Historie: WM-Entscheidungen in Suzuka

Das Schlachtfeld der Genialen

Von Alexander Mey
Dienstag, 04.10.2011 | 21:13 Uhr
Ayrton Senna (r.) krachte nicht nur 1990 in Suzuka mit Alain Prost zusammen
© Getty
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Sebastian Vettel kann beim Japan-GP am Sonntag (Training, Fr., 7 Uhr im LIVE-TICKER und bei Sky) der elfte Weltmeister werden, der in Suzuka gekrönt wird. Nirgends ist die WM häufiger entschieden worden. SPOX blickt auf die bisherigen WM-Finals in Japan zurück.

Suzuka ist in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. An dem Ort, an dem bis Anfang des neuen Jahrtausends dramatische WM-Entscheidungen am Fließband gefallen sind, ist in dieser Hinsicht nicht mehr viel los.

Michael Schumacher hätte 2006 daran etwas ändern können, aber ein Motorschaden kostete ihn in seinem vorletzten Rennen für Ferrari die Chance auf den achten WM-Titel. Endgültig verlor er ihn im letzten Saisonrennen in Brasilien an Fernando Alonso.

Sinnbild einer Trendwende weg vom Entscheidungsort Suzuka zum Entscheidungsort Sao Paulo. Denn die Weltmeisterschaften 2005 (Alonso vs. Räikkönen), 2006 (Alonso vs. Schumacher), 2007 (Räikkönen vs. Alonso und Hamilton), 2008 (Hamilton vs. Massa) und 2009 (Button vs. Vettel) wurden allesamt in Brasilien vergeben.

Sorgt Vettel für das Suzuka-Comeback?

Der Grund liegt auf der Hand. Der Japan-GP ist im Zuge der Asien-Erweiterung des Rennkalenders immer weiter nach vorne gerutscht. Bis 2006 war Japan immer eine der beiden letzten Stationen im Rennkalender. Seitdem nicht mehr.

Aber ausgerechnet 2011, wo nach dem Japan-GP noch vier Rennen folgen - so viele wie noch nie -, kann Sebastian Vettel die alte Suzuka-Tradition wieder aufleben lassen. Zweimal hat er in Suzuka schon gewonnen, im dritten Jahr reicht ihm ein lächerlicher WM-Punkt zum Titelgewinn.

Eine Situation, an der übrigens sein Kumpel Schumi fast einmal gescheitert wäre. Schumacher, Ayrton Senna, Alain Prost, Mika Häkkinen, Nelson Piquet - in diese illustre Reihe kann sich Vettel am Sonntag einreihen.

Die WM-Entscheidungen im Rückblick

1987: Gleich im Jahr der ersten Austragung des Japan-GP in Suzuka ging es zwischen den Williams-Piloten Nelson Piquet und Nigel Mansell um den Titel. Piquet kam mit 12 Punkten Vorsprung zum vorletzten Rennen der Saison und durfte schon nach dem Training über seinen dritten Titelgewinn jubeln.

Denn Mansell erlitt bei einem schweren Unfall am Freitag Verletzungen am Rücken, verbrachte eine Nacht im Krankenhaus und konnte nicht zum Rennen antreten.

1988: Teil 1 des epischen Suzuka-Krieges zwischen Ayrton Senna und Alain Prost. Allerdings der mit Abstand harmloseste.

Prost kam mit einem Vorsprung von 84 zu 79 Punkten nach Suzuka, hatte aber das Problem der damals üblichen Streichergebnisse. Nur elf Rennen gingen in die Wertung ein, was de facto Senna zu dem Zeitpunkt einen Vorteil verschaffte, obwohl er eigentlich zurücklag. Ein Sieg von Senna und der WM-Titel war klar.

Allerdings blieb Senna am Start fast stehen und fiel von der Pole-Position auf Rang 14 zurück, Prost führte. Senna wäre aber nicht Senna gewesen, wenn er bei einsetzendem Regen nicht unwiderstehlich durch das Feld gepflügt wäre und den für seinen ersten WM-Titel nötigen Sieg eingefahren hätte. In Runde 28 zog er im direkten Duell an Prost vorbei.

1989: Teil 2 der Senna-Prost-Fehde. Prost kam mit 16 Punkten Vorsprung auf seinen McLaren-Kollegen Senna nach Suzuka. Am Start übernahm er zudem die Führung und hielt diese bis zur 46. Runde.

Dann griff Senna in der engen Schikane vor Start und Ziel an. Prost machte die Tür zu und beide kollidierten. Während Prost das Rennen aufgab, brachte Senna sein Auto wieder zum laufen und kämpfte sich sogar noch zum grandiosen Sieg, der die WM bis zum letzten Rennen offen gehalten hätte.

Allerdings hatte Senna die Schikane abgekürzt, als er nach dem Prost-Crash zurück auf die Strecke fuhr. Dafür wurde er nachträglich disqualifiziert. Der temperamentvolle Brasilianer war völlig außer sich vor Wut, Prost zum dritten Mal Weltmeister.

