Montag, 17.05.2010

Monaco-GP: Reaktionen auf die Schumacher-Bestrafung

"Die Strafe ist völlig ungerechtfertigt"

Es war die Szene des Rennens - und der Aufreger der bisherigen Saison: das umstrittene Überholmanöver von Michael Schumacher gegen Fernando Alonso in der letzten Runde des Monaco-GP in Monte Carlo. Doch ist die Strafe gegen den Rekordweltmeister nun gerechtfertigt - oder nicht? SPOX holte die Meinung von Experten ein, fasst die Stimmen von Beteiligten und Fans zusammen, erklärt die Regeln und bezieht selbst Stellung.

Michael Schumacher wurde wegen seines Überholmanövers gegen Fernando Alonso bestraft
© Getty
Michael Schumacher wurde wegen seines Überholmanövers gegen Fernando Alonso bestraft

Das sagen die Beteiligten

Damon Hill (Berater der Rennkommissare): Meine einzige Sorge war es, die richtige Entscheidung zu treffen. Wenn das durchgängig passieren würde, gäbe es nicht so viele Probleme. Von Michael kam dennoch ein schiefer Blick - leicht ironisch, könnte man sagen.

Michael Schumacher (Mercedes): Dass ich am Ende auf Platz zwölf zurückversetzt wurde, ist enttäuschend und ich verstehe vollkommen, dass wir dagegen Berufung einlegen. Nach unserem Verständnis bedeutete die Nachricht 'Safety Car kommt rein, Strecke frei', dass wir wieder unter Rennbedingungen fuhren, also gab ich Gas.

Ross Brawn (Mercedes-GP-Teamchef): Die FIA hatte die Mitteilung 'Safety Car kommt rein' schon früh in Runde 78 mitgeteilt - und die Strecke war von der Rennleitung für frei erklärt worden. Das wurde auch durch die grünen Flaggen der Streckenposten und durch das grüne Licht hinter der Safety-Car-Linie verdeutlicht. Bei früheren Rennen, die hinter dem Safety Car beendet worden waren, wurde um die ganze Strecke Gelb gezeigt, wie 2009 in Melbourne. Deshalb sagten wir unseren Fahrern auf der letzten Runde, sie sollten bis zur Ziellinie voll fahren. Gegen die Entscheidung haben wir Berufung eingelegt.

Fernando Alonso (Ferrari): Mein Team hatte mir mitgeteilt, dass wir nicht überholen dürfen. Ich wollte selbst noch Lewis Hamilton angreifen, aber die Box verbot mir ausdrücklich, ihn zu überholen. Dass es Michael bei mir versucht hat, hat mich nicht überrascht. Aber weil ich sofort wusste, dass er mich nicht hätte überholen dürfen, ließ ich ihn fahren. Ich war mir sicher, dass er bestraft wird.

Das Interview mit Fernando Alonso: "Wusste, dass Schumi bestraft wird"

Stefano Domenicali (Ferrari-Teamchef): Wir verstehen die Regeln so: Man darf in der letzten Runde unter Safety Car nicht überholen. Und das Überholmanöver war gefährlich. Schließlich lagen noch viele Trümmerteile in der Kurve. Deshalb hatte die Rennleitung ja auch die Bedingungen eingefroren und wollte das Rennen unter Gelb beenden.

Nico Rosberg (Mercedes): Ein echt cooles Manöver, ich fand's richtig super. Aber anscheinend ist es nicht erlaubt. Mir wurde auch gesagt, ich soll es versuchen.

Das sagen die Regeln

Das hängt ganz davon ab, wie die FIA über den Rennstatus entscheidet. Denn erst daraus folgt, welcher Paragraph des Reglements überhaupt zutrifft.

Szenario 1: Wurde das Rennen noch einmal freigegeben (wovon Mercedes ausgeht und worauf die im Reglement geforderten Grünen Flaggen und Ampeln hindeuten), dann war das Manöver legal. Denn das Überholen ist nur so lange verboten, bis die Kontrahenten die erste Safety-Car-Line erreichen. Und erst danach ging Schumacher an Alonso vorbei.

Szenario 2: Entscheidet die FIA in der Berufungsverhandlung allerdings, dass das Rennen hinter dem Safety Car zu Ende ging (eine Meinung, die unter anderem McLaren und Ferrari vertreten), dann war das Überholen illegal. "Endet das Rennen, während das Safety Car auf der Strecke ist, wird es am Ende der letzten Runde in die Boxengasse einfahren und die Piloten passieren die Ziellinie ohne Überholmanöver", heißt es im FIA-Reglement.

Das sagen die Experten

Jacques Schulz (SKY-Kommentator und Formel-1-Experte): Die Bilder bei uns im SKY-Silberpfeil-Kanal haben gezeigt, dass in der letzten Kurve Grün eingeblendet war. Dazu gab es Mails der Rennleitung, dass das Safety Car rein kommt. Der Fehler liegt ganz klar bei der Rennleitung. Die hat mit ihrem Verhalten das Manöver von Michael legitimiert.

Und mal ehrlich: Wie clever war das denn von Michael? Das war ja kein di Grassi, mit dem er das gemacht hat. Den Alonso dermaßen auszutricksen, Wahnsinn! Jetzt wird er leider für ein super Manöver bestraft, damit die Rennleitung ihr eigenes Vorgehen entschuldigen kann. Kurzum: Die Rennleitung hat einen Fehler gemacht. Wenn Grün ist, dürfen die Jungs racen und das hat Michael gemacht. Für mich ist die Strafe nicht nachzuvollziehen und völlig ungerechtfertigt. Was bleibt, egal ob er jetzt Sechster ist oder Zwölfter, ist, dass er Alonso in Monaco eine mitgegeben hat. Das ist für ihn eine viel größere Befriedigung als irgendeine Platzierung. Das zaubert dem Racer ein Grinsen untern den Helm.

