Donnerstag, 19.08.2010

Stuttgarts Ciprian Marica exklusiv

Marica: "Wie bei einer Achterbahn"

Ciprian Marica war schon als Fehleinkauf abgestempelt, doch seit Christian Gross Trainer in Stuttgart ist, trifft der Rumäne plötzlich regelmäßig für den VfB. Der 24-jährige Stürmer über negative Schlagzeilen, Sandra Bullock und die rumänischen Beckhams.

Ciprian Marica erzielte in der abgelaufenen Saison in 24 Spielen zehn Tore
© Getty
Ciprian Marica erzielte in der abgelaufenen Saison in 24 Spielen zehn Tore

SPOX: Den Fußballer Ciprian Marica kennen die Fußball-Fans in Deutschland inzwischen, die Person aber nicht so wirklich. Das wollen wir jetzt ändern. Was ist denn beispielsweise Ihr Lieblingsfilm?

Ciprian Marica: Mein Lieblingsfilm ist "The Blind Side" mit Sandra Bullock. Die Lebensgeschichte von Michael Oher ist einfach beeindruckend. Heute ist der Junge ja ein richtiger NFL-Star. Wahnsinn. Der Film zeigt, denke ich, wie viel Glück wir in unserem Leben eigentlich haben und dass es unsere Aufgabe ist, den Menschen zu helfen, die weniger Glück gehabt haben. Und dazu kommt, dass Sandra Bullock ihre Rolle so toll gespielt hat. Sie hat nicht umsonst dafür einen Oscar bekommen.

SPOX: Ist Sandra Bullock Ihre Lieblingsschaupielerin?

Marica: Nein, nicht wirklich. Ich bin eher ein Fan von zwei ihrer männlichen Kollegen: Robert De Niro und Brad Pitt finde ich klasse.

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SPOX: Na ja, vielleicht sagen Sie das ja nur, damit Sie zuhause keinen Ärger von Ihrer Freundin Ilinca Vandici bekommen. Die ist ja TV-Moderatorin in Rumänien. Wer ist eigentlich bekannter? Ihre Freundin oder Sie?

Marica: (lacht) Das ist eine schwierige Frage, die Sie mir da stellen. Sagen wir es so: Sie ist in ihrem Bereich bekannt - und ich in meinem.

SPOX: Aber zusammen sind Sie ein sehr bekanntes Paar?

Marica: Das stimmt. Aber wir sind nicht die rumänischen Beckhams, ganz so schlimm ist es nicht.

SPOX: Sie haben vorhin angesprochen, dass man sich dessen bewusst sein muss, wenn man ein glückliches Leben führen kann. Fußballer führen ein sehr privilegiertes Leben. Gibt es überhaupt Nachteile?

Marica: Wir führen wirklich ein schönes Leben, wir verdienen gut und können im Prinzip machen, was wir wollen. Ich bin der Letzte, der sich beschwert. Aber ich denke trotzdem, dass die Leute oft nicht sehen, wie viel Arbeit dahinter steckt und welchen Preis wir dafür zahlen.

SPOX: Was meinen Sie damit genau?

Marica: Na ja, als Fußballer bist du eben schon sehr viel von zuhause weg. Deine Frau oder Freundin möchte dich daheim haben, aber du steckst mal wieder in einem Trainingslager in der Schweiz. (lacht) Das ging bei mir als Kind schon los. Während viele meiner Freunde einfach raus gegangen sind und gespielt haben, war ich immer beim Fußball. Aber wie gesagt: Ich wollte das so und bin sehr zufrieden mit meinem Leben. Ich weiß gar nicht, was ohne den Fußball aus mir geworden wäre.

SPOX: Wirklich nicht?

Marica: Nein, nicht so richtig. Mein Vater hatte eine Baufirma, vielleicht hätte ich diese weitergeführt. Das ist gut möglich. Ich weiß auch noch nicht, was ich nach der Fußballkarriere mache. Eigentlich soll man ja niemals nie sagen, aber Trainer ist glaube ich nichts für mich.

