Bayern braucht einen neuen Felix

Von Thomas Gaber
Freitag, 21.12.2007 | 14:04 Uhr
mourinho
© Getty
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München - Ottmar Hitzfeld will bis Januar 2008 warten, ehe er dem FC Bayern und der breiten Öffentlichkeit mitteilt, wie seine berufliche Zukunft aussieht. Doch sein Abschied aus München zum Saisonende ist bereits beschlossene Sache (SPOX.com berichtete).

Da stellt sich automatisch die Autoritätsfrage. Kann ein Trainer, dessen Zeitpunkt des Abschieds feststeht, in Ruhe arbeiten, seine Vorstellungen plausibel vermitteln und die Mannschaft, die laut Hitzfeld ja Teil des "sensiblen Gebildes FC Bayern" ist, motivieren? 

Hitzfelds Autorität wurde durch die Kritik von Karl-Heinz Rummenigge an seiner Rotationspolitik bereits Anfang November stark untergraben. Doch der General will es versuchen und seine Titel-Sammlung als einer der erfolgreichsten Vereinstrainer überhaupt erweitern.

Stallgeruch oder Superstar 

Doch spätestens ab 1. Juli 2008 braucht der FC Bayern einen neuen Coach. Die Liste der möglichen Hitzfeld-Nachfolger ist lang. Da gibt's die Jungs mit Stallgeruch: Lothar Matthäus und Klaus Augenthaler. Beide kennen den FC Bayern aus dem Eff-Eff und sind derzeit ohne Job.

Dann wären da die erfolgreichen Trainer der Konkurrenz aus Bremen (Thomas Schaaf) und Stuttgart (Armin Veh). Des Weiteren die Superstar-Lösung Frank Rijkaard (FC Barcelona), Marcello Lippi (arbeitsloser Weltmeister-Trainer) und Jose Mourinho (arbeitsuchend).

Oder Marco van Basten (bis zur EM 2008 Bondscoach), der in keine Kategorie so richtig passt, außer dass er relativ unverbraucht ist. Für den FC Bayern kann es aber nur einen geben: Jose Mario Santos Mourinho Felix.

Rummenigge hat noch viel vor 

Der Portugiese wäre die High-End-Lösung, die Rummenigge vorschwebt. Der Vorstandsboss will mit seinem FC Bayern jeden erdenklichen Titel abgrasen und das auf Jahre hinaus.

Rummenigge will mit Bayern dauerhaft an die Spitze Europas, dafür hat er im Sommer 70 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben und wenn es in Deutschland wieder warm wird, sollen die nächsten Kracher präsentiert werden. Kurzum: Rummenigge will mit dem FC Bayern die ganze Welt einreißen.

Und dafür braucht es einen Trainer, der mit Stars umgehen kann, sich vor seine Mannschaft stellt, wenn der Wind rauer wird. Bewiesen hat, dass er Titel gewinnen kann, neue Ideen mitbringt und bei den Fans beliebt ist.

Mourinhos Titel-Sammlung

Mourinho erfüllt sämtliche Kriterien. Mit dem FC Porto holte der 44-Jährige 2003 die Meisterschaft, den nationalen Pokal und den UEFA-Cup. Ein Jahr später erneut den Meistertitel und als Krönung die Champions League.

Mit Chelsea wurde Mourinho 2005 und 2006 zwei Mal souverän englischer Meister. Bei den Blues brachte er Superstars wie Petr Cech, John Terry, Frank Lampard oder Didier Drogba unter einen Hut und genoss uneingeschränkte Autorität bei seinen Spielern. Drogba wollte nach Mourinhos Rücktritt bei Chelsea am 20. September gar den Verein verlassen. "Ich gebe es zu, ich habe Tage lang geweint", sagte Drogba damals.

Bei Bayern würde es Mourinho mit Franck Ribery, Luca Toni oder Mark van Bommel zu tun bekommen. Bei Chelsea war Kapitän Terry Mourinhos verlängerter Arm auf dem Platz, bei Bayern könnte es van Bommel werden. Oliver Kahn hört ja auf.

Feinde und Freunde bei den Medien

Über Mourinhos Vorstellung, Fußball zu spielen zu lassen, mag man streiten. Er ist sicher kein Liebhaber zügelloser Offensive. Aber seine Mannschaften hatten immer ein erkennbares System, was man von Bayern in den letzten Jahren nicht behaupten konnte.

Mourinho hätte englischer Nationaltrainer werden können, fühlt sich mit seinen 44 Jahren aber noch zu jung und unverbraucht, um nur zwölf Mal im Jahr an der Linie zu stehen. Er liebt den Klubfußball und will zeigen, dass er überall in Europa Erfolg haben kann.

Öffentliche Kritik an seiner Mannschaft lässt Mourinho partout nicht zu und legt sich lieber mit Journalisten und Schiedsrichtern an. In der Presselandschaft rund um den FC Bayern sicherlich ein gewisses Risiko, aber Mourinho hatte beim englischen Boulevard mit seiner offenen, selbstherrlichen Art auch viele Freunde. Und die Chelsea-Fans feierten Mourinho mit Sprechchören noch Wochen nach seinem Abschied.

Geld fürs Gehalt ist da 

Bleiben zwei Probleme: Die deutsche Sprache und die ungeduldigen Vereinsbosse. Läuft es nicht wie gewünscht, wird schnell mal öffentlich quer geschossen. Siehe Rummenigges Kritik an Hitzfelds Rotation. Mourinho lässt sich ungern reinreden und überwarf sich mit Roman Abramowitsch, weil der Chelsea-Boss Mourinho teilweise die Aufstellung diktierte.

Mourinho hat seine Arbeit als Vereinstrainer noch lange nicht zu Ende gebracht und äußerte schon des Öfteren seine hohe Wertschätzung für den FC Bayern. Rummenigge sollte ihn holen, die fünf bis acht Millionen Euro Gehalt gehen aufs Haus.

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