Bernie-Ausstieg löst alle Probleme

Dienstag, 23.02.2016 | 23:00 Uhr
Winke, winke. Bernie Ecclestone droht der Formel 1 mit seinem Abschied
© getty
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Die Formel-1-Gremien haben am Dienstag getagt - mal wieder. Und auch bei der laut Reglement allerletzten Möglichkeit, ein neues Regelwerk zu verabschieden, fiel keine finale Entscheidung. Stattdessen gab es einen Aufschub, eine Absichtserklärung und die Drohung von Bernie Ecclestone, eine Konkurrenzserie zu gründen. Er muss sie wahr machen. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Alexander Maack.

Bernie Ecclestone ist Geschäftsmann. Bernie Ecclestone mag Autokratie.

Was Bernie Ecclestone nicht mag, sind lange Entscheidungsfindungen. Was Bernie Ecclestone verabscheut, sind Abstimmungen zu seinen Ungunsten.

Der 85-Jährige wusste, was ihn am Dienstag in Genf erwarten würde. Formel-1-Management FOM, Automobilweltverband FIA und die sechs Top-Teams sollen seit dem Jahr 2003 in ihr gemeinsam die Zukunft der Motorsportserie bestimmen. Die Strategiegruppe macht Änderungsvorschläge, die Formel-1-Kommission mit Vertretern aus allen Teams, Sponsoren, Weltverband und F1-Management darf anschließend zustimmen oder ablehnen.

Ecclestone weiß aus leidvoller Erfahrung, dass diese Demokratie nicht zur Verwirklichung seiner Vorstellungen führt. Seine Vorschläge zur Showverbesserung bis hin zum Auswürfeln der Startaufstellung fanden mal wieder kein Gehör. Er befürchtet, dass die Formel 1 ihren Status als Königsklasse der Motorsport-Unterhaltung verliert, weil alle Parteien ausschließlich ihre eigenen Interessen verfolgen.

Hasstirade gegen das eigene Produkt

Das war der Grund, warum der Chefpromoter der Formel 1 am Montag zu einer öffentlichen Hasstirade auf sein eigenes Produkt in bisher ungekanntem Ausmaß ansetzte. Ein letzter Warnschuss vor der Eskalation.

Nach der richtungsweisenden Sitzung in Genf steht fest: Die Schüsse in die Luft wollte niemand hören. In der Formel 1 ist sich weiter jeder selbst der nächste.

Die Uneinigkeit geht soweit, dass die grundsätzliche Einigung der Motorenhersteller auf ein Modell zur sicheren Belieferung von allen Teams bei gleichzeitiger Kostenreduzierung durch McLaren torpediert wurde. Doch das ist nur die oberflächliche Betrachtung. Bei genauerem Hinsehen waren die Meetings ein Durchbruch.

Der Durchbruch scheint geschafft

Endlich wurde Einigkeit hergestellt, wo es vorher nur Lippenbekenntnisse gab. Der McLaren-Kompromiss aus aktuellen Regeln und Red-Bull-Extrem-Design für das ab der Saison 2017 gültige technische Reglement fand bei über 75 Prozent der Stimmberechtigten mehr als die erforderliche Zweidrittelmehrheit in der Formel-1-Kommission.

Die Frist zur Verabschiedung des Reglements wurde vorrangig bis Ende April 2016 verschoben, um das weitere Vorgehen genau festzulegen. Pirelli muss etwa seine Reifen testen können.

Bleibt die Frage: Kann Bernie Ecclestone damit zufrieden sein?

Die Antwort: nein.

Die Formel 1 bleibt ein Kampf der Ingenieure

Ecclestone will seine Wünsche durchsetzen. Er wollte für Rechteinhaber CVC durch mehr Showelemente und Chancengleichheit bei technischem Material mehr Geld herausholen. Er beklagte, dass Jean Todt den Herstellern die Macht über die zukünftige Ausrichtung der Formel 1 zugestand.

Doch genau das ist richtig: Die Formel 1 ist ein Wettstreit von Ingenieuren. Automobilkonzerne stellen ihre Technik zur Schau und treten im Rahmen einer Konstrukteursmeisterschaft in direkten Wettstreit.

Der Kampf Fahrer gegen Fahrer ist nicht das Ziel der Formel 1. Er ist aber Bernie Ecclestones Idealvorstellung.

Ecclestone sollte die Drohung umsetzen

Die Drohung, mit der GP1 eine eigene Rennserie zu gründen, die dank V8-Motoren kostengünstige Chancengleichheit auf Seiten der Antriebe herstellt und so ausschließlich den Kampf der Heroen am Lenkrad in den Mittelpunkt stellt, sollte Ecclestone wirklich umsetzen.

Statt allen anderen vorzuwerfen, nur sich selbst nahezustehen, und es gleichzeitig selbst zu tun, könnte Ecclestone eine lohnenswerte Alternative schaffen. Man möchte ihm zurufen: Verzieh dich doch, wenn es dir nicht gefällt!

Wer an Technik interessiert ist, bleibt bei der Formel 1. Wer nur Unterhaltung sucht, wechselt zur GP1.

In Red Bull dürfte Ecclestone einen Mitstreiter sicher haben. Mercedes, Ferrari, Renault und Honda würden dagegen unter FIA-Herrschaft die Weltmeisterschaft ausfahren. Das Wichtigste: Es würde kein Geschrei mehr über das vermeintlich schlechte Produkt geben.

Die Formel-1-Saison 2016 im Überblick

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