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Ist die Strafe gegen Michael Schumacher gerechtfertigt?

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Nein

Marc Surer (ehemaliger Fahrer und Formel-1-Experte): Ich bin der Meinung, dass die Rennleitung die Strecke frei gegeben hatte. Die Trümmer waren weggeräumt, die Kurve frei. Aber es gab Irritationen, die jetzt beide Seiten zulassen. Ich hätte anders entschieden, im Zweifel immer für den Angeklagten. Das Manöver war natürlich typisch Michael, der einfach alle Möglichkeiten nutzt. Ich hatte Spaß daran. Es hätte gereicht, wenn er auf seinen alten Platz zurückgesetzt worden wäre, aber diese Möglichkeit ist vom Strafmaß her nicht drin.

Keith Collantine (einer der einfussreichsten F-1-Blogger Englands): Die Strafe gegen Schumacher ist übertrieben. Sein Regelverstoß gründete nicht auf einer böswilligen Täuschung, sondern auf einem Missverständnis. Aber das ist nicht der Fehler der Rennkommissare. Schuld sind die schlecht formulierten Regeln. Dazu noch die Grünen Flaggen. Da ist es kein Wunder, dass Mercedes dachte, die Strecke sei wieder freigegeben. Klar formulierte Regeln hätten dieses Schlamassel verhindern können.

Das sagt die SPOX-Redaktion

Die Formel 1 braucht klare Regeln. Es kann nicht sein, dass die Teams im Rennen nicht wissen, was sie dürfen - und was nicht. Während Lewis Hamilton bei McLaren angewiesen wurde, kein Überholmanöver zu starten, warnte Renault Robert Kubica, er solle sich ab der Safety-Car-Linie auf Angriffe der Konkurrenz gefasst machen. Weder Mercedes noch Michael Schumacher kann man einen Vorwurf machen. Schließlich waren sich selbst die Verantwortlichen bei der Auslegung ihrer Regeln scheinbar nicht sicher.

Drei Stunden tagten sie. Und nach dem Mercedes-Einspruch wird die endgültige Entscheidung noch bis zum Türkei-GP auf sich warten lassen. Das macht den Sport kaputt. Die Fans wollen Racing sehen - und keine Punktevergabe am Grünen Tisch. Besonders dann nicht, wenn sie erst durch Versäumnisse der FIA nötig werden.

Denn die missverständlichen Meldungen von Streckenposten und Rennleitung suggerierten den Teams überhaupt erst, dass das Rennen noch einmal freigegeben werden könnte. Auf den Monitoren hieß es, dass das Safety Car regulär in die Box geholt wird. Dazu noch die Grünen Flaggen und Ampeln. Wenn das Rennen unter Gelb zu Ende geht, dann muss das - wie es in der Vergangenheit auch der Fall war - auch angezeigt werden.

Monaco-GP, Rennen: Viel Gelb bei Webber-Sieg
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Mark Webber kam gut weg und führte das Feld vom Start weg souverän an
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Die Streckenposten hatten einen intensiveren Tag als Kurzarbeiter Button und mussten immer wieder ihre gelben Flaggen schwenken
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Das sagen die mySPOX-User

Sebastinho: Die Strafe mag im "Sinne des Reglements sein". Aber bei einer so schwammigen Formulierung der Regularien darf man sich nicht wundern.

Mada0102: Es hätte nie zu dieser Situation kommen dürfen. Auf jeder anderen Strecke hätte die Rennleitung das Rennen sofort beendet. Denn es hätte wohl jedem noch so Verblendeten klar sein müssen, dass es nie geschafft werden kann, das Rennen noch einmal aufzunehmen. Aber da man sich ja auf einer Strecke befindet, an der das Geld im Vordergrund steht, musste man mit aller Macht ein "normales" Rennende konstruieren. In meinen Augen kann man niemandem einen Vorwurf machen - außer Rennleiter Charly Whiting.

BruceLee: Geil. Schumi hat Alonso überholt und ihm gezeigt, wer der wahre König ist. Weiter so. Scheiss doch auf die Punkte... Weltmeister kann Schumacher ohnehin nicht mehr werden. Hauptsache er hat Alonso mal wieder gezeigt, wer der King ist.

jmbuehler: Ich bin ja wirklich kein großer F-1-Afficionado, aber mit solchen komischen Entscheidungen macht sich die Formel 1 gerade für die Masse, zu der ich mich zähle, wirklich uninteressant. Ich schaue mit immer gerne Monte Carlo an, aber wenn das mittlerweile dort so läuft, sehe ich keinen Grund mehr, mir Istanbul und Co. noch anzuschauen.

Lion60: Richtige Entscheidung der FIA. Die Regel ist doch eindeutig: Das Safety Car fährt in der letzten Runde in die Box, damit der Sieger des Rennens als erstes über die Linie fährt. Und das hat nichts mit Damon Hill oder so zu tun. Das steht in den Regeln und fertig.

UnrealFabian: Wäre es umgekehrt gewesen - Schumi vorne und Alonso hätte dieses Manöver gemacht und wäre bestraft worden - hätten doch alle gesagt: richtig so!

Monaco-GP: 20 Sekunden Zeitstrafe gegen Schumacher!

Jan-Hendrik Böhmer

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