der Mittelfinger aus dem Halfter sprang - reicht das dann trotzdem noch für eine Anklage?

2. Eier: Weil berichtet wurde, Bayern-Präsi Ulrich Hoeneß hätte in der Halbzeit des Zürich-Spiels höchst selbst zu seinen Schäfchen gesprochen, fasste sich Jupp Heynckes am Freitag kurz mal kräftig in den Schritt: "Die Kabine ist Terrain des Trainers! Da hat niemand anderes etwas zu sagen! Das lasse ich nicht zu. Das habe ich den Herren auch gesagt." So ist's fein, Herr Heynckes, solche Männer braucht das Land: Echte Kerle neben all den weichgespülten Waschlappen der Bundesliga! Seine Spieler zeigten dann am Samstag zwar wieder nur kurze Pässe statt langer Schwänze. Den HSV haben sie damit aber trotzdem sauber flachgelegt.

3. Berliner Mauer: 1969 war die Welt noch in Ordnung. Hannover war Tabellenführer und all das Böse in der Welt war noch gar nicht geboren: Emoticons, Superzeitlupen, Maik Franz und vor allem - die Ironie. Heute dagegen weiß keiner mehr, woran er eigentlich noch glauben soll. Wenn Markus Babbel zum Beispiel den Fall der Berliner Mauer, der zum 1:0 für Hannover führte, wie folgt erklärt: "Raffael musste aus der Mauer, weil ihn Schlaudraff überlaufen hat. Ich habe es den Jungs noch nicht erklärt, dass, wenn einer rausgeht, die anderen einfach einen Schritt rüber machen müssen, um die Lücke zu schließen. Das Tor kreide ich also mir selbst an."

Meint er das dann echt? Oder ironisch? Und woran soll man das erkennen, wenn da gar kein Smiley ist? Ach, die Welt ist so verwirrend geworden. Dachte sich auch Schiri Hartmann, pfiff zwei Minuten vor Schluss ein Foul an Maik Franz, das selbst in Superzeitlupe nicht zu erkennen war, verweigerte so den Siegtreffer - und damit auch die Tabellenführung für Hannover. Die erste übrigens seit 1969.

4. Schön war die Zeit: 1969 gab's übrigens auch noch keinen "Teilriss einer Sehne im rechten Hüftbeugemuskel" und Ivica Olic wäre mit etwas Klebeband geflickt zum nächsten Training erschienen. Heute fällt der arme Kerl schon wieder sechs bis acht Wochen aus. Wir wünschen gute Besserung!

5. Intellektuelle unter sich: Weil auch Stale Solbakken seine Rede nicht mit Smileys schmückte, musste Sportdirektor Volker Finke dem verunsicherten Volk in Köln erklären, dass das mit dem "Endspiel" gegen Kaiserlautern vom Trainer ja gar nicht so gemeint war. "Feingeistig" wie er nun mal sei, habe Stolbakken vielmehr eine "ironische Spitze" gegen die Hysterie im Umfeld loslassen wollen. Denn immerhin habe der Norweger, so Finke, "intellektuell einiges zu bieten". Frage an den Kölner "Express": Im Gegensatz zu wem? ;-)

6. Klopp-Parodie: Weil die Menschen in Sinsheim nicht so blöd sind wie in Köln, verzichtete auch Holger Stanislawski auf Emoticons. Er malte noch nicht mal Anführungszeichen in die Luft - als er am Samstag das hier erzählte.

7. Willkommen in der Wirklichkeit: Der 1. FC Nürnberg spielt derzeit einen ordentlichen Fußball - aber charakterlich...? Vor allem Timmy Simons ist schon ein ziemlich bösartiger Zyniker.

Da gewann der Kapitän die Platzwahl in Dortmund und sagte daraufhin eiskalt zum Schiedsrichter: Wir wechseln die Seite! Das heimtückische Manöver richtete sich natürlich astrein gegen Mitspieler Patrick Rakovsky.

Der Vertreter von Club-Torhüter Raphael Schäfer ist gerade erst 18 geworden, er kam vom FC Schalke und durfte dank der Niedertracht von Simons seine allerersten Bundesligaminuten nun auf der anderen Seite des Signal Iduna Parks absolvieren: direkt vor der Gelben Wand!

8. Chef-Expertise: Da stand Stefan Effenberg am Spielfeldrand in Köln und sprach eine Liebeserklärung an Schiedsrichter "Kirchner" in eine Kamera. Der Reporter: "Ach, seine Mimik gefällt mir so gut." Der Tiger: "Ich mag seine strenge Art." Das war wirklich sehr amüsant. Bis erste Zweifel aufkamen: Die meinen das vielleicht gar nicht ironisch! Und überhaupt: Heißt der Typ nicht eigentlich Kircher?

9. Sippenhaft: Folgendes ist Geschehen: Irgendein Freiburger Bankangestellter regte sich in Bremen solange über irgendetwas auf, bis der vierte Offizielle ihn beim ersten Offiziellen verpetzte. Da kam der erste Offizielle und schickte SC-Trainer Marcus Sorg auf die Tribüne, weil der eben auch zufällig in der Gegend herumstand. Und dann beschwerte sich Sorg hinterher recht bitterlich, weil der vierte Offizielle "leider nicht die Courage hatte", den ersten Offiziellen auf dessen Irrtum hinzuweisen. Nun ist dieser Ärger durchaus verständlich, aber trotzdem sollte man nicht immer gleich überall so draufhauen. Man muss sich eben auch mal die Mühe machen, sich in den anderen hineinzuversetzen. Ihn zu verstehen. Die Schuld auch bei sich selber suchen. Mehr so psychoanalytisch vielleicht. Sie erinnern sich, Sorg, doch an diesen Jungen, der nach dem Turnen immer in Unterhosen duschte, weil er den Spott seiner bereits behaarten Klassenkameraden fürchtete.

Natürlich wurde er trotzdem veräppelt, weil seine größte sportliche Leistung nun mal darin bestand, im Unterricht permanent den Finger oben zu haben.

Auch Sie haben sich damals über ihn lustig gemacht. Und sehen Sie, Sorg, genau der ist heute höchstwahrscheinlich Schiedsrichter. Verstehen Sie?

10. Recht behalten: "Wer diesmal wieder auf ein 0:6 tippt, der hat vom Fußball keine Ahnung!" Wer hat's gesagt? Logisch, Michael Oenning hat's gesagt. Eine Ironie des Schicksals? Oder der Beweis, dass im Fußball eben die Nuancen den Unterschied machen?

11. Börsencrash: So eine doppelte Staatsbürgerschaft als Trainer und Manager in Wolfsburg ist eine feine Sache. So kann Felix Magath nämlich nicht nur seine Spieler quälen, sondern während der laufenden 90 Minuten sogar noch hübsch die Marktwerte manipulieren. So eine Auswechslung von Hasan Salihamidzic nach 23 Minuten zum Beispiel, die schürt Gerüchte und verdirbt womöglich den Markt für rechte Außenverteidiger, die auch im linken Mittelfeld spielen können. Oder müssen. Gleichzeitig sah Magath genüsslich zu, wie Simon Kjaer seine eigene Ablöse mit jeder Aktion um eine Million nach unten drückte. Den Dänen will er ja auch loswerden. Rein wirtschaftlich ist das natürlich vollkommen Banane, aber zu Marktgesetzen hat Felix Magath eben seine eigene Meinung. Guckst Du!

Der 3. Spieltag im Überblick

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