"Martialisch, brüllend, rudimentär"

Von Alexander Mey
Sonntag, 17.02.2008 | 11:52 Uhr
nascar, dreher, daytona
© Getty
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München - Es gibt Olympia, Fußball-WM und den Super Bowl. Dann kommt es aber schon, das Daytona 500, gleichzeitig Saisonauftakt und absoluter Höhepunkt jeder NASCAR-Saison - und das an diesem Sonntag (21.30 Uhr live bei Premiere) zum 50. Mal.

"Wenn man ein Rennen gewinnen will, dann dieses", sagt NASCAR-Legende und dreimaliger Daytona-Sieger Jeff Gordon. "Das Daytona 500 steht ganz oben auf der Liste mit Rennen wie dem Monaco-GP, den 24 Stunden von Le Mans und den Indy 500", ergänzt der ehemalige Formel-1-Pilot Juan Pablo Montoya, der von Platz 15 aus ins Rennen gehen wird.

Montoya, zu F-1-Zeiten immer eine Reizfigur, ist auch in den USA eine schillernde Persönlichkeit. "Er ist ein Mega-Star", sagt Premiere-Kommentator Jacques Schulz, der seit Jahren die NASCAR-Serie begleitet, im Gespräch mit SPOX.com und prognostiziert: "Er ist in der Lage, in Daytona zu gewinnen."

Montoya tut der Serie sehr gut

Monty als Sieganwärter, und das nach nur einer kompletten Saison, in der er sich erst einmal bei den Altstars etablieren musste. Und wer die rauhen Sitten im Stockcar-Zirkus kennt, der weiß, dass das nicht leicht ist und auch den einen oder anderen Ellbogen-Einsatz erfordert.

Kein Wunder, dass er bei manchen Fans den Ruf als "Bad Guy" hat. Zu Unrecht, findet Schulz: "Bad Guys sind sie dort alle, das gehört zum Image. Der schlimmste ist Tony Stewart. Da fällt Montoya nicht so auf. Diese hemdsärmlige Art gehört zur Sportart dazu. Montoya bringt mittlerweile viele südamerikanische Fans mit zur NASCAR. Das ist das Beste, was der Serie passieren konnte."

Kein Vergleich zur Formel 1

Dass sich der NASCAR Sprint Cup mit Neuerungen schwer tut, verwundert nicht sonderlich. Schließlich steht der Sport wie kein anderer für das traditionelle Amerika. Das Herz des Sports schlägt in den konservativen Südstaaten, viele Fahrer sind echte Rednecks, viele Fans hören Country-Musik und fahren selbst schwere Trucks, die 25 Liter Sprit auf 100 Kilometern schlucken.

Kein Vergleich zur Jet-Set-Welt in der europäisch geprägten Formel 1. "Faszinierend ist das gegenüber der Formel 1 völlig andere System. Der Reiz der Formel 1 sind Hightech, Speed, Superlative. Bei der NASCAR ist es das ganze Paket. Martialische Fahrzeuge mit 850 PS, ein unglaublich dröhnender Sound, rudimentäre Aerodynamik. Das liegt den Amerikanern mit ihrem Geschmack für große Autos näher als die Formel-Serien", erklärt Schulz die Faszination Kreisfahren.

NASCAR ist etwas für Motorsport-Puristen

Denn das ist es für den unbeteiligten Beobachter, ein stundenlanges Fahren im Kreis. Immerhin finden 34 von 36 Rennen auf Ovalen statt, auch das Daytona 500. Langweilig sind die Rennen deshalb aber noch lange nicht.

"In der Formel 1 ist in extrem von der Taktik geprägten Rennen oftmals ein Überholmanöver der Höhepunkt. In einem NASCAR-Oval wird permanent überholt. Als Rennsportfan kann ich mich an permanenter Action erfreuen", sagt Schulz.

Interesse in Deutschland steigt

Dafür bekommen auch immer mehr Europäer ein Gespür. Das Interesse am NASCAR-Sport steigt in Deutschland stetig, auch wenn die breite Masse nach wie vor kaum Notiz davon nimmt.

"Das Interesse in Deutