Formel 1

Ein erschreckendes Bekenntnis

Von Jan-Hendrik Böhmer
Bei Nico Rosbers Resultaten wird der Abwärtstrend der Silberpfeile besonders deutlich
© spox

Ungarn war der vorläufige Tiefpunkt, Mercedes scheint am Boden. Das Problem: Man weiß, wo es hapert - aber offenbar nicht, wie man es beheben kann. SPOX fasst die Lage bei den Silberpfeilen vor der Sommerpause zusammen.

Zwei Wochen lang darf in der Formel 1 nicht gearbeitet werden. Keine neuen Teile, keine Tests, kein nichts. Zwei Wochen haben die Teams damit Zeit, den Kopf frei zu bekommen. Vom Stress des dicht bepackten Rennkalenders und von den Problemen mit den Autos. Zeit, endlich wieder alles auf Null zu setzten.

Und kaum ein Team kann diesen Neustart so gut gebrauchen wie Mercedes.

Die Silberpfeile stecken in einer handfesten Krise. Seit seinem Sieg in China geht es für Nico Rosberg stetig bergab. Nur zwei Punkte holte er in den letzten beiden Rennen. Teamkollege Michael Schumacher kann ohnehin nur in Ausnahme-Situationen überzeugen und fiel am Hungaroring bereits zum sechsten Mal aus. Zum Vergleich: Das ist mehr als beide HRT-Piloten zusammen. Ungarn war ein Tiefpunkt.

Den Rückstand akzeptieren?

"Man muss einfach akzeptieren, dass wir erheblichen Rückstand haben", sagt Schumacher. Und auch Rosberg gibt offen zu, dass es "schade" sei, sich über einen Punkt auch noch freuen zu müssen. Schlimmer noch: Dass man sich damit vermutlich sogar noch glücklich schätzen müsse, weil Platz zehn vielleicht sogar mehr sei, als das Auto aktuell hergäbe. Ein erschreckendes Bekenntnis.

Denn wollte man zu Beginn der Saison noch um den Titel kämpfen, verliert man nun pro Runde ungefähr eine halbe Sekunde auf die Spitze. Und noch viel schlimmer: Besserung ist nur bedingt in Sicht. Mercedes scheint sich bei der Problemlösung nämlich verrant zu haben. Während McLaren und Ferrari durch konstante Updates zur Spitze aufschließen, fallen die Silberpfeile nur noch weiter zurück.

Gesucht: Setup für die ganze Strecke

Dabei ist es nichtmal so, dass man nicht wüsste, woran es hapert. Die Probleme sind offensichtlich. Die mangelnde Balance des W03 sorgt für Untersteuern in langen, langsameren Kurven und dadurch zu erhöhtem Reifenverschleiß.

Konkret heißt das: Schumacher und Rosberg haben extreme Probleme damit, ein Setup zu finden, dass für die gesamte Strecke passt. "In Ungarn hatten wir zum Beispiel in großes Problem mit den 180-Grad-Kurven", erklärt Teamchef Ross Brawn. "Während wir auf anderen Streckenteilen gut mithalten konnten, war es hier für Nico und Michael extrem schwierig. Hier rutschten sie, haben viel Zeit verloren."

"Null Gummi übrig. Vorne, hinten: null"

Und wenn das Auto nicht gut liegt, durch die Kurven rutscht, dann verbraucht es mehr Reifen. "Wenn deine Balance nicht stimmt, dann hilft das den Reifen nicht gerade", gesteht Brawn. Und auch Rosberg gibt zu: "Wir haben sicherlich einen höheren Reifenverschleiß als andere Teams. Am Ende eines jeden Stints habe ich null Gummi übrig. Vorne, hinten: null." Die Folge: Extra-Stopps im Rennen oder eine vorsichtigere Fahrweise, die Zeit kostet und Angriffe im Rennen nahezu unmöglich macht, siehe: Schumachers aussichtslose Kämpfe in Silverstone und Hockenheim.

Problem erkannt, Problem gebannt? So einfach geht es leider nicht. Denn bei Mercedes weiß man zwar, woran es beim Silberpfeil hapert, aber nicht genau, woran es liegt. "Es ist eine schwierige Situation für uns", sagt Rosberg. "Wir sind langsam - und wir müssen herausfinden, woran das liegt."

Denn trotz ständiger Weiterentwicklung wollen die Probleme einfach nicht verschwinden. "Wir haben zwar auch in Ungarn einiges in die richtige Richtung umgebaut, aber wir waren trotzdem nicht so gut aussortiert, wie wir es hätten sein sollen", erklärt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. Und auch Brawn sagt: "Wir sind nicht konkurrenzfähig - obwohl wir alles aus dem Auto herausholen."

Mercedes in Spa an der Spitze?

Deshalb will das Team die Sommerpause nutzen, um durchzustarten. "Ich bin überzeugt, dass wir die Kurve kriegen", sagt Rosberg. "Wir haben für die kommenden Wochen einige Updates geplant. Die sollten uns einen großen Schritt nach vorne bringen. Ich bin optimistisch, Vollgas voraus." Auch Haug ist "überzeugt, dass wir unsere Performance in den verbleibenden neun Rennen steigern können."

Kommt Mercedes also gut aus der Sommerpause? Die Chancen stehen gut. Allerdings liegt das eher and er Charakteristik der Strecken, als an möglichen Updates. Sowohl Spa mit den vielen schnellen Ecken als auch Monza liegen dem Mercedes mit seinem starken DRS und der guten Höchstgeschwindigkeit.

Erst Singapur und Japan werden zeigen, wie gut Mercedes die Sommerpause wirklich genutzt hat. Und das hängt vor allem davon ab, ob man die Gründe für die mangelnde Balance erkennt und sich in die richtige Richtung entwickelt.

WM-Stand: Silberpfeile auf Platz 6 und 11

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