Formel 1

Der Dicke und der Österreicher

Von Alexander Mey
Nigel Mansell wurde im McLaren von 1995 nicht glücklich
© Getty

Michael Schumachers Comeback ist eine Sensation, aber es ist nicht einmalig. In der Vergangenheit haben schon andere Stars versucht, nach einer Pause in die Formel 1 zurückzukehren. Darunter sind sowohl ermutigende als auch warnende Beispiele.

Nach fast genau zwei Jahren und zehn Monaten wird Michael Schumacher am Freitag, dem 21. August um kurz nach 10 Uhr wieder ein Formel-1-Auto an einem Rennwochenende auf der Strecke bewegen.

Schon jetzt bereitet er sich gewissenhaft darauf vor. In Mugello drehte Schumi Testrunden in einem alten Ferrari F2007, der nicht unter das Testverbot der FIA fällt. Schumacher will perfekt vorbereitet sein, wenn er den verletzten Felipe Massa beim Europa-GP ersetzt.

Mindestens so gut wie andere Formel-1-Legenden, die erfolgreich nach einer Pause ins Cockpit zurückgekehrt sind. Oder sollte man sagen: besser vorbereitet als andere Legenden, die erfolglos wiedergekommen sind?

SPOX hat für beide Fälle Beispiele gefunden:

Niki Lauda (1971-1979; 1982-1985): Andreas Nikolaus (genannt Niki) Lauda feierte in seiner Karriere ein kleines und ein großes Comeback. Das sportlich gesehen kleine war für ihn sicher das mit Abstand wichtigere. Nur sechs Wochen nach seinem schrecklichen Feuerunfall 1976 auf der Nürburgring-Nordschleife stieg Lauda in Monza schon wieder in den Ferrari und wurde sensationell Vierter. Für den WM-Titel reichte es aber in diesem Jahr nicht mehr.

1979 beendete Lauda dann während des Trainings zum Kanada-GP von jetzt auf gleich seine Karriere. Er habe keine Lust mehr, im Kreis zu fahren, sagte er damals lapidar. 1982 kam er auf Drängen von McLaren-Teamchef Ron Dennis im Alter von 33 Jahren noch einmal zurück, er war also ungefähr genauso lang im Ruhestand wie Schumacher. Lauda gewann direkt im ersten Jahr zwei Rennen und wurde WM-Fünfter. Den großen Triumph erlebte er aber 1984, als er mit einem halben Punkt Vorsprung auf Alain Prost zum dritten Mal Weltmeister wurde. Ende 1985 war nach einer mäßigen Saison für Lauda endgültig Schluss.

Alain Prost (1980-1991; 1993): Alain Prost beendete seine Karriere nach einer enttäuschenden Saison im Ferrari 1991. Der erfolgsverwöhnte Franzose konnte kein einziges Rennen gewinnen und haderte mit der Performance seines Autos und der Kritik, die ihm in den Medien entgegenschlug. Seine Auszeit 1992 nutzte er, um einen Vertrag beim damals stärksten Team im Feld an Land zu ziehen, Williams-Renault.

Dort dominierte Rückkehrer Prost im Alter von 38 Jahren die Saison 1993 und wurde mit sieben Siegen und sage und schreibe 13 Pole-Positions überlegen zum vierten Mal Weltmeister. WM-Vierter wurde in diesem Jahr übrigens ein gewisser Michael Schumacher.

Mario Andretti (1968-1981; 1982): Für den Weltmeister von 1978 ging nach seinem Triumph nicht mehr viel zusammen. In den letzten Jahren holte er für Lotus und Alfa Romeo nur noch klägliche 18 Punkte. Folgerichtig war Ende 1981 Schluss, Andretti kehrte in die USA zu den Champ Cars zurück.

Doch er sprang in der Saison 1982 noch drei Mal ein. Beim Heimrennen in Long Beach steuerte Andretti einen Williams, schied aber nach einer Kollision aus. Im Qualifying wurde er nur 14.

Erfolgeicher verlief sein zweites Kurz-Comeback 1982. Ferrari holte Andretti für die letzten beiden Rennen, nachdem die eigentlichen Stammfahrer Gilles Villeneuve und Didier Pironi verunglückt waren. Andretti stellte den Ferrari ausgerechnet in Monza direkt auf die Pole-Position und wurde im Rennen Dritter. Zum Abschluss in Las Vegas schied der zu diesem Zeitpunkt 42-Jährige aus.

Nigel Mansell (1980-1992; 1994-1995): Mansell kämpfte zwölf Jahre lang verbissen darum, endlich einmal Weltmeister zu werden. 1992 hat es dann endlich mit Williams-Renault geklappt. Doch anstatt ihn für seinen Titelgewinn zu würdigen, holte Williams Alain Prost für die Saison 1993 ins Team - ein klarer Affront gegen Mansell. Der Brite beendete daraufhin seine Formel-1-Laufbahn und ging in die USA zu den Champ Cars. Dort wurde er 1993 prompt Meister.

1994 kehrte Mansell im Alter von 41 Jahren für vier Rennen zu Williams zurück, um nach dem Tod von Ayrton Senna den jungen David Coulthard zu ersetzen. Höhepunkt war der Sieg beim letzten Rennen in Australien.

Anstatt sein Comeback auf diesem Höhepunkt zu beendet, wollte es Mansell 1995 bei McLaren noch einmal wissen. Ein Fehler: Mansell, der über den Winter einige Kilos zugelegt hatte, passte nicht in das eng geschnittene Cockpit des Autos. Es dauerte bis zum dritten Rennen, bis das Cockpit auf Mansells XL-Maße ausgedehnt war. Nach einem zehnten Platz und einem Ausfall hatte Mansell nach nur zwei Rennen die Nase voll und beendete mitten in der Saison 1995 endgültig seine Laufbahn.

Jacques Villeneuve (1996-2003; 2004-2006): So kometenhaft der Einstieg von Jacques Villeneuve in die Formel 1 war, so sang- und klanglos war sein Abgang. Nach dem WM-Titel 1997 verlor das Williams-Team die Werksunterstützung von Renault und sackte ab. Villeneuve startete 1999 zusammen mit Teilhaber Craig Pollock das Projekt BAR, mit dem er erneut den Titel holen wollte. Nach fünf vergeblichen Versuchen stand Villeneuve jedoch nach der Saison 2003 ohne Job da.

Sein Comeback folgte einige Monate später, als er bei Renault den nach dem Italien-GP entlassenen Jarno Trulli für drei Rennen ersetzte. Mehr als zwei zehnte Plätze kamen dabei aber nicht heraus.

Immerhin reichte das, um 2005 einen Stammplatz beim Sauber-Team zu bekommen und 2006 nach der Übernahme durch BMW sogar ein BMW-Sauber-Cockpit. Dort fuhr er aber eine schwache Saison und wurde nach einem Fahrfehler beim Deutschland-GP vor die Tür gesetzt.

Aktuell versucht Villeneuve erneut, für die kommende Saison einen Platz in der Formel 1 zu ergattern. Er ist mittlerweile 38 Jahre alt.

 

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