Christoph Metzelder im Interview

"Sami Khedira wird Real überleben"

Von Für SPOX in Gelsenkirchen: Haruka Gruber
Montag, 02.08.2010 | 17:56 Uhr
Christoph Metzelder ist in diesem Sommer ablösefrei von Real Madrid zu Schalke gewechselt
© Getty
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Wie gut ist Schalke? Was ist Rauls Erfolgsgeheimnis? Und was erwartet Sami Khedira in Madrid? Schalkes neuer Abwehrchef Christoph Metzelder stellte sich den Fragen der Journalisten und sprach über eine gelungene Dramaturgie und seinen Job als "Integrationsbeauftragten".

Frage: Schalke spielte während des LIGA total! Cups erfrischend offensiv - zeigte jedoch defensiv ungewohnte Unsicherheiten. Hängt das zusammen?

Christoph Metzelder: Es ist sicher so, dass Trainer Felix Magath den Offensivfußball mehr in den Vordergrund rückt und vor allem in der Phase der Vorbereitung mit all den Experimenten Abstimmungsschwierigkeiten und Konzentrationsschwächen auftreten. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir die Fehler abstellen, wenn die Saison beginnt.

Frage: Finalgegner FC Bayern hat nur eine Reserveelf aufgeboten - wie wichtig ist dennoch der Erfolg gegen den Meister?

Metzelder: Wir wissen das Ergebnis vernünftig einzuschätzen, nichtsdestotrotz haben wir immerhin den ersten Titel der Saison geholt. Einen kleinen Titel zwar, aber hoffentlich ist er ein Vorgeschmack auf das, was noch kommt. Gegen die Bayern haben wir bewiesen, dass  wir nach einem Rückstand zurückkommen können, und das ist eine Qualität, die vor allem die Fans auf Schalke sehen wollen. Von der Dramaturgie hätte das Wochenende nicht besser verlaufen können.

Frage: Sie spielen auf Rauls spektakulären Einstand an.

Metzelder: Er hatte wegen seiner Verletzung und der Sommerpause zehn Wochen kein Mannschaftstraining, macht dann bei uns zwei Einheiten mit und schießt gegen München gleich zwei Tore. Wir sind alle überrascht, wie schnell er ins Spiel gefunden hat. Wenn er im Vollbesitz der Kräfte ist, wird seine unglaubliche Laufstärke noch besser zum Tragen kommen.

Frage: Wie würden Sie Raul als Stürmer charakterisieren?

Metzelder: Auffällig bei ihm ist, dass er immer versucht, in die Räume zwischen der Viererkette und dem Mittelfeld zu kommen, um sich dort vom Abwehrspieler abzusetzen. Wenn er sich der Deckung entzogen hat, geht er zielstrebig in den gegnerischen Strafraum und steht einfach genau da, wo der Ball hinfällt.

Frage: Und wie ist Raul als Mensch?

Metzelder: Der eine oder andere junge Spieler hat einfach nur große Augen gemacht und sich nicht getraut, etwas zu sagen, als Raul erstmals in die Kabine kam. Aber Raul ist ein unglaublich bescheidener Typ, der keinen Starrummel um sich macht. Er hat sich nahtlos in die Mannschaft eingefügt. Einige Spieler waren überrascht, dass er wirklich so bescheiden ist, wie berichtet wurde.

Frage: Wird die Eingewöhnung ein Selbstläufer?

Metzelder: Wenn man im zweiten Spiel vor heimischer Kulisse gleich zwei Tore schießt, ist es selbst für Raul ein ganz besonderer Moment. Aber ich kann beurteilen, was es heißt, ins Ausland zu gehen. Er kannte vorher nur Real Madrid, wo er der absolute Superstar war. Die Ikone des Vereins. Jetzt hat er sich aus seinem sicheren Umfeld herausgewagt. Für ihn und seine Familie bleibt Schalke ein kleines Abenteuer.

Frage: Sportliche Zweifel haben Sie aber keine, dass Raul scheitern könnte?

Metzelder: Sicherlich wird in der Bundesliga ein anderer Fußball gespielt als in der Primera Division. Und die Verteidiger in Deutschland haben am Wochenende ganz genau hingeschaut und werden vermutlich mit einer gewissen Härte gegen ihn vorgehen, um ihn zu stoppen. Aber wer 16 Jahre in der ersten Mannschaft von Real gespielt hat, wird auch in der Bundesliga bestehen.

Frage: Sie sind Rauls wichtigste Bezugsperson, zuvor haben Sie sich aber auch um einen anderen ausländischen Zugang gekümmert: Japans Nationalspieler Atsuto Uchida.

Metzelder: Zumindest habe ich mir im Trainingslager ein Zimmer mit ihm geteilt, bis er Fieber bekommen hat und ich deswegen umziehen musste. Er ist ein netter, umgänglicher Typ, dem jedoch der große Schritt erst gelingen muss.

Frage: Was meinen Sie?

Metzelder: Zwischen Japan und Deutschland gibt es große kulturelle und fußballerische Unterschiede. Vor allem Letzteres ist eine Herausforderung. Er muss vor allem physisch zulegen, hier geht es nun mal körperlicher zu als in seiner Heimat. Dennoch bringt er gute Anlagen mit, ist schnell sowie technisch stark und besitzt Offensivdrang.

Frage: Umstellen muss sich auch Sami Khedira, der von Stuttgart zu Ihren Ex-Klub Real Madrid gewechselt ist. Setzt er sich durch?

Metzelder: Er hat bei der WM bewiesen, dass er international mithalten kann.

Frage: Aber Real ist zumindest zwischenmenschlich eine andere Kragenweite als die deutsche Nationalmannschaft.

Metzelder: Das Entscheidende ist die Unterstützung des Trainers und des Umfelds, das habe ich selbst erlebt. Nicht alle standen hinter meiner Verpflichtung, was ich immer wieder zu spüren bekommen habe. Daher ist es bei einem Verein wie Real Madrid wichtig, dass der Trainer dich unbedingt will und dich unterstützt. Wie es aussieht, ist Sami aber der absolute Wunschspieler von Jose Mourinho, von daher traue ich ihm zu, trotz der riesigen Konkurrenz bei Real zu überleben.

Schalke nach dem Traumstart: Mit Schmalz, Charme und Edu

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