Die größte aller Wundertüten

Von Stefan Rommel
Dienstag, 17.08.2010 | 20:14 Uhr
Der VfB Stuttgart der Saison 2010/11 - inklusive Maskottchen Fritzle (r.)
© Getty
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Wenige Tage vor dem Start der Bundesliga stellt SPOX alle 18 Klubs in der großen Vorschau-Serie vor - mit allen Transfers, Hintergründen und der Saison-Prognose. Diesmal: VfB Stuttgart.

Acht Mal in den letzten neun Jahren hat sich der VfB Stuttgart für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert. Eine blitzsaubere Bilanz für einen Klub, der nicht erst seit dieser Saison mit dem Etikett "Ausbildungsverein" versehen ist.

Nur sorgte die traditionell hervorragende Jugendausbildung gepaart mit etlichen namhaften Abgängen und dem Königstransfer von Sami Khedira zu Real Madrid in diesem Sommer dafür, dass der VfB weniger als etablierte Größe in Deutschlands Spitzengruppe wahrgenommen wird, als vielmehr als kleiner Selbstbedienungsladen.

Ein Standort, der seine eigens großgezogenen Talente letztlich gegen die ganz großen Klubs nicht halten kann und seinerseits keine waghalsigen Transfers tätigen will.

Die Stimmung in Bad Cannstatt ist dann fast immer geprägt von Skepsis, die vor der kommenden Saison so groß wie schon lange nicht mehr zu sein scheint. Es steht im wahrsten Sinne des Wortes ein Jahr des Umbruchs bevor - mit einigen Risiken, aber auch Chancen.

Das ist neu

Christian Gross kann zum ersten Mal mit "seiner" Mannschaft in die Vorbereitung und eine Saison gehen. In der Rückrunde der abgelaufenen Spielzeit erwies sich der Schweizer fast als kleiner Magier, führte den VfB aus dem Keller nach Europa und legte den besten Punktequotient in der Geschichte der Bundesliga hin.

Jetzt beginnt aber erst seine eigentliche Arbeit, die beim VfB auf mehrere Jahre hinaus angelegt sein soll. Gross hat einen Vertrag bis Juni 2011, über die vom Verein angestrebte Verlängerung will Gross im Moment aber kein Wort verlieren.

Dafür hat er noch zu viele Baustellen - eine davon ist die zukünftige Zusammenarbeit mit Fredi Bobic. Der ist noch frischer beim VfB als Gross. Trainer und Manager sind also im Prinzip fast neu, kein anderer Bundesligist geht mit einer vergleichbaren Konstellation in die Hinrunde.

Bobic hatte bereits in seinen ersten Tagen alle Hände voll zu tun, vor allem mit dem Umbau des Kaders. Dabei machte er bisher einen weniger zögerlichen Eindruck als sein Vorgänger Horst Heldt. Das ist zwar mit mehr Risiko verbunden, auf Grund des großen Zeitdrucks aber offenbar nicht anders zu bewerkstelligen.

Das sind Bobic' Baustellen

Immerhin hat die Mannschaft durch Gross wieder den Weg zurück zu einer strafferen Linie gefunden, der Schweizer stellt klare Forderungen und erwartet dementsprechend klare Antworten.

Gerade in einer Phase, wo Größen wie Jens Lehmann oder Sami Khedira, sowie verdiente Spieler wie Roberto Hilbert oder Ricardo Osorio den Verein verlassen haben, ist Gross' Einfluss und sein strenger Führungsstil in der Phase des Umbruchs von unschätzbarem Wert.

Die vielen prominenten Abgänge will der VfB mit einer Mischung aus neuen Spielern und nachrückenden Akteuren aus der eigenen Jugend auffüllen. Das Konzept hat in Stuttgart Tradition, wird vor dieser Saison aber von einigen Bedenken begleitet.

Die große Identifikationsfigur Khedira ist weg, um den Nationalspieler herum wollte der Klub die Mannschaft der Zukunft aufbauen. Lehmann mag unbequem und manchmal auch unberechenbar gewesen sein - als Leitfigur und Respektsperson auf dem Platz war er eine Bank.

Bei den Zugängen ist bisher kein großer Name dabei, im Gegenteil. Philipp Degen sehen viele in Deutschland schon als gescheitert an. Allerdings wird sich Gross, der Degen beim FC Basel zum Nationalspieler formte, bei dessen Verpflichtung die entsprechenden Gedanken gemacht haben.

Johan Audel ist in Deutschland ein beinahe Unbekannter und wird nach dem geplatzten Transfer von Andre Ayew als zweite Wahl verstanden. Der Deal mit dem Slowaken Vladimir Weiss von ManCity wabert noch durch die Luft, Vollzug ungewiss.

Dazu kommen die Nachwuchsspieler Patrick Funk und Daniel Didavi - und Sorgenkind Sebastian Rudy. Der gilt als ein ähnlich großes Talent wie Khedira vor vier Jahren, scheint aber auch jetzt den endgültigen Sprung in die Stamm-Elf nicht zu packen. Hoffenheim meldet reges Interesse, Gross scheint nicht wirklich abgeneigt zu sein.

Der Stadionumbau frisst noch diese eine Saison eine Menge Geld und bringt jetzt auch noch ein zweites, nicht zu unterschätzendes Problem mit sich: Die Cannstatter Kurve ist abgerissen, die Hardcore-Fans müssen aus ihrer Heimat in andere Teile des Stadions verpflanzt werden. Eine Situation, an die sich alle Beteiligten erst noch gewöhnen müssen.

Die Taktik

Das 4-4-2 mit zwei defensiven Mittelfeldspielern vor der Abwehr ist bei Gross alternativlos. Der Schweizer bevorzugt geradlinigen Angriffs-Fußball, mit schnellen Außenspielern und physischer Stärke im Sturmzentrum.

Darauf fokussiert er sich bei der Auswahl seines Personals. Ein Spieler wie zum Beispiel Rudy bringt nicht immer genügend Biss und Zweikampfhärte mit, also hat er es unter Gross schwer. Dabei ist die Balance zwischen Angriffs- und Verteidigungsspiel enorm wichtig.

Der VfB von früher, mit frischem Hurra-Fußball nach vorne, aber auch anfällig im Defensivverhalten, soll fürs erste in der Schublade verschwinden. Weniger Klischee, mehr Pragmatismus.

Die Abwehr steht soweit und sollte in ihrer Besetzung plus der zweiten Garnitur dahinter auch höchsten Ansprüchen genügen, schließlich beschäftigt der VfB auf allen Positionen teilweise gestandene Nationalspieler.

Dann kommen aber auch schon viele Fragezeichen. Wie wird Sven Ulreich seinen zweiten Anlauf als Nummer eins hinbekommen? Wer wird der neue Kopf im Mittelfeld? Was wird nach Alex Hlebs Abgang aus der zuletzt so starken linken Seite? Kann sich von den Stürmern endlich zumindest einer als verlässlicher Torelieferant etablieren?

Das Potenzial ist auf allen Positionen da, an der Umsetzung auf dem Platzt fehlte es in den letzten Jahren aber. Hier liegt Gross' Hauptaugenmerk. Am System wird er aller Voraussicht nach so schnell nichts ändern, also verwendet er alle Energie darauf, seinen Spielern die vielen kleinen Feinheiten zu vermitteln.

Der Spieler im Fokus

Cacau ist seit 2004 im Verein, hat alle möglichen Höhen und Tiefen mitgemacht, erlebte mit Trapattoni eine völlig verkorkste Saison, war deutscher Meister, einige Male schon so gut wie weg, dann Publikumsliebling und ist nun Nationalspieler mit WM-Erfahrung.

Jetzt kommt dem 29-Jährigen aber in seinem siebten Dienstjahr eine neue Rolle zu: Die der Identifikationsfigur. Verein und Mannschaft befinden sich im Umbruch, da ist der Wunsch nach Verlässlichkeit und Herzblut besonders groß. Mit Bobic ist ein Stück großer Vergangenheit zurückgekehrt, aber Bobic vertritt den VfB nicht mehr auf dem Rasen.

Nach Khediras Wechsel zu Real Madrid ist diese Stelle vakant und Cacau wird sie ausfüllen (müssen). Jetzt ist er einer der Führungsspieler, sein Wort wird noch mehr Gewicht haben, sein Vertrauensvorschuss bei den Fans ist so groß wie bei keinem anderen Spieler.

Dazu muss er eine ausgewogenere Saison spielen als letztes Jahr, als er in der Hinrunde wie die gesamte Mannschaft ein Totalausfall war und unter Gross in der Rückrunde plötzlich munter knipste.

Cacau kam mit viel WM-Schwung zurück zur Mannschaft und will diese Euphorie auf die Mannschaft übertragen. Die Voraussetzungen sind gegeben, die Forderungen aber enorm hoch. Es wird auch für Cacau eine Saison voll großer Herausforderungen.

Das Interview

SPOX: Der VfB war in der jüngeren Vergangenheit dafür bekannt, dass er nach guten Phasen regelmäßig abstürzt. Nach der grandiosen Rückserie wäre es demnach wieder soweit. Warum passiert das dieses Mal nicht?

Gross: Ich habe mich mit Kennern der Stuttgarter Szene unterhalten und weiß um diese Problematik. Für uns wird ganz entscheidend sein, dass wir einen guten Start erwischen. Alle Teams wollen immer gut starten, aber ich denke, dass es in dieser Saison für uns wirklich extrem wichtig sein wird. Wir müssen mit Überzeugung in die Saison reingehen.

Das ganze Interview mit Christian Gross zum Nachlesen

Die Prognose

Platz eins bis fünf gibt der VfB Stuttgart für gewöhnlich als grob umrissenes Saisonziel aus. Ein Platz im internationalen Geschäft ist für einen Verein wie den VfB Pflicht.

Diesmal ist der Fall aber etwas anders gelagert. Es gibt zu viele offene Fragen, zu viele Unwägbarkeiten, als dass sich einer der Verantwortlichen auf eine konkrete Aussage festnageln ließe.

Trainer Gross ordnet deshalb die Saison in kleine Häppchen und fordert im ersten Schritt den Einzug in die Europa-League-Gruppenphase und einen guten Saisonstart.

Vermutlich die richtige Vorgehensweise, zumal Stuttgart immer mal wieder eine der großen Wundertüten der Liga ist und eine enorme Spannweite zwischen unterem Durchschnitt und Spitzenklasse liefern kann.

Der Verein steht vor einem Übergangsjahr, bei dem intern auch das Verpassen der internationalen Ränge einkalkuliert ist. Zumal die Konkurrenz nicht weniger wird und teilweise enorm aufgerüstet hat, während der VfB seinem Vernunftstil treu bleibt und nur Geld ausgibt, das vorher auch erwirtschaftet wurde beziehungsweise nicht von einem Großkonzern im Hintergrund alimentiert wird.

Die Mannschaft besitzt das Potenzial, um um die Plätze fünf bis acht zu spielen. Mehr ist nur drin, wenn alles absolut optimal läuft, die Abgänge zügig eins zu eins ersetzt werden, die Mannschaft schnell zueinander findet und der VfB endlich mal eine Saison spielt ohne große Unwucht zwischen Hin- und Rückrunde. Kurz: Die Europa-League-Qualifikation wäre ein sehr großer Erfolg.

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