Montag, 07.01.2008

Mit straffer Hand zum Optimum

Hoeneß vor schwieriger Trainersuche

München - Ottmar Hitzfeld will den FC Bayern München in seinen letzten vier Monaten als Trainer mit "straffer" Hand zum Optimum von drei Titeln führen - bei der Clubführung steht dagegen die schwierige Nachfolge-Regelung ganz oben auf der Agenda.

Fußball, Bundesliga, Bayern, Hoeneß, Hitzfeld
© Getty

"Eines ist klar: Die Schuhe von Ottmar Hitzfeld sind groß. Da muss man die Entscheidung gut überlegen", erklärte Manager Uli Hoeneß beim verregneten Trainingsstart des Herbstmeisters zur spannendsten und wichtigsten Personalfrage in der Rückrunde.

Die Trainersuche will Hoeneß gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen Karl-Heinz Rummenigge und Karl Hopfner sowie Berater Paul Breitner abseits der Öffentlichkeit "im stillen Kämmerlein" betreiben.

Hitzfelds große Fußstapfen 

Der neue Coach soll zwar "ohne Zeitdruck" verpflichtet werden, wie Hoeneß betonte, aber man werde auch "nicht bis Mai oder Juni warten". Angesichts der "großen Schuhe" von Hitzfeld, scheint eine Lösung mit einem hochkarätigen Champions-League-Gewinner wie dem derzeit vereinslosen José Mourinho oder dem Niederländer Frank Rijkaard (FC Barcelona) näherliegender zu sein als eine mutige deutsche Lösung wie mit dem Mainzer Jürgen Klopp.

Man werde "kreuz und quer diskutieren", bemerkte Hoeneß, der um die Bedeutung der Entscheidung weiß: "Wir müssen sie sorgfältig treffen."

Ein konkretes Anforderungsprofil an den neuen Mann wollte der Manager öffentlich nicht benennen, doch selbstbewusst erklärte er: "Wenn wir uns entschieden haben für einen Trainer, dann kriegen wir den auch."

Schindluder und Halbwahrheiten 

Eine Millionen-Gage oder sogar eine Ablösesumme für einen Star-Coach wie Mourinho oder Russlands Nationaltrainer Guus Hiddink wären demnach kein Hindernis. Genau beobachten wollen die Bayern den Umgang der Medien mit dem Trainerthema: "Wir werden empfindlich sein, wenn Schindluder getrieben wird mit Halbwahrheiten", sagte Hoeneß.

Auch Hitzfeld hat sich nach eigenen Angaben noch nicht entschieden, was er nach dem Ausstieg beim FC Bayern machen wird. "Was kommt, will ich offen lassen." Mit dem Schweizer Verband habe er über die Tätigkeit als Nationaltrainer noch "nicht verhandelt", betonte der 58-Jährige. Auch ein Experten-Job beim Fernsehen ist für ihn wieder denkbar. Nur einen Direktoren-Posten bei einem Verein schloss Hitzfeld kategorisch aus.

Die Mission: Titel 

Zunächst will sich der Coach ganz in seine schwierige Arbeit beim FC Bayern stürzen, die er in Bundesliga, UEFA-Cup und DFB-Pokal zu einem triumphalen Abschluss führen will. "Wir sind auf einem guten Weg, einige Titel holen zu können. Das ist meine Mission", sagte Hitzfeld kämpferisch. Er will den Umbruch mit dem neuen Millionenteam erfolgreich beenden.

"Das ist eine Herausforderung." Um die Ziele zu erreichen, rief er Spieler und Vorstand am ersten Arbeitstag 2008 energisch zum Schulterschluss auf. "Wir dürfen intern nicht für Unruhe sorgen", mahnte der Coach, der ankündigte, die Mannschaft in der Rückrunde noch "straffer" führen zu wollen. "Man muss unheimlich Acht geben auf Disziplin." Er werde bei Verstößen hart durchgreifen, auch wenn der neue Verhaltenskodex "kein Strafenkatalog" sein soll.

Breno kämpft um seinen Platz 

Bei nasskaltem Regenwetter nahm an der ersten Übungseinheit auch der rund 12 Millionen Euro teure brasilianische Neuzugang Breno teil. Der 18 Jahre junge Innenverteidiger will den Konkurrenzkampf mit seinem Landsmann Lucio und dem Argentinier Martin Demichelis annehmen und "um einen Platz in der Mannschaft kämpfen", wie er sagte.

Neben dem Rekonvaleszenten Marcell Jansen (Sprunggelenks-OP) fehlten am Montag auch die vergrippten Franck Ribéry, Lukas Podolski und Daniel van Buyten. Dass die Position von Hitzfeld in der Rückrunde bei Misserfolgen und ausbleibenden Titeln in Gefahr geraten könnte, schloss Hoeneß aus: "Ottmar wird den Verein niemals durch die Hintertür, sondern auf jeden Fall durch das große Tor der Allianz Arena verlassen."


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