Fussball

Krise? Welche Krise?

SID
Sepp Blatter führt seit 1998 die Geschicke des Fußball-Weltverbands FIFA
© getty

Das System Joseph S. Blatter im Fußball-Weltverband FIFA läuft seit vielen Jahren wie geschmiert. Der 79-jährige Schweizer gilt dabei als Stehaufmännchen, den bislang keine noch so große Krise umgehauen hat. Die Festnahmen von sieben FIFA-Funktionären am Mittwoch, die weitreichenden Ermittlungen der Justizbehörden und immer lauter werdende Rücktrittsforderungen perlen am allmächtigen Verbandsboss ab. Seine Wiederwahl am Freitag als FIFA-Präsident auf dem Kongress in Zürich gilt als sicher.

Zwar hatte Blatter nach den aufsehenerregenden Vorgängen nicht den Mut, zwei Tage vor der Präsidenten-Wahl selbst vor die Presse zu treten. Sein Mediendirektor Walter De Gregorio verbreitete aber das offizielle FIFA-Credo: Alles ist gut, der Weltverband der Geschädigte - und am Allerwichtigsten: Blatter ist nicht Gegenstand der Untersuchungen - Krise? Welche Krise?

Hier geht's zum SPOX-Kommentar "Mut zum Boykott"

Schuld sind ohnehin immer die anderen. Die Wahl zu seiner fünften Amtszeit ist auch nach dem "Beben" in Zürich am Mittwoch nur Formsache. Einzige Auswirkung auf Blatter, zumindest nach offizieller Darstellung: Er "tanze jetzt nicht auf dem Tisch", wie De Gregorio der Weltöffentlichkeit mitteilte.

Zwischen Himmel und Hölle

In seinen über 40 Jahren im Weltfußball, größtenteils weit, weit oben an der Spitze, ist der Walliser so kunstvoll auf dem schmalen Grat zwischen Verachtung und Bewunderung, zwischen Himmel und Hölle gewandelt wie noch kein Sportfunktionär vor und wahrscheinlich auch keiner nach ihm.

Mal Jesus Christus, mal der Teufel höchstpersönlich. Mal Robin Hood, der die Armen beschenkt, mal der Sheriff von Nottingham, der die Armen bis aufs Blut ausbeutet - alles Vergleiche, die so tatsächlich gezogen worden sind. "Es gibt jene, die erzählen, die FIFA sei nur ein Haufen von Verschwörern und Betrügern, der niemanden Rechenschaft schuldig ist und so mächtig ist, dass niemand widerstehen kann", sagte Blatter einst.

Immer wieder Bestechungsvorwürfe

Als Blatter 1975 als Direktor der Entwicklungsprogramme zur FIFA kam, war das noch nicht abzusehen. Der einstige Student der Handels- und Volkswirtschaftswissenschaft war ehrgeizig, er stieg bereits 1981 zum Generalsekretär auf. 17 Jahre später gewann er gegen den europäischen Kandidaten Lennart Johansson, damals UEFA-Boss, die Wahl zum FIFA-Präsidenten. Schon damals sah sich Blatter Bestechungsvorwürfen ausgesetzt.

Beim ISL-Skandal ging auch nicht alles mit rechten Dingen zu - Blatter hatte zwar Kenntnis über Zahlungen, konnte aber nicht belangt werden. Es folgte schließlich die doppelte WM-Vergabe an Russland und Katar im Jahr 2010. Seitdem steht er mehr denn je im Kreuzfeuer, die Kritiker ätzten. Blatter blieb aber stets ruhig und lamentierte schon häufiger: "Welche Krise?"

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