Montag, 30.03.2015

St.-Pauli-Legende Nico Patschinski im Interview

"Warte noch auf 10 St.-Pauli-Groupies"

Weltpokalsiegerbesieger, fristlose Kündigung, Doppelpack in der Hamburger Kreisliga: Nico Patschinski hat wirklich alles erlebt. Im Interview spricht "Patsche" über seine Poker-Eskapaden, den Rechtsstreit mit Union Berlin , mundtote Profis und die Umstellung vom Profifußball zum "normalen" Leben als Paketlieferant.

In der Bundesliga erzielte Nico Patschinski in 28 Einsätzen acht Tore für den FC St. Pauli
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In der Bundesliga erzielte Nico Patschinski in 28 Einsätzen acht Tore für den FC St. Pauli

SPOX: Herr Patschinski, von Ihnen stammt der Ausspruch: "Sobald mich meine Gegenspieler im Rückwärtslaufen überholen, höre ich auf." Kürzlich haben Sie als Spielertrainer in der Kreisliga gegen Germania Schnelsen II einen Doppelpack geschnürt. Es ist also noch nicht so weit, oder?

Nico Patschinski: Nein, ich warte auch immer noch auf den Anruf von Jogi Löw (lacht). Körperlich topfit zu sein ist mit 38 natürlich schwierig, das sind höchstens Ausnahmefußballer. Es ist noch keinem gelungen, mich im Rückwärtslaufen zu überholen. Von daher darf ich wohl noch ein paar Tage spielen.

SPOX: Sie haben in Ihrer Karriere in der Bundesliga, aber auch beinahe in der niedrigsten Spielklasse gespielt. Was macht mehr denn Spaß?

Patschinski: Da muss man trennen. Damals war's ein Traum, dass ich mit Fußball mein Geld verdienen konnte. Auch wenn die Gehälter bei St. Pauli beileibe nicht so horrend waren wie in diesem Zeitalter jetzt. Man konnte davon nicht reich werden, aber schon gut leben und es hat tierisch Spaß gemacht. Andererseits hast du immer diesen Druck und wenn du deine Leistung nicht abrufst, warst du ruckzuck draußen. Das ist jetzt in Schnelsen natürlich alles viel cooler und macht total Laune. Da stehst du nach dem Spiel erstmal da und trinkst dein Bierchen mit den Jungs. Aber absteigen wollen wir auch hier nicht. Mehr Spaß hatte ich trotzdem damals. Vor vollen Rängen in Dortmund oder Hamburg zu spielen und dass Leute Eintritt dafür bezahlen, um dich zu sehen, das ist schon was anderes.

