Mittwoch, 04.07.2012

Gericht spricht Brasilianer der schweren Brandstiftung schuldig

Urteil: 3 Jahre, 9 Monate Haft für Breno!

Jähes Ende einer hoffnungsvollen Karriere: Der brasilianische Profifußballer Breno muss für drei Jahre und neun Monate ins Gefängnis. Das Landgericht München verurteilte den ehemaligen FC Bayern-Spieler am Mittwoch wegen schwerer Brandstiftung.

Breno soll aus Frust über eine Verletzung einen Brand in seiner Villa gelegt haben
© Getty
Breno soll aus Frust über eine Verletzung einen Brand in seiner Villa gelegt haben

Die Vorsitzende Richterin Rosi Datzmann sah es als erwiesen an, dass der 22-Jährige in der Nacht zum 20. September 2011 im betrunkenen Zustand Feuer in seiner Villa im Münchner Nobelvorort Grünwald gelegt hatte. Das Motiv war laut der Richterin "Verzweiflung" über andauerndes Verletzungspech und eine anstehende Operation.

"Erstens, es war Brandstiftung. Zweitens, die Brandstiftung ist vom Angeklagten verübt worden", erklärte Datzmann. Da zum Zeitpunkt des Brandausbruchs nur Breno in dem Haus gewesen sei, komme auch nur dieser als Schuldiger infrage. Das Gericht setzte den Haftbefehl gegen den Fußballer wieder in Vollzug und ordnete seine Festnahme an. Breno war bislang auf freiem Fuß.

Die Staatsanwaltschaft hatte fünfeinhalb Jahre Haft gefordert. Aus Sicht von Ankläger Nikolaus Lanz gab es keine Gründe für eine Strafminderung. Dies sah die Richterin in ihrem Urteil anders: In ihrer Entscheidung wirkten sich der starke Alkohol- und Medikamentenkonsum Brenos strafmildernd aus.

Zulasten des Angeklagten spreche jedoch das große Ausmaß der Zerstörung durch den Brand und die erhebliche Gefahr für die Anwohner. An der Villa entstand ein Schaden von fast einer Million Euro. Es sei nur den günstigen klimatischen Bedingungen in der Brandnacht zu verdanken gewesen, dass das "Feuer nicht auf die ganze Siedlung" übergegriffen habe.

Noch keine Entscheidung über Revision

Verteidiger Werner Leitner hatte einen Freispruch, zumindest aber eine Strafe von unter zwei Jahren gefordert. Er äußerte erhebliche Zweifel an der Schuld seines Mandanten.

Nach der Urteilsverkündung sprach der Anwalt von einer "schweren Stunde" für seinen Mandanten, der jedoch sehr gefasst sei. Leitner erklärte, er habe noch nicht entschieden, ob er Revision beantragen werde, wobei "vieles dafür spricht".

Derweil prüft die Staatsanwaltschaft, ob es beim FC Bayern Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz gegeben hat. Breno hatte am Dienstag von seinem Anwalt erklären lassen, er habe Schlafmittel regelmäßig eingenommen und sie beim Verein "einfach mitgenommen".

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FCB äußert Bedauern - Elber bestürzt

Sein ehemaliger Verein, der FC Bayern, veröffentlichte am Nachmittag eine Presseerklärung zu Brenos Verurteilung. Darin äußerte der Klub sein Bedauern: "Unsere Hoffnung war, dass Breno seine Karriere als Fußballer und damit sein Leben zusammen mit seiner Familie hätte fortsetzen können", heißt es in der Mitteilung. Dennoch werde man Breno weiter unterstützen.

Breno selbst sagte in seinem letzten Wort vor dem Urteil: "Ich möchte mich bei allen für diese Nacht entschuldigen. Ich bin ein Mensch, der an Gott glaubt - und ich danke ihm, dass er meine Familie geschützt hat."

Giovanne Elber, der sich stets auf Brenos Seite gestellt hatte, reagierte bestürzt auf das Urteil des Gerichts: "Das ist eine Katastrophe. Ich hatte gehofft, dass er eine Bewährungsstrafe bekommt und seine Schulden zurückzahlen kann", sagte Elber gegenüber "Sport Bild". "Für mich ist damit klar: Seine Karriere ist vorbei", so Elber weiter.

Das ewige Talent

Breno war 2008 vom brasilianischen FC Sao Paulo zu Bayern München gewechselt, in der Bundesliga gelang ihm aber nie der Durchbruch. Schwere Verletzungen wie ein Kreuzbandriss im Jahr 2010 warfen ihn immer wieder zurück. Zwischenzeitlich versuchte der Abwehrspieler sein Glück beim 1. FC Nürnberg. Er war 2010 für ein halbes Jahr an Nürnberg ausgeliehen, lief aber verletzungsbedingt nur in sieben Ligapartien auf. Sein Vertrag bei den Bayern lief zum Ende der Saison aus.

Aufgrund der Verurteilung kommt nun auch der erhoffte Vertrag mit Lazio Rom nicht zustande. Roms Sportdirektor Igli Tare zeigte sich zu tiefst betrübt: "Das tut mir sehr leid für den Jungen. Ich hätte das nicht gedacht. Das muss ich erstmal verarbeiten. Das sportliche ist hier jetzt absolut zweitrangig", sagte er zu "Sport1". "Er hätte eine zweite Chance verdient gehabt. Sein Leben ist jetzt ruiniert. Man muss sich ernsthaft Gedanken machen um Breno. Das ist ein schwerer Schlag", so der Italiener weiter.

Breno: der ehemalige Bayern-Spieler im Steckbrief


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