Formel 1

Ferrari-Boss denkt an eigene Rennserie

SID
Ferrari-Boss Luca di Montezemolo sieht drei Alternativen für die Zukunft der Formel 1
© Getty

Starten die Formel-1-Teams ab 2013 eine eigene Rennserie? Das bereits vor der Unterzeichnung des aktuellen Concorde Agreements oft diskutierte Szenario wird von Ferrari-Boss Luca di Montezemolo wieder ins Spiel gebracht. Steht die NBA Pate?

Offiziell darf in der Formel 1 derzeit niemand über die Gründung einer Piratenserie reden. Das ist Teil des aktuellen Concorde Agreements, das noch bis 2012 unter anderem die Verteilung der Einnahmen und Preisgelder, die Anzahl von Rennen und Teams, sowie die Zuständigkeiten der Institutionen und mögliche Regeländerungen koordiniert.

Regeländerungen: Was habt ihr der Formel 1 angetan?

Montezemolo tut es dennoch - und bringt damit erneut Wirbel in die Königsklasse. Bereits vor der Unterzeichnung des aktuellen Concorde-Agreements war er einer der treibenden Kräfte hinter einer möglichen Abspaltung und legte jetzt in einem Interview nach.

Hintergrund: Ende 2012 laufen die Verträge der Teams mit dem aktuellen Partner (Bernie Ecclestone führt die F1 im Auftrag von CVC Capital Partners, an die er die Rechte 2006 verkaufte) aus. "Dann gehört CVC und Ecclestone gar nichts mehr", sagte di Montezemolo gegenüber "CNN". "Dann haben wir es in der Hand - und wir haben drei Möglichkeiten."

Drei Szenarien zur Neuordnung der Formel 1

Nummer eins: Der Vertrag wird verlängert. Doch das erscheint unwahrscheinlich. Denn der Italiener spart nicht mit Kritik an der aktuell von Ecclestone eingeschlagenen Richtung.

"Die letzten Regeländerungen gingen zu weit. Es gibt zu viele künstliche Elemente in der Formel 1. Das ist, als würde ich einem Fußballspieler sagen, er müsse im Regen ab sofort mit Tennisschuhen spielen", erklärt er. Insgesamt sei die Königsklasse viel zu kompliziert geworden. Zu viele Boxenstopps, zu viele Knöpfe am Lenkrad, zu viel Verwirrung.

"Ferrari wird sich gegen diese Neuerungen auflehnen, damit sich die Formel 1 nicht zu weit in die falsche Richtung entwickelt. Das bringt für Zuschauer und Fahrer nur Probleme", sagt di Montezemolo, der sich außerdem erneut gegen ein Testverbot ausspricht.

Nummer zwei: Die Selbstvermarktung einer eigenen Rennserie. Konkret heißt das: Abspaltung von der Formel 1 - und als Vorbild könnte hier die NBA dienen. "Vielleicht gründen wir eine eigene Firma, um unsere Rennen und die TV-Rechte selbst zu vermarkten. Ganz so, wie es die Basketball-Teams in den USA gemacht haben", erklärt di Montezemolo weiter.

Nummer drei: Man schließt sich mit einem neuen Partner zusammen. "Bernie Ecclestone hat einen guten Job gemacht", sagt Montezemolo. "Aber ihm gehört der Laden ja überhaupt nicht mehr. CVC muss die Verhandlungen führen - und die Teams haben dabei diesmal endlich das letzte Wort."

Als mögliche Alternative zum bisherigen Partner gilt Rupert Murdochs Konzern News Corp. Der amerikanische Medien-Mogul hatte zuletzt angeblich bereits zusammen mit der italienischen Investment-Firma EXOR eine Übernahme der F1 geplant.

Verhandelt Ferrari bereits mit Murdoch?

Brisant dabei: Im offiziellen Murdoch-Statement hatte es geheißen, dass man "im Interesse der Teams und Fans" handeln wolle und bereits mit einem großen, in der Formel 1 aktiven Automobilkonzern spreche. Und dieser Konzern heißt offenbar Fiat - und damit Ferrari.

Als Geldgeber soll außerdem der mexikanische Milliardär Carlos Slim, dem mit einem Vermögen von etwa 70 Milliarden Dollar (49 Milliarden Euro) reichste Mann der Welt, bereit stehen. Der ist bereits als Sponsor beim Sauber-Team involviert und brachte dort auch seinen Schützling Sergio Perez im Cockpit unter.

Dazu wollte di Montezemolo nichts sagen. Nur so viel: "Es ist gut, Alternativen zu haben." Und: "Wir haben ja noch genug Zeit. Wir werden sehen, was passiert."

Der aktuelle WM-Stand in der Formel 1

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung