Formel 1

McLaren ist erschreckend schwach

Von Alexander Mey
Mittwoch, 11.03.2009 | 18:26 Uhr
McLaren-Mercedes mit "Übergangslackierung"
© xpb

McLaren-Mercedes hat einen Rückstand auf die Konkurrenz, das steht fest. Aber wie groß ist er wirklich? Die Testzeiten lassen nichts Gutes für Lewis Hamilton und Heikki Kovalainen vermuten. Aber noch sind ein paar Tage Zeit und die Verantwortlichen bewahren Ruhe. Allerdings gibt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug zu, dass nicht alles nach Plan läuft.

Eigentlich hat Norbert Haug gar nichts allzu Schlimmes gesagt. "Wir sind sicher noch nicht da, wo wir sein wollen", konstatierte der Mercedes-Motorsportchef in der "Bild". Bedenkt man allerdings, dass bei Wintertests vor einer Saison fast nie Schwächen offen zugegeben werden, dann ist sein Zugeständnis schon erstaunlich.

Haug hat das branchenübliche Pokerface für einen kurzen Moment fallen lassen und gab zu erkennen: Der MP4-24 läuft nicht rund.

Letzter, Vorletzter, Letzter

Das konnte man aber ohnehin schon sehen. Heikki Kovalainen war am ersten Testtag in Barcelona Letzter, am zweiten Tag Vorletzter. Mehr als 1,5 Sekunden fehlten auf die Zeiten von Ferrari und BMW-Sauber. Noch schlimmer das Bild am Mittwoch. Weltmeister Lewis Hamilton wurde unter Pfiffen der spanischen Zuschauer mit 2,5 Sekunden Rückstand auf die Bestzeit Letzter.

"Ich weiß nicht genau, ob sie Probleme haben. Sie sind im Moment jedenfalls deutlich langsamer unterwegs als bei den Wintertests der vergangenen Jahre", wunderte sich selbst Ferrari-Pilot und Ex-McLaren-Fahrer Kimi Räikkönen in der "Gazzetta dello Sport".

McLaren experimentiert mit Farbe

Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Silbernen sicher konstant mit relativ vollen Tanks testen und im Gegensatz zu Ferrari, BMW-Sauber und Toyota in der kommenden Woche noch drei Testtage in Jerez in der Hinterhand haben, ist der Rückstand zur Spitze alarmierend.

Nervosität macht sich breit. Am Dienstag bepinselte McLaren das Auto sogar mit neongelber flüssiger Farbe, um anhand der Richtungen, in die die Farbe während der Fahrt verläuft, festzustellen, wie die Luft um das Auto geleitet wird. Im Hightech-Sport Formel 1 eine extrem unorthodoxe Methode. Eine Verzweiflungstat?

Rätselraten beim Heckflügel

Fakt ist: McLaren kommt mit dem neuen Heckflügel nicht zurecht. Mit dem schmaleren und höheren Modell erreicht man nicht annährend die Abtriebswerte auf der Hinterachse, die man für ein stabiles Fahrverhalten braucht. Folge: Das Auto ist aerodynamisch anfällig und für die Fahrer schwer zu kontrollieren.

Nicht umsonst testeten die Silbernen in den vergangenen Tagen und Wochen drei verschiedene Flügel-Varianten. Einen neuen mit geraden Seitenwänden, einen neuen mit geschwungenen Seitenwänden und den alten breiteren aus dem Vorjahr.

Mit dem alten Flügel können Hamilton und Co. schnelle Rundenzeiten fahren, mit dem neuen nicht. McLaren hat sich offenbar bei der Regeländerung vergaloppiert.

Zu viele Kinderkrankheiten

"Normalerweise haben wir uns immer gut aufgestellt, wenn Regeländerungen kamen. Ich weiß aber, dass wir noch einiges an Arbeit vor uns haben", zitiert das Fachmagazin "Motorsport aktuell" Haug.

Die Zeit bis zum ersten Rennen läuft dem Team aber davon. Das Problem ist nicht nur, dass McLaren noch an Kinderkrankheiten feilen muss. Das Problem ist vielmehr, dass viele andere Teams diese Kinderkrankheiten eben nicht zu haben scheinen. Ferrari, BMW-Sauber, Toyota - und sogar Brawn GP. Deren Autos laufen wie Uhrwerke - der MP4-24 nicht.

Hoffnung macht höchstens der Hybridantrieb. Bei keinem anderen Team läuft KERS so einwandfrei wie bei den Silbernen. Aber ohne funktionierende Aerodynamik wird das allein Hamilton und Kovalainen in Melbourne nicht retten.

Bloß keine Panik

Dennoch: Panik machen gilt nicht. "Egal, wie unsere Leistung im Moment aussieht: Wir werden konkurrenzfähig sein", gab Ex-Teamchef Ron Dennis gegenüber der "BBC" die Parole aus. Bei Norbert Haug klingt das schon ein bisschen defensiver: "Ich kann nur auf die Truppe vertrauen."

Vertrauen ist angebracht, zumindest darauf, dass McLaren-Mercedes in Australien nicht so weit zurückliegen wird wie bei den aktuellen Testfahrten.

Aber dominieren werden die Silbernen das Feld zu Saisonbeginn nicht. So viel scheint sicher.

Formel 1: Der Rennkalender der neuen Saison

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