Dienstag, 23.02.2016

Treffen der F1-Strategiegruppe

Ecclestone droht mit neuer GP1-Serie

Bernie Ecclestone hat den Formel-1-Teams in Genf mit der Gründung einer Konkurrenzserie gedroht. Wie Auto Motor und Sport berichtet, verlief die entscheidende Sitzung der Strategiegruppe der Königsklasse abermals enttäuschend. Allerdings soll es eine Einigung bezüglich des Reglements für die Saison 2017 geben und schon zur Saison 2016 das Qualifying-Format neu gestaltet werden.

Bernie Ecclestone wollte mit den Herstellern um Ferrari-Boss Sergio Marchionne die Formel 1 umbauen
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Bernie Ecclestone wollte mit den Herstellern um Ferrari-Boss Sergio Marchionne die Formel 1 umbauen

Demnach konnten sich die Vertreter der Teams nicht auf eine Änderung des Motorenreglements zur Saison 2018 einigen. So sollte erreicht werden, dass alle Rennställe künftig sicher mit Antriebseinheiten beliefert werden und nicht wie Red Bull monatelang um ihre Zukunft fürchten müssen. Gleichzeitig sollten durch die Änderungen die Kosten für die Teams gesenkt werden.

Offenbar verweigerte sich McLaren-Chef Ron Dennis jedoch. Sein Team hat ein Veto-Recht für den Fall, dass Honda eine andere Truppe beliefern will. Dieses aufzugeben betrachtet er als geschäftsschädigend. Honda wäre somit nicht imstande, wie geplant drei Teams sicher zu beliefern.

Dennis bot allerdings an, alle Verträge zu zerreißen, wenn die anderen Beteiligten dasselbe tun. Das wiederum verweigerten die Mercedes-Kundenteams. Sie befürchten, künftig statt dem besten Motor ein schwächeres Paket zu bekommen.

Ecclestone droht: GP1-Gründung mit V8-Motoren

Die abermals gescheiterte Einigung veranlasste Bernie Ecclestone bei der Sitzung von Automobilweltverband (FIA), Formel-1-Management (FOM) und den sechs Top-Teams zu einer weitreichenden Drohung: Der Chefpromoter der Formel 1 will eine neue Rennserie gründen.

Als Fortsetzung der aktuellen Rahmenserien GP3 und GP2 soll die GP1 entstehen. Ecclestones Plan sieht den Einsatz von V8-Motoren vor. Die Folge wäre eine Spaltung der aktuellen Königsklasse. Die Hersteller würden wohl bleiben, viele Privatteams zu Ecclestone wechseln.

Eklat mit Ankündigung

Schon am Montag hatte Ecclestone die Alarmglocken geläutet. Der Brite hatte zuvor gegenüber der Daily Mail von der "schlechtesten Formel 1 aller Zeiten" gesprochen und ausgeschlossen, Geld auszugeben, um mit seiner Familie ein Rennen zu besuchen. "Alles kommt ins Rollen, alle sind sehr positiv gestimmt, und dann muss er das machen und alles zerstören", hatte Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda im Mirror daraufhin erwidert.

Strategiegruppe und Formel-1-Kommission hatten sich am Dienstag in Genf getroffen, um über die Zukunft der Königsklasse des Motorsports zu entscheiden. Während erstere Vorschläge einbringt, entscheidet das zweitgenannte Gremium aus Vertretern aller Teams, FIA und FOM, ob diese angenommen werden.

Grundsätzliche Einigung auf neues Reglement

Neben der Motorenverteilung für das Jahr 2018 stand auch die Entscheidung über das Technische Reglement der Saison 2017 an. Zur Wahl standen drei Möglichkeiten: eines von Red Bull, eines von McLaren - oder die Beibehaltung der aktuellen Regeln bei Nichtzustandekommen einer Zweidrittelmehrheit.

Das Konzept von Red Bull sah vor, die Autos durch Änderungen an Aerodynamik und breiteren Reifen dank Erhöhung des Abtriebs um 50 Prozent fünf bis sechs Sekunden pro Runde schneller zu machen. Das Vorhaben scheiterte.

Stattdessen soll nun McLarens Kompromissvorschlag aus Red Bull und Status quo verfolgt werden. Er geht auf die Sorgen seitens Pirelli ein. Der Reifenhersteller hatte angekündigt, die vorgeschriebenen Reifendrücke extrem anzuheben, um auf die steigenden Belastungen zu reagieren. Dadurch wäre ein Teil des Zeitgewinns wieder verloren gegangen.

McLarens Kompromiss ist noch nicht beschlossen

McLarens Vorschlag sieht vor, dass die Autos drei Sekunden pro Runde schneller werden. Dieses Konzept fand die erforderliche Mehrheit in der Formel-1-Kommission bei kolportierten 20 von insgesamt 26 Stimmen inklusive drei Enthaltungen.

Allerdings haben die Teams noch nicht über die Regeln abgestimmt. Stattdessen ist das Votum ein Grundsatzbeschluss. Am 30. April soll die endgültige Entscheidung fallen.

Eigentlich war die Sitzung am Dienstag bereits die letzte Chance zur Regeländerung. Ab dem 1. März sind Regeländerungen laut Reglement nur noch bei Einstimmigkeit möglich. Diese Regelung wurde ausgesetzt, um das Reglement final auszuarbeiten und dann darüber abzustimmen.

Neues Qualifying-Format

Immerhin auf unwichtigere Dinge konnten sich die Vertreter einigen - sogar einstimmig. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gibt es schon für die Saison 2016 eine Änderung am Sportlichen Reglement: Das Qualifying bekommt ein neues Format, sofern der Motorsportweltrat den Änderungen am 4. März zustimmt.

Künftig soll nach bestimmten Zeitintervallen der langsamste Fahrer ausscheiden. Trotzdem bleibt laut motorsport.com die Dreiteilung der Zeitenjagd in Q1, Q2 und Q3 bestehen, die künftig 16, 15 und 14 Minuten dauern sollen. Nach 7, 6, respektive 5 Minuten scheiden in den Teilsessions jeweils die ersten Fahrer aus, der nächste scheidet nach weiteren eineinhalb Minuten aus. Dadurch müssten die Teams ihre Autos dauerhaft auf der Strecke behalten.

Ecclestone hatte offenbar noch radikalere Vorschläge, wie verschiedene Medien berichten: Er wollte die Startaufstellung wie bei den ersten Grands Prix der Geschichte auslosen oder die Top 10 im Qualifying mit Punkten ausstatten und dafür ihre Reihenfolge in der Startaufstellung umdrehen. Sogar die Einführung von Qualifikationsrennen und die Einführung von Zeitstrafen, die anhand des WM-Stands auf die Qualifyingzeit addiert werden sollten, wurden diskutiert, um die Show zu verbessern.

Die Formel-1-Saison 2016 im Überblick

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