Die Bayern-Trikots im Lauf der Geschichte
Bayerns Neuzugang Juan Bernat im Trikot der Bayern für die Saison 2014/15. Die rot-blauen Längsstreifen erinnern ein wenig an die Jahre 1995-97
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Bayerns Neuzugang Juan Bernat im Trikot der Bayern für die Saison 2014/15. Die rot-blauen Längsstreifen erinnern ein wenig an die Jahre 1995-97
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Fröhlich vereint präsentieren Gerd Müller, Sepp Maier und Franz Beckenbauer das Bayern-Trikot der Saison 1973/1974
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Fröhlich vereint präsentieren Gerd Müller, Sepp Maier und Franz Beckenbauer das Bayern-Trikot der Saison 1973/1974
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Gerd Müller überprüft ob das Trikot der Saison 1977/1978 an Karl-Heinz Rummenigge auch richtig sitzt
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Gerd Müller überprüft ob das Trikot der Saison 1977/1978 an Karl-Heinz Rummenigge auch richtig sitzt
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Paul Breitner mit dem weißen Auswärtstrikot der Jahre 1978 bis 1980. Erstmals mit einem Sponsor auf der Brust
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Paul Breitner mit dem weißen Auswärtstrikot der Jahre 1978 bis 1980. Erstmals mit einem Sponsor auf der Brust
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Im typischen Rot mit weißen Streifen auf den Ärmeln liefen Bernd Dürnberger, Lothar Matthäus & Co. von 1984 bis 1986 über den Platz
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Im typischen Rot mit weißen Streifen auf den Ärmeln liefen Bernd Dürnberger, Lothar Matthäus & Co. von 1984 bis 1986 über den Platz
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Ungewohnte Farben dominieren bei Bayern ab 1993 auf fremden Plätzen. Das Auswärtstrikot ist mit seiner Gelb-Grün-Kombination bis heute bei Fans umstritten
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Ungewohnte Farben dominieren bei Bayern ab 1993 auf fremden Plätzen. Das Auswärtstrikot ist mit seiner Gelb-Grün-Kombination bis heute bei Fans umstritten
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In so schicken Streifen dehnt es sich gleich viel entspannter. Jürgen Klinsmann trägt das Heimtrikot der Jahre 1995 bis 1997 mit viel Hingabe
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In so schicken Streifen dehnt es sich gleich viel entspannter. Jürgen Klinsmann trägt das Heimtrikot der Jahre 1995 bis 1997 mit viel Hingabe
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In neuem Look zur Jahrtausendwende kämpft Markus Babbel mit dem FC Bayern um die Meisterschaft
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In neuem Look zur Jahrtausendwende kämpft Markus Babbel mit dem FC Bayern um die Meisterschaft
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Im dunklen Weinrot jubeln Santa Cruz, Kuffour und Salihamidzic ab der Sasíson 2001/2002 zwei Jahre lang
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Das grau-rote Trikot von 1998 bis 2000 weckt keine schönen Erinnerungen bei den Bayernfans
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Das grau-rote Trikot von 1998 bis 2000 weckt keine schönen Erinnerungen bei den Bayernfans
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Von 2003 bis 2005 geht Bayern mit Jens Jeremies wieder in gewohnten Bayernfarben auf den Rasen. Für den ehemaligen "Sechzger" sicher eine Umstellung
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Von 2003 bis 2005 geht Bayern mit Jens Jeremies wieder in gewohnten Bayernfarben auf den Rasen. Für den ehemaligen "Sechzger" sicher eine Umstellung
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Phantom in Gold. Roy Makaay im höchstwahrscheinlich umstrittensten Trikot in der Historie der Bayern (von 2004 bis 2006)
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Phantom in Gold. Roy Makaay im höchstwahrscheinlich umstrittensten Trikot in der Historie der Bayern (von 2004 bis 2006)
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Aber schon bald gab es wieder den "traditionellen" Makaay. Mit Kragen und altem Bayernwappen geht er 2005/2006 erstmals in der Allianz-Arena auf Torejagd
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Aber schon bald gab es wieder den "traditionellen" Makaay. Mit Kragen und altem Bayernwappen geht er 2005/2006 erstmals in der Allianz-Arena auf Torejagd
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Von 2007 bis 2008 spielt Bayern erstmals mit Querstreifen um die Meisterschaft. Für Ze Roberto Grund genug für einen Blick gen Himmel
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Von 2007 bis 2008 spielt Bayern erstmals mit Querstreifen um die Meisterschaft. Für Ze Roberto Grund genug für einen Blick gen Himmel
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Ob es am dunkelblauen Dress lag, dass Lukas Podolski nie heimisch in München wurde? Ab 2008 lief der FCB auswärts in dieser Farbe auf
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Ob es am dunkelblauen Dress lag, dass Lukas Podolski nie heimisch in München wurde? Ab 2008 lief der FCB auswärts in dieser Farbe auf
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Mit hoch geschlossenem Kragen hatte Arjen Robben in seiner ersten Saison bei den Bayern (2009/2010) viel Grund zu feiern: Er gewann auf Anhieb das Double
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Mit hoch geschlossenem Kragen hatte Arjen Robben in seiner ersten Saison bei den Bayern (2009/2010) viel Grund zu feiern: Er gewann auf Anhieb das Double
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Philipp Lahm hat schon einige Trikots in München erlebt, aber rot-weiße Längsstreifen hat auch er 2010/2011 zum ersten Mal getragen
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Robben, Lahm und Schweinsteiger präsentieren stolz das knallrote Bayern Trikot für die Saison 2011/2012. Ob die sportliche Zukunft des FCB ähnlich goldig wird wie die Streifen?
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Back to the roots: Zur Saison 2013/2014 strahlen die Bayern-Stars in klassischem Rot-Weiß. Auffällig: Das zarte Rautenmuster in verschiedenen Rot-Tönen
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Back to the roots: Zur Saison 2013/2014 strahlen die Bayern-Stars in klassischem Rot-Weiß. Auffällig: Das zarte Rautenmuster in verschiedenen Rot-Tönen
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SPOX: Mit Ihrem Treffer zum 2:0 gegen den FC Bayern 2002 wurden Sie zu einem der Hauptprotagonisten der Weltpokalsiegerbesieger. Denken Sie noch oft an diesen sensationellen Tag am Millerntor?

Patschinski: Ja, das ist schon toll. Der Titel bleibt ja auch ewig haften, da erinnert sich jeder dran. Zwei Tore gegen Cottbus geraten da schon viel schneller in Vergessenheit. Von den Weltpokalsiegerbesiegern hingegen redet man wahrscheinlich noch in 100 Jahren. Wir waren eine Truppe voll mit Paradiesvögeln und Exzentrikern. Es war schon etwas Besonderes, Teil dieser Mannschaft zu sein. Was die meisten oft vergessen: Ich hätte sogar noch zwei weitere Tore machen können. Den einen hält Oliver Kahn überragend. Der andere geht ans Lattenkreuz. Wenn du als Kleiner einen guten Tag hast und der Große hat nicht so richtig Lust, dann passiert so etwas schon mal. Damals war das noch alles viel sensationeller. Insbesondere wenn du zu Hause am Millerntor so ein Ding drehst.

