Formel 1

"Formel 1 ist eine Option"

Von SPOX
Red Bull und der VW-Konzern koopierieren seit mehreren Jahren im Motorsport
© getty

Red Bull macht ernst: Motorsport-Berater Helmut Marko hat öffentlich das Interesse seines Teams bestätigt, mit Audi in der Formel 1 zu kooperieren. Renault hat nur eine kleine Restchance, klappt der Deal mit der VW-Marke nicht, verabschiedet sich der österreichische Konzern wohl. Doch die Ingolstädter zeigen Interesse.

Der Streit zwischen Renault und seinem langjährigen Vorzeigepartner geht in die nächste Runde. "Wenn wir in naher Zukunft keinen konkurrenzfähigen Motor haben, kommt entweder Audi oder wir steigen aus", gab Marko im Gespräch mit der BBC bekannt.

Schon in der letzten Woche hatte Ex-Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo die Gerüchte um einen Einstieg von Audi in die Formel 1 befeuert. "Red Bull fällt zusammen - ich weiß, dass Dietrich Mateschitz darüber nachdenkt, zu verkaufen, er hat einem gemeinsamen Freund gesagt: 'Entweder überzeuge ich Audi vom Einstieg, oder ich bin raus'", so der Italiener gegenüber La Repubblica.

5 Fragen zur Red-Bull-Drohung: Audi verleiht Flügel

Montezemolos Aussage hat Marko nun bestätigt. Sein Wort hat Gewicht: Der Österreicher ist das Motorsport-Hirn seines Chefs Dietrich Mateschitz, der Red Bull zur weltweit bekannten Marke aufgebaut hat. Was er sagt, repräsentiert die Meinung von Geldgeber Mateschitz.

Schon seit Monaten wurde der Rennstall aus Milton Keynes mit seinem langjährigen Partner als neuem Motorenlieferanten in Verbindung gebracht. Red Bull sponsert unter anderem das Volkswagen-Engagement in der Rallye-WM und klebt sein Logo auf den DTM-Renner von Matttias Ekström. Zudem laufen die Porsche-Kollegen von Mark Webber in der Langstreckenweltmeisterschaft WEC seit der Saison 2015 mit gebrandeten Flaschen herum.

Marko bestreitet laufende Verhandlungen

Marko beteuerte zwar, es gebe noch keine Verhandlungen mit VW, sein öffentliches Vorpreschen deutet aber auf bereits absolvierte Gespräche hin. "Die VW-Gruppe muss zuerst regeln, wer der neue Chef wird und die Marke führt. Wenn sie das geklärt haben, können sie darüber nachdenken, was sie im Motorsport machen", erklärte er.

Zuletzt hatte sich Aufsichtsratschef Ferdinand Piech im Streit aus dem niedersächsischen Unternehmen zurückgezogen. Er soll in der Vergangenheit immer wieder ein Veto eingelegt haben, wenn ein Einstieg in die Formel 1 debattiert wurde. So auch im Januar, als Audi-Vorstand Rupert Stadler einen neuen Vorstoß unternahm. Der Grund waren angeblich persönliche Differenzen Piechs mit F1-Boss Bernie Ecclestone.

Die neue Konzernführung könnte diese Entscheidung revidieren. Mit Audi und Porsche treten zwei Marken des Konzerns in der WEC gegeneinander an. Das bringt zwar technologische Erkenntnisse, aus Werbesicht ist die Formel 1 aber noch immer attraktiver. Bisher dementierten sämtliche Beteiligten allerdings Interesse an einem Formel-1-Einstieg.

Audi-Boss zeigt öffentlich Interesse

Diese Politik ist jetzt vorbei. "Im Leben muss man sich die Dinge offen halten", sagte Stadler nun Auto Express: "Wir sind schon ganz gut beschäftigt mit erfolgreichen Motorsportprojekten. Aber die Formel 1? Abwarten. Sie ist eine Option für Audi. Vielleicht nicht jetzt, aber es ist eine Option."

Bei der Nachfrage, ob Audi binnen der nächsten fünf Jahre in der Formel 1 antrete, wich er aus: "Das kann ich nicht beantworten", so der 52-Jährige, fügte aber an: "Das ist schon etwas, das wir uns anschauen. Aber wir schauen uns das immer an, dies und andere Dinge ebenfalls. Ich kann nicht ja oder nein sagen."

Formel-1-Personal vorhanden

Audi hat in Neuburg an der Donau erst kürzlich sein neues Motorsportzentrum eröffnet, sowie früheres Formel-1-Fersonal verpflichtet. Ex-Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali arbeitet ebenso für die Ingolstädter wie Ex-BMW-Ingenieur Jörg Zander, der als Technikchef des Langstreckenteams fungiert.

Werksfahrer Andre Lotterer, der beim Belgien-GP 2014 mit Caterham einen einmaligen Abstecher in die Formel 1 machte, schloss ein Comeback zuletzt nicht aus. "Für ein Hinterbänkler-Team würde ich nicht mehr fahren", sagte der Deutsche motorsport.com. "Das müsste schon ein stattliches Angebot sein, um Audi zu verlassen."

Wann ein Einstieg des VW-Konzerns genau realisierbar ist, steht nicht final fest. Derzeit ist Red Bull an Motorenpartner Renault gebunden. Seit der Einführung des neuen Reglements zur Saison 2014 herrscht allerdings Unzufriedenheit mit den leistungsschwachen und fehleranfälligen Antriebseinheiten. Große Leistungssprünge sind aufgrund der durch das Reglement beschränkten Weiterentwicklungsmöglichkeiten unwahrscheinlich.

VW-Gruppen-Engagement zur Saison 2017?

Red Bulls Vertrag mit den Franzosen endet Ende des Jahres 2016. Die Strategiegruppe berät derzeit über eine Änderung des Motorenreglements zur Saison 2017, was den Einstieg eines neuen Herstellers erleichtern würde. Sollte Audi dann nicht bereit sein, wäre ein Ausstieg für Red Bull aber auch nicht einfach umzusetzen. Das Team ist wie alle anderen Rennställe bis einschließlich der Saison 2020 vertraglich an die Formel 1 gebunden.

"Sie werden nicht aussteigen, das will ich vermeiden", sagte Ecclestone am Rande des Spanien-GP. Schon da sprach er über einen möglichen Audi-Einstieg: "Es wäre großartig, wenn sie kommen würden."

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