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SPOX: Mit Christian Gross haben Sie jetzt beim VfB einen Coach, unter dem Sie in der Rückrunde so gut wie noch nie in der Bundesliga gespielt haben. Was hat er mit Ihnen gemacht?

Marica: Er hat eine unglaubliche Ausstrahlung, das hat man sofort gemerkt. Dazu verfügt er über eine große Erfahrung. Er hat eine neue Motivation ins Team gebracht und uns als Kollektiv stark gemacht, das war wichtig. Außerdem hat er mir Vertrauen geschenkt. Es ist nicht so, dass ich jetzt ein anderer Spieler bin als vorher. Ich trainiere auch nicht anders. Seit Pawel Pogrebnyak und Zdravko Kuzmanovic da sind, ist es auch etwas einfacher für mich. Wir sind so eine kleine Clique geworden, die sich gegenseitig hilft und viel miteinander unternimmt.

"Ich habe mir sehr viel vorgenommen für die neue Saison. Ich habe mir eine Marke an Toren gesetzt, die ich unbedingt erreichen will. Ich werde sie aber hier jetzt nicht verraten, sondern für mich behalten. Aber niedrig ist sie nicht." Ciprian Marica

SPOX: Sie mussten in Ihrer Zeit in Stuttgart schon einiges über sich lesen: Chancentod, Stümper, Fehleinkauf. Wie sehr haben solche Schlagzeilen weh getan?

Marica: Es war keine einfache Zeit für mich, ganz klar. Aber ich habe mich nie herunter ziehen lassen. Im Fußball ist es nicht anders als im normalen Leben. Mal geht es bergauf und mal geht es wieder bergab - wie bei einer Achterbahn. Es ist am Anfang beim VfB nicht so gelaufen, wie ich mir das gewünscht hätte, aber ich habe immer gewusst, dass ich es schaffen werde, mich hier durchzusetzen. Ich wusste, dass ich es viel besser kann. In der Rückrunde habe ich das ja jetzt auch bewiesen.

SPOX: Und jetzt können Sie in der neuen Saison voll durchstarten.

Marica: Richtig. Ich habe mir sehr viel vorgenommen für die neue Saison. Ich habe mir eine Marke an Toren gesetzt, die ich unbedingt erreichen will. Ich werde sie aber hier jetzt nicht verraten, sondern für mich behalten. Aber niedrig ist sie nicht. (lacht)

SPOX: Was ist denn für den VfB möglich in dieser Saison? Niemand weiß so recht, wie stark die Mannschaft ist.

Marica: Mein Ziel ist es, mit dem VfB in dieser Saison unter die Top  5 zu kommen. Das wird schwierig, aber wir sind stark genug, um das zu erreichen. Für uns geht es aber jetzt erst mal darum, nicht zu weit nach vorne zu schauen, sondern Spiel für Spiel zu nehmen. Wir wollen jedes Spiel gewinnen.

SPOX: Gegen Molde war die Leistung trotz des Weiterkommens eher bescheiden. Warum wird es jetzt besser?

Marica: Wir haben gegen Molde nicht gut gespielt, aber wir waren zu diesem Zeitpunkt noch mitten in der Vorbereitung. Jetzt kommen wir immer besser in den Rhythmus. Wir müssen gegen Bratislava weiterkommen, das ist unsere Pflicht.

SPOX: Zum Abschluss noch eine Frage an den "Türkei-Experten". Sie haben mit Rumänien kürzlich ein Freundschaftsspiel gegen die Türkei absolviert. Deutschland trifft in der EM-Qualifikation auf die Türkei. Müssen wir uns Sorgen machen?

Marica: (lacht) Nein, ganz sicher nicht. Da kann ich euch beruhigen. Wir haben in der Türkei zwar 0:2 verloren, aber das Ergebnis täuscht. Wir hätten das Spiel gewinnen müssen. Die Türkei war nicht gut. Ich sehe für Deutschland da überhaupt keine Probleme.

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Interview: Florian Regelmann

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