SPOX: Wie reagierten Kahn oder Stefan Effenberg eigentlich auf dem Platz, als die Sensation immer greifbarer wurde?

Patschinski: Das kann ich gar nicht sagen. Ich war so sehr mit mir selbst beschäftigt, mit meiner Lunge und meiner Atmung und dass wir das überhaupt geschafft haben. Da war für so etwas überhaupt keine Zeit.

SPOX: Und heute liefern Sie Pakete in Hamburg aus.

Patschinski: Das ist richtig. Seit fast drei Jahren bin ich jetzt bei der DPD tätig.

SPOX: Begrüßt Sie dann jeder St.-Pauli-Fan mit einer Umarmung an der Haustür?

Patschinski: Ich habe bis jetzt immer gehofft, dass mir zehn aus Schweden stammende St.-Pauli-Groupies die Tür aufmachen, aber ist das leider noch nicht passiert (lacht). Aber im Ernst: Besonders wenn ich durch Altona fahre, dann erkennen mich die Leute schon ab und an. Da gibt's dann mal einen lockeren Spruch. Es macht schon mehr Spaß als es Ärger macht.

SPOX: Ist Ihnen die Umstellung vom Profileben auf den normalen Alltag leicht gefallen?

Patschinski: Das war alles ein bisschen schwierig. Ich bin ja 2009 bei Union Berlin fragwürdigerweise entlassen worden und parallel ist auch noch meine Ehe in die Brüche gegangen. Da habe ich bereits angefangen, nebenbei ein bisschen bei einem Bekannten als Tellerwäscher und Fahrer zu arbeiten. Ab diesem Zeitpunkt war ich genau genommen auch nur noch Amateur und habe den Absprung gemacht. Es kann ja schließlich nicht jeder Trainer oder Manager werden. Das musst du irgendwann akzeptieren und dir eine neue Arbeit suchen. Ich bin froh darüber, dass der Sport nun an zweiter Stelle steht. Das ist schon eine ganz andere Welt. Das fällt mir auch immer wieder auf, wenn ich mit Holger Stanislawski spreche, der ja nun ein REWE-Center leitet. Ich bin nicht so der Büro-Typ. Ich muss raus und mit Leuten sprechen.

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SPOX: Sie akzeptierten damals die fristlose Kündigung nicht und trafen sich mit Union im Gerichtssaal wieder. Da dem Gericht die Anklage der Berliner zu "nebulös" erschien, gewannen Sie den Rechtsstreit. Was war denn überhaupt vorgefallen?

Patschinski: Das eigentliche "Problem" war, dass ich während meiner freien Zeit in der Winterpause bei einem Benefiz-Pokerturnier meines Heimatvereins BFC Dynamo zu Gast war. Die Einnahmen der Veranstaltung sollten der Dynamo-Jugend zu Gute kommen, was von allmöglichen Zeitungen auch so kommuniziert wurde. Im Prinzip hat überhaupt niemand ein Drama daraus gemacht, dass ich dort war. Mein kleiner Sohn war auf der Hüpfburg zu Gange und wir haben halt ein bisschen Poker gespielt.

SPOX: Die Union-Verantwortlichen haben das also ganz anders gesehen?

Patschinski: Anscheinend. Ich kam nach der Winterpause zu Union zurück und sollte plötzlich 5000 Euro Strafe zahlen. Da habe ich klipp und klar gesagt, dass ich diese Strafe niemals bezahlen werde. Kurz darauf hat man mich dann entlassen. Man könne das den Union-Fans nicht zumuten, hieß es.

SPOX: Wie denken Sie heute darüber?

Patschinski: Es war einfach schade. Ich war an diesem Tag um 19 Uhr zu Hause und hatte nicht einen Schluck Alkohol getrunken. Das alles war eigentlich überhaupt nicht der Rede wert. Später sagte man mir noch, dass es angeblich Videos gäbe, wie ich auf dem Tisch getanzt habe und einen Union-Schal verbrenne. Meine Antwort darauf: Wenn ihr mir dieses Video zeigt, dann könnt ihr das ganze Geld haben, das ich in meinem Leben je verdient habe.

Seite 1: Patschinski über die Weltpokalsiegerbesieger und sein Lieferanten-Leben

Seite 2: Patschinski über den Rechtsstreit mit Union und Sympathien für Mertesacker

Interview: Erik Sabas

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