Weitere Anklagen stehen bevor

SID
Montag, 14.09.2015 | 16:05 Uhr
Loretta Lynch und Michael Lauber stehen den Ermittlungen im FIFA-Skandal vor
© getty
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Die "Lynch-Justiz" will noch mehr FIFA-Verbrechern an den Kragen: US-Justizministerin Loretta Lynch kündigte am Montag in Zürich an, dass sie als Folge von ausgeweiteten Ermittlungen weitere Anklagen im Korruptionsskandal beim taumelnden Fußball-Weltverband erwartet. Ob auch der scheidende FIFA-Präsident Joseph S. Blatter zittern muss, ließ die Ministerin allerdings offen.

"Da es sich um laufende Ermittlungen handelt, kann ich nicht sagen, um welche Personen es sich handelt. Ich kann auch keine bestimmten Länder benennen. Aber unsere Untersuchungen haben kein Limit, sie gehen weiter. Es ist ein globales Problem, aber wo immer die Geschäfte mit den USA in Berührung gekommen sind, können wir ermitteln", sagte Lynch vor 140 Journalisten und zwei Dutzend Kamerateams im Renaissance-Hotel: "Ich kann also auch keinen Kommentar dazu abgeben, ob Herr Blatter Ziel der Ermittlungen ist und wie er seine Reisepläne gestaltet."

Obwohl sich Lynch aus ermittlungstaktischen Gründen bedeckt hielt, sprach sie eine deutliche Warnung an alle Fußball-Funktionäre aus. "Die Personen, die im Fußball involviert sind, müssen sich überlegen, ob sie den alten Weg der Korruptionen weitergehen oder ob sie wieder für Integrität sorgen wollen. Ich hoffe, sie tun das Letztere - andernfalls stehen sie auf der falsche Seite", äußerte die Ministerin mit ernster Miene.

Lynch, kraft ihres Amtes in Personalunion auch Generalbundesanwältin der USA, hatte Ende Mai nach der Verhaftung von sieben FIFA-Funktionären vor dem Verbandskongress in Zürich die Anklage der US-Justiz gegen insgesamt 14 Beschuldigte aus dem Fußball-Geschäft wegen korrupter Machenschaften in 47 Fällen öffentlich gemacht. Davon sind 13 Beschuldigte verhaftet, 10 sitzen allerdings in verschiedenen Ländern in Auslieferungshaft. "Ich hoffe, dass wir alle in die USA bringen und dort anklagen können, aber ich habe keinen Zeitplan dafür", sagte Lynch.

Manipulation bei WM-Vergabe

Während die USA umfassend wegen Betrugs, Bestechung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung in Zusammenhang mit Fußball-Deals der amerikanischen Kontinentalverbände CONMEBOL (Südamerika) und CONCACAF (Nord- und Mittelamerika sowie Karibik) ermitteln, untersucht die Schweizer Justiz auf Anzeige der FIFA gegen Unbekannt gezielt den Verdacht von Manipulationen bei der Vergabe der WM-Endrunde 2018 an Russland und 2022 an Katar.

Der Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber erklärte in diesem Zusammenhang, dass seine Behörde mittlerweile 121 Bankverbindungen untersucht und verschiedene Vermögenswerte - darunter Wohnungen in den Schweizer Alpen - beschlagnahmt habe. Weitere Details dazu gab es von Lauber, der wie Lynch alle Beteiligten Länder, Personen und Institutionen zur Kooperation aufrief, nicht.

Vieles bleibt offen

Lauber bestätige aber, dass seine Behörde auch den am Wochenende veröffentlichten Bericht über eine mögliche Verstrickung Blatters in die unlauteren Geschäfte seine langjährigen Vertrauten Jack Warner untersucht. Ob es sich um relevante Informationen handelt, ließ der Bundesanwalt offen - "obwohl ich weiß, dass sie mit dieser Antwort alles andere als zufrieden sind".

Lynch deutete immerhin an, dass an den Meldungen, wonach ihre Fahnder den noch amtierenden FIFA-Präsidenten wegen der ISL/ISMM-Korruptionsaffäre um Schmiergeldzahlungen des ehemaligen FIFA-Vermarkters in dreistelliger Millionenhöhe an FIFA-Spitzenfunktionäre nochmals ins Visier genommen haben, etwas dran sein könnte: "Wir gehen auch Geschäften der Vergangenheit nach."

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