Formel 1

McLaren: "Unterschätzt uns nicht"

Von Alexander Mey
Jenson Button (r.) ist der Einzige, der Sebastian Vettel die WM theoretisch noch abjagen könnte
© Getty

Der Japan-GP (Training, Fr., 7 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky) soll Sebastian Vettels Fahrt zum WM-Titel werden. Aber sie soll auch stilvoll sein. Schlagen kann ihn in einem ganz speziellen Rennen eigentlich niemand. Oder?

Streckendaten:

 

  • Name: Suzuka International Circuit
  • Ort: Suzuka
  • Länge: 5,807 Kilometer
  • Runden: 53
  • Renndistanz: 307,771 Kilometer
  • Kurven: 10 Rechtskurven, 8 Linkskurven

 

Darauf kommt es an: Man sagt, Suzuka sei eine Fahrerstrecke. Das stimmt sicher, denn die vielen schnellen Kurven verlangen von den Piloten viel Mut und äußerste Konzentration. Ist man zum Beispiel in den schnellen Esses einmal von der Ideallinie weg, findet man sie in dieser Runde nie wieder.

Aber der beste Fahrer kann in Suzuka ohne ein aerodynamisch äußerst effizientes Auto nichts ausrichten. Mit optimaler Abstimmung kann man allein in besagten Esses bis zu einer Sekunde an Zeit herausholen. Sebastian Vettel freut sich auf "die schönsten Kurven der Formel 1, Nackenschmerzen und die verrücktesten Fans".

In diesem Jahr steht der Japan-GP wegen der Tsunami- und Atomkatastrophe unter ganz besonderen Vorzeichen. Das ist aus allen Äußerungen im Vorfeld des Rennens deutlich herauszuhören. "Nach der massiven Tragödie in diesem Jahr ist es schön, Teil von etwas zu sein, auf das sich die Leute in Japan hoffentlich freuen können", sagte stellvertretend Mark Webber.

Wetter-Prognose:

 

  • Freitag: leicht bewölkt, 20-24 Grad, 10 Prozent Regen-Risiko
  • Samstag: leicht bewölkt, 18-23 Grad, 10 Prozent Regen-Risiko
  • Sonntag: leicht bewölkt, 19-24 Grad, 10 Prozent Regen-Risiko

 

Reifenwahl: Medium und Soft: Pirelli wählt trotz der nicht unbedingt zu erwartenden Hitze eine etwas härtere Kombination. Der Grund dafür ist sehr einfach: Die schnellen Kurven des anspruchsvollen Kurses setzen den Gummis stark zu, vor allem in Punkto Querbeschleunigung.

Erschwerend kommt noch das aufgrund des enormen Anpressdrucks hohe Gripniveau hinzu. Eine Tortur für die Pneus. Motorsportchef Paul Hembery rechnet zudem wieder mit großen Zeitunterschieden zwischen beiden Mischungen, was großen Raum für Strategien lässt.

Statistik:

 

  • Sieger 2010: Sebastian Vettel (Red Bull) in 1:30:27,323 Stunden
  • Pole-Position 2010: Sebastian Vettel (Red Bull) in 1:30,785 Minuten
  • Schnellste Rennrunde 2010: Mark Webber (Red Bull) in 1:33,474 Minuten
  • Rekordsieger: Michael Schumacher (6 - 1995, 1997, 2000, 2001, 2002, 2004)

 

Favoriten:

Red Bull: Eigentlich verbietet sich nach den Eindrücken aus den letzten Rennen und den Erinnerungen an die Vorjahre die Frage nach dem Favoriten. Sebastian Vettel - und sonst niemand! Er hat seit der Sommerpause jedes Rennen dominiert und kommt jetzt auf die Strecke, auf der er schon 2009 und 2010 überlegen gewonnen hat.

"Ich bin nicht der einzige Fahrer, der diese Strecke liebt, unser Auto liebt sie aber normalerweise auch", sagte Vettel. Eigentlich kann ihm nur das Wetter, die Technik oder ein Fehler einen Strich durch die WM-Rechnung machen.

Denn eins ist klar: Vettel möchte den Titel mit Stil, also mit einem Sieg holen. Als Zehnter ins Ziel zu kommen und dann zu jubeln, ist nicht sein Ding.

McLaren: McLaren hat sich als Allrounder etabliert. Das Team ist auf vielen unterschiedlichen Arten von Strecken gut zurechtgekommen. Auch wetteranfällig sind die Autos im Gegensatz zu den Ferraris nicht unbedingt. All das spricht für McLaren als zweite Kraft in Suzuka.

Oder vielleicht sogar mehr? "Unterschätzt uns nicht!", warnte Jenson Button, mit 124 Punkten Rückstand letzter rechnerisch verbliebener WM-Rivale von Vettel, im Vorfeld. "Wir haben bewiesen, dass wir am ehesten in der Lage sind, Red Bull einen Kampf zu liefern. Auf dem Papier sollten die schnellen Kurven dem Red Bull liegen, aber wir haben in Spa gezeigt, dass auch unser Auto in solchen Kurven sehr effektiv ist."

Ferrari: Das Eingeständnis, im Moment nur das drittschnellste Auto im Feld zu haben, kam schon direkt nach dem enttäuschenden Rennen in Singapur. Dafür, dass es in Suzuka deutlich besser läuft, spricht nicht allzu viel.

Die Reifen sind relativ hart, die Strecke fordert aerodynamische Effizienz wie kaum eine andere und mit großer Hitze ist auch nicht unbedingt zu rechnen.

Was bleibt, ist die Hoffnung auf das Unberechenbare. Denn wer hätte gedacht, dass Fernando Alonso in Silverstone gewinnen kann, obwohl es auch dort kalt war und viele schnelle Kurven gab? Nur: Damals war der angeblasene Diffusor kurzzeitig verboten. In Suzuka nicht. Von daher: Vorteil Red Bull und McLaren.

Mercedes: Von Favoriten kann in Suzuka bei Mercedes nicht die Rede sein, aber es sollte zumindest wieder etwas besser laufen als in Singapur. Wo, wenn nicht in Suzuka, wo er sechsmal gewonnen und zwei WM-Titel eingefahren hat, sollte Michael Schumacher noch einmal glänzen?

"Das ist definitiv eine meiner Lieblingsstrecken. Suzuka ist sehr speziell und ich habe an den Kurs sehr viele großartige Erinnerungen", sagte Schumacher. "Wir werden hart arbeiten, um das Beste aus dem Wochenende zu machen."

Zeitplan:

 

  • Freitag, 3 Uhr: 1. Training
  • Freitag, 7 Uhr: 2. Training
  • Samstag, 4 Uhr: 3. Training
  • Samstag, 7 Uhr: Qualifying
  • Sonntag, 8 Uhr: Rennen

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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