"Ich kämpfe. Weiß nur nicht, gegen wen."

SID
Mittwoch, 01.02.2012 | 16:57 Uhr
Oktober 2008: Rudi Assauer zusammen mit der Schauspielerin Simone Thomalla
© Getty
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Mit offenen und erschütternden Worten hat Ex-Fußballmanager Rudi Assauer seinen Umgang mit seiner Alzheimer-Erkrankung geschildert. Besonders, dass er Menschen nicht wiedererkenne, mache ihm zu schaffen.

"Ich erkenne gewisse Leute, zum Teil alte Freunde und gute Bekannte, auf den ersten Blick nicht mehr - das ist einfach nur schlimm für mich, eine Qual", zitierte das Magazin "Stern" (Donnerstagausgabe) aus der am Freitag erscheinenden Autobiographie des früheren Fußball-Managers. "Ich kann sie dann nicht direkt mit Namen ansprechen, bin unsicher. Im Grunde möchte ich in diesen Momenten nur weg."

Er sei immer geradeaus und immer hilfsbereit gewesen, habe Fußball auf hohem Niveau gespielt, "jetzt auf einmal ist alles vorbei", sagte der 67-jährige ehemalige Schalke-Manager im "ZDF".

"Kein Mensch kann dir helfen, diese Krankheit kriegst du nicht in den Griff". Er habe eine Wut im Bauch, dass er nicht mehr mithalten könne und denke: "Was willst du eigentlich noch?" Aufstecken will er aber nicht: "Ich kämpfe. Weiß nur nicht, gegen wen", sagte Assauer dem "Stern".

Tochter: "Wir geben ihn in kein Heim"

Die ZDF-Zitate wurden als Ausschnitt einer Dokumentation im "heute journal" vom Dienstag gezeigt. Am Freitag ab 9.05 Uhr ist Assauer beim "ZDF" in der Sendung "Volle Kanne" zu Gast, zusammen mit seiner Tochter, dem früheren Fußball-Kommentator Werner Hansch und einem Arzt.

Am Dienstag, 7. Februar, 23.15 Uhr, wird die Dokumentation von Stephanie Schmidt in der Reihe "37°" unter zu sehen sein: "Rudi Assauer - Ich will mich nicht vergessen! Ein Promi im Kampf gegen Alzheimer".

Assauer lebt inzwischen bei seiner Tochter Bettina. Die Tochter sagte am Mittwoch in der Sendung "Leute heute", es gehe ihrem Vater nun besser als vorher. "Wir haben irgendwann abgemacht, wir geben ihn in kein Heim."

Die ersten Vorboten der Krankheit seien 2004 oder 2005 aufgetaucht, noch in seiner Zeit als Manager des Bundesligisten Schalke 04, sagte Assauer dem Magazin. In Behandlung habe er sich vor zwei Jahren begeben.

"Man sollte das Kind beim Namen nennen Zack, bumm"

Den Schritt an die Öffentlichkeit wagte er demnach nun auch, um Gerüchten über eine Alkoholsucht entgegenzutreten. "Man sollte das Kind beim Namen nennen Zack, bumm", schreibt Assauer laut "Stern". "Also offenes Visier: Hier bin ich, das ist mein Problem. Wenigstens wissen die Leute nun auch ein für alle Mal, dass ich keinen Alkohol mehr trinke."

Assauers Zieh-Tochter Sophia Thomalla zeigte sich betroffen. "Alzheimer ist eine Scheißkrankheit. Tschuldigung. Aber ich finde, das darf man so sagen. Weil sie einem so viel nehmen kann", sagte die Schauspielerin der "Bild"-Zeitung.

"Wenn man merkt, dass eine Person, die man endlos gerne hat und tief in seinem Herzen trägt, mit so etwas belastet ist, dann belastet das einen auch irgendwie und man versucht es zu verdrängen." Thomalla appellierte an Assauer, nicht aufzustecken: "Rudi! Mach das, was du am besten kannst - kämpfen!"

Rudi Assauer im Steckbrief

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