Dienstag, 22.11.2016

Formel 1: Top und Flops der Saison 2016

Super-Max, Ferrari-Pleite und Quali-Farce

20 von 21 Rennen sind absolviert, die längste Formel-1-Saison aller Zeiten ist damit schon fast wieder Geschichte. Es wird also höchste Zeit für ein Fazit! SPOX blickt auf die Tops und Flops des Jahres zurück und gibt euch die Möglichkeit, über die Gewinner und Verlierer abzustimmen. Mit dabei: Mercedes, Max Verstappen, Ferrari und eine misslungene Revolution.

Tops

Der WM-Kampf

Wenn die Mercedes-Konkurrenz auch im dritten Jahr in Folge nur hinterherfährt und ein Silberpfeil-Sieg gefühlt schon vor jedem Rennen feststeht, können sich die Fans in dieser Saison zumindest bis zum finalen Showdown in Abu Dhabi an einem spannenden Kampf um die Fahrerweltmeisterschaft erfreuen.

Sowohl Nico Rosberg als auch Lewis Hamilton haben noch die Chance, den Titel zu holen. Vorausgegangen war ein ständiges Auf und Ab beider Piloten. Eine wilde Achterbahnfahrt, die schon mehrfach entschieden schien und dann doch immer wieder eine neue Wendung bekam.

Blicken wir zum Beispiel auf den Moment, als Rosberg beim vierten Saisonrennen in Russland seinen vierten Sieg einfuhr und fette 43 Punkte Vorsprung auf Hamilton hatte. Oder blicken wir auf den Moment, als Hamilton im Juli den Großen Preis von Ungarn gewann und plötzlich die WM anführte. Oder als sich der Brite eine Woche später durch seinen Erfolg beim Deutschland-GP mit einem 19-Punkte-Polster in die Sommerpause verabschiedete.

Wer dachte, dass Hamilton nun problemlos zu seinem dritten Titel in Folge cruisen würde, hatte sich aber gewaltig geschnitten. Rosberg startete mit dem GP von Belgien eine erneute Siegesserie und mauserte sich dank formidabler Start-Ziel-Siege und Hamiltons Motoren-Pech in Malaysia zum Titelanwärter Nummer eins.

Zeit zum Aufgeben also, Lewis? "Der Moment, in dem du aufgibst, ist der Moment, in dem du verlierst. Ich war nie jemand, der aufgegeben hat und werde jetzt auch nicht damit anfangen", stellte Hamilton klar. Drum ließ er seinen Worten Taten folgen und gewann in den USA, in Mexiko und in Brasilien. Übrig geblieben sind zwölf Punkte Rückstand auf Rivale Rosberg.

Force India

Die Frauen der Formel-1-Fahrer
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Mercedes und Ferrari sind Automobilkonzerne, die hunderte Millionen Euro in das Projekt Formel 1 stecken. Red Bull ist ein Milliardenunternehmen in den Händen von Dietrich Mateschitz, der sich ebenfalls nicht scheut, jährlich riesige Summen in das Werbebecken Königsklasse zu investieren. Dass diese drei Teams die Konstrukteurswertung mit deutlichem Vorsprung anführen, ist da eigentlich selbstverständlich.

Die Frage, die sich diese Saison also erneut stellt: Welches Team wird the Best of the Rest? Die Antwort: Force India. Ja richtig, der Rennstall, der seit seinem Einstieg 2008 finanziell zu kämpfen hat und der dem indischen Unternehmer Vijay Mallya gehört, der seit Monaten in England festsitzt, weil ihn die heimische Justiz jagt.

Als der exzentrische Mallya das marode Jordan-Team kaufte und daraus Force India machte, hätte wohl niemand damit gerechnet, dass sein "Spielzeug" längerfristigen Erfolg haben würde. Doch mit kontinuierlicher Aufbauarbeit hat man alle überrascht. Zehnter, Neunter, Siebter, Sechster, Siebter, Sechster, Sechster, Fünfter - das sind die Konstrukteursplatzierungen in den letzten Jahren. 2016 wird aller Voraussicht nach Platz vier hinzukommen. Mit 163 Punkten hat man ein Rennen vor Schluss 27 Zähler Vorsprung auf Williams (136).

Was Force India auszeichnet? Effizienz. Mit einem kleinen Team holen sie das meiste aus ihren Möglichkeiten heraus. Mit dem Mercedes-Antrieb haben sie darüber hinaus den besten Motor im Feld. Hinzu kommt, dass die Konkurrenz schwächelt. Weder McLaren noch Renault und das börsennotierte Williams-Team haben ein gutes Jahr erwischt, Force India profitiert.

Auch auf dem Fahrermarkt haben sich die Inder gut aufgestellt. Mit Nico Hülkenberg und Sergio Perez hat man ein Duo in den Cockpits, das seine Qualitäten schon längst bewiesen hat. Der Mexikaner schaffte es dieses Jahr sogar zwei Mal aufs Podium. Hülkenberg wird den Rennstall 2017 in Richtung Renault verlassen.

Ausgeglichenes Feld

HRT. Caterham. Lotus. Marussia. Würde man in einem Formel-1-Lexikon nach "Hinterbänklern" suchen, wären diese Teams Paradebeispiele für den unrühmlichen Begriff. Seit ihrem Formel-1-Einstieg 2010 fuhren diese Rennställe jahrelang ohne Chance auf Anschluss hinter dem Feld her.

HRT und Caterham, das später als Lotus an den Start ging, haben sich schon längst wieder aus dem F1-Zirkus verabschiedet. Marussia hingegen ist als Manor noch dabei - und hat in diesem Jahr einen Riesenschritt gemacht. Während man bis 2016 die letzte Startreihe standardmäßig gebucht hatte, schaffte es Manor - unter anderem mit Hilfe des Mercedes-Motors -, den Anschluss an das hintere Mittelfeld zu finden.

Anschaulich wird das durch einen Vergleich der Qualifying-Zeiten. Wir betrachten Q1 zum Großen Preis von Spanien. Der Kurs bei Barcelona dient jährlich als Wintertest-Strecke und gibt mit seinen schnellen und langsamen Kurven einen guten Allrounder ab. 2015 fuhr Roberto Merhi im Manor hier eine 1:32,0 und war damit 5,6 Sekunden langsamer als Hamilton (1:26,4). In diesem Jahr fehlten Rio Haryanto mit seiner 1:25,9 nur noch 2,9 Sekunden auf Rosberg. Diese Tendenz zeichnet sich auf allen Strecken ab.

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Nachdem Sauber beim Brasilien-GP punkten konnte, haben darüber hinaus alle Teams in dieser Saison Zähler gesammelt. Das gab es zuletzt 2009.

Auch im Mittelfeld geht es enger zu. Mit McLaren, Toro Rosso, Haas, Williams, Force India hat man fünf Teams, die sich im Normalfall um die letzten Plätze in Q3 streiten. Ein Bild, das man so nicht immer hatte.

Max Verstappen

Es war der viel zitierte Paukenschlag, den Red Bull mit seinem plötzlichen Fahrertausch nach dem Russland-GP auslöste. Daniil Kvyat wurde nach seinen Torpedo-Aktionen ins Toro-Rosso-Cockpit degradiert, Max Verstappen ins Red-Bull-Hauptteam befördert. Es war gewiss keine unpolitische Entscheidung der Bullen-Bosse. Dass sie aber nichtsdestotrotz sportlich richtig war, hat Verstappen im restlichen Saisonverlauf bewiesen.

Klar, Daniel Ricciardo hat mit 209 zu 179 Punkten in der gemeinsamen RB-Zeit die Oberhand behalten. Doch ist Verstappen eben auch erst in seiner zweiten Formel-1-Saison. Von Jahr zu Jahr wird er an Erfahrung gewinnen und besser werden. Nicht umsonst gilt er bei nahezu allen Experten als kommender Weltmeister.

Dass Red Bull mit dem 19-Jährigen einen Goldjungen in seinen Reihen hat, wurde schon bei seinem ersten Rennen in Spanien deutlich, das er sensationell gewann und sich so zum jüngsten GP-Sieger aller Zeiten kürte.

Auch in den Folgerennen blitzte sein Können immer wieder auf. Seine jüngste Triumphfahrt im brasilianischen Regen, bei er laut Mercedes' Motorsportdirektor Toto Wolff die physikalischen Gesetze außer Kraft setzte, erinnerte viele schon an Legenden wie Michael Schumacher und Ayrton Senna. Wenngleich solche Vergleiche natürlich verfrüht sind, zeigten Verstappens Überholmanöver seine schon jetzt vorhandene Klasse.

Allerdings: Man darf nicht vergessen, dass die Meinungen um den Niederländer nicht immer positiv waren. Von "Psychatrie" (Niki Lauda) und "Bastard" (Vettel) war beispielsweise die Rede, wenn es um Mad Max ging. Darüber hinaus wurde von der FIA extra eine "Verstappen-Regel" eingeführt, die einen Spurwechsel beim Anbremsen verbietet. Der Youngster hatte mit solchen Manövern seine Konkurrenten mehrfach in Gefahr gebracht.

Ob man nun Fan des selbstbewussten Teenagers ist oder nicht: Man spricht und diskutiert über ihn - und damit auch über die Formel 1. Und ist es nicht das, was wir wollen und was die angeknackste Rennserie braucht?

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Dominik Geißler

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