Formel 1

Weltmeister? Warum nicht!

Von Alexander Mey
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© Getty

München - BMW-Sauber führt nach drei Rennen die Konstrukteurs-WM an. Zwar liegt das Team mit 30 Zählern nur einen Punkt vor Ferrari und zwei Punkte vor McLaren-Mercedes, aber dennoch ist das eine sehr schöne Momentaufnahme.

"Das haut mich um. Damit hatten wir überhaupt nicht gerechnet", sagte BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen. "Jetzt bleibt noch ein Ziel für diese Saison, und das ist der erste Sieg. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass wir den auch einfahren können."

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Der erste Sieg ist und bleibt das erklärte Saisonziel, aber nach den Eindrücken der ersten drei Rennen muss man fragen: Warum soll BMW-Sauber oder einer der beiden Fahrer nicht schon 2008 Weltmeister werden?

Konstanter als Ferrari

Ein Blick auf die Statistik verrät: In drei der letzten vier Jahren wurde das Team Weltmeister, das nach drei Rennen vorne lag. Nur McLaren schaffte das 2007 nicht, weil dem Team nach der Boxenblockade im Qualifying zum Ungarn-GP zwischen Alonso und Hamilton die Konstrukteurs-Punkte abgezogen wurden. Von der anschließenden Spionage-Affäre und der Aberkennung aller Punkte mal ganz abgesehen.

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Noch mehr als die Statistik vergangener Zeiten zählen aber die aktuellen Tendenzen. Sicher, vom reinen Speed her hat Ferrari noch einen kleinen Vorteil, aber die Silberpfeile hat BMW-Sauber jetzt schon zwei Rennen lang im Griff.

Das Plus gegenüber Ferrari liegt in der Konstanz. Abgesehen von Robert Kubicas unverschuldetem Aus in Melbourne kamen alle Autos in die Punkte. Ferrari hat schon drei Ausfälle zu beklagen.

"Der Abstand war erfreulich gering"

Und selbst in Sachen Speed ist die Lage gegen die Roten nicht allzu dramatisch. "Der Abstand zur Spitze war am Ende erfreulich gering, und nach hinten hatten wir etwas Luft", sagte BMW-Sauber-Technikchef Willy Rampf.

Fünf Sekunden fehlten Kubica im Ziel in Sakhir auf Sieger Massa, auch wenn der nach dem zweiten Boxenstopp nicht mehr alles gegeben hat. Mit Räikkönen konnte der Pole das gesamte Rennen über mithalten.

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Auf allen Streckenprofilen stark

"Man kann sich bestimmt über einen großen Kampf freuen", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug, der einen fünften Platz von Heikki Kovalainen und einen desaströsen 13. Rang von Lewis Hamilton mitansehen musste, und wagte damit schon einen Blick auf den weiteren Saisonverlauf.

Genau wie McLaren-Teamchef Ron Dennis. "Die Saison ist unglaublich eng. Die ersten Europa-Rennen werden etwas mehr Aufschluss bringen", sagte der Brite.

In drei Wochen geht es nach Barcelona, auf eine Strecke, die als Maßstab für das wahre Potenzial der Autos gilt. Aber wer auf so unterschiedlichen Kursen wie dem Stadtkurs in Australien, den schnellen Kurven in Malaysia und dem Stop-and-Go-Profil in Bahrain immer vorne dabei ist, kann auf dem Circuit de Catalunya nicht plötzlich abfallen.

Leistungssprung für Barcelona geplant

Zumal BMW-Sauber mit der Entwicklung des Autos noch lange nicht am Limit ist. "Im Auto steckt noch viel Potenzial", sagte der aktuell WM-Zweite Nick Heidfeld nach seinem vierten Platz.

Sein Chef wurde etwas konkreter: "Wir haben ein ordentliches Entwicklungspaket für Barcelona - das hat die Konkurrenz natürlich auch - und dann werden wir sehen, wie nah wir ran kommen", sagte Theissen im Premiere-Interview.

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Hamilton hat BMW auf der Rechnung

Nach dem Geschmack der Konkurrenz sind sie schon jetzt viel zu nahe dran. "BMW scheint einen großen Schritt nach vorne gemacht zu haben. Wir müssen den Speed der BMW ab jetzt immer auf der Rechnung haben", sagte Hamilton. Teamkollege Kovalainen ergänzte: "Sie werden die ganze Saison über zur Stelle sein."

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali hob vor allem Kubica heraus: "Er ist ein Fahrer, der meiner Meinung nach bis zum Schluss im Rennen um den Titel dabei sein wird."

Noch ist BMW-Sauber trotz aller Lobeshymnen nur ein Geheimtipp auf den WM-Titel. Das wird sich spätestens dann ändern, wenn der Sportchef die Mission erfüllt hat, die er bereits nach der Pole-Position vom Samstag formuliert hatte: "Wir müssen unser Potenzial ausschöpfen, um auch dann vorne zu sein, wenn die Konkurrenz einen perfekten Tag hat."

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