1990: Teil 3 der Senna-Prost-Fehde. Prost war zu Ferrari gewechselt, doch das tat der Feindschaft der beiden keinen Abbruch. Senna ging mit neun Punkten Vorsprung auf Prost ins Rennen und sann offensichtlich auf Rache.

Denn gleich in der ersten Kurve hielt er innen gegen Prost gnadenlos rein und nahm den folgenden Crash, als Prost nach innen zog, billigend in Kauf. Beide landeten im Kiesbett, dieses Mal war Senna zum zweiten Mal Champion.

1991: Wieder war Senna dabei, diesmal aber gegen Mansell. Im Qualifying stellten beide ihre Autos in die erste Startreihe, aber am besten kam Sennas McLaren-Kollege Gerhard Berger weg. Er führte und Senna hielt Mansell im Williams auf.

Da Mansell bei 16 Punkten Rückstand auf Senna aber unbedingt gewinnen musste, machte er viel Druck auf den Brasilianer. In Runde zehn flog Mansell dann wegen Bremsproblemen von der Strecke, Senna war zum dritten Mal Weltmeister. Den Rennsieg überließ er danach Berger.

1996: Damon Hill kam mit neun Punkten Vorsprung auf Williams-Kollege Jacques Villeneuve nach Suzuka. Ihm reichte also ein Punkt zum Titel. Villeneuve startete zwar von der Pole, verlor aber gleich auf den ersten Metern entscheidend an Boden. Während Hill vorneweg fuhr, schied Villeneuve im Laufe des Rennens wegen eines Radverlusts aus. Hill war zum ersten und einzigen Mal Weltmeister.

1998: Die erste WM-Entscheidung in Suzuka zwischen Michael Schumacher und Mika Häkkinen. Schumacher musste im letzten Rennen vier Punkte Rückstand aufholen, hatte von der Pole-Position aus aber ganz gute Chancen.

Doch er würgte seinen Ferrari am Start ab und musste von ganz hinten starten. Während Häkkinen das Rennen anführte, zeigte Schumacher eine grandiose Aufholjagd, die ihn zur Rennmitte bis auf Platz drei nach vorne brachte. Doch kurz danach endete sein Traum vom ersten Ferrari-Titel mit einem Reifenschaden. Häkkinen holte den ersten Titel für McLaren-Mercedes.

1999: Häkkinen kam diesmal mit einem Rückstand von vier Punkten auf Ferrari-Pilot Eddie Irvine zum Saisonfinale in Suzuka. Der Nordire hatte dank der Rückkehr des lange verletzten Schumacher in Malaysia die WM-Führung übernommen und konnte erster Ferrari-Champion seit Jody Scheckter 1979 werden.

Schumacher spielte erneut den Edelhelfer für Irvine und holte die Pole-Position vor Häkkinen. Doch er verlor den Start und konnte danach das Tempo des Finnen nicht mehr mitgehen. Häkkinen gewann das Rennen und seinen zweiten Titel.

2000: Schumachers Revanche gegen Häkkinen. Er kam nach zwei Siegen in Folge mit acht Punkten Vorsprung zum vorletzten Rennen in Suzuka und stellte den Ferrari auf die Pole-Position - mit 0,009 Sekunden Vorsprung vor Häkkinen.

So eng ging es auch im Rennen weiter. Häkkinen gewann den Start und führte das Rennen bis zu seinem zweiten Boxenstopp in Runde 37 an. Bis dahin fuhren er und Schumacher in einer völlig eigenen Liga und kämpften auf höchstem Niveau um jedes Zehntel.

Bei rutschiger Piste nutzte Schumacher die drei freien Runden bis zu seinem zweiten Stopp, um den entscheidenden Vorsprung herauszufahren. Er kam vor Häkkinen zurück auf die Strecke und fuhr den Sieg nach Hause. Es war sein dritter WM-Titel und der erste für Ferrari nach 21 Jahren.

2003: Schumacher machte den Vettel. Er kam mit neun Punkten Vorsprung auf Kimi Räikkönen nach Suzuka, brauchte also wie Vettel diesmal nur noch einen Punkt zum Titelgewinn. Allerdings war der Japan-GP damals das letzte Rennen, nicht das fünftletzte.

Schumacher erwischte ein katastrophales Qualifying und startete nur von Platz 14 aus. Räikkönen, der das Rennen unbedingt gewinnen musste, war aber auch nur Achter.

Im Rennen kam der Finne jedoch schnell nach vorne, während Schumacher nach einem selbst verschuldeten Crash mit Takuma Sato bis auf Rang 19 zurückfiel. Es begann eine zähe, aber actionreiche Aufholjagd, die auch eine leichte Kollision mit Bruder Ralf Schumacher beinhaltete.

Schumacher profitierte davon, dass an der Spitze sein Ferrari-Kollege Rubens Barrichello das Rennen im Griff hatte und den Zweiten Räikkönen nicht herankommen ließ. Barrichello gewann und machte Schumacher damit zum sechsten Mal zum Weltmeister. Aber Schumi wurde noch Achter und hätte es somit auch aus eigener Kraft geschafft.

Stand in der Fahrer- und Konstrukteurs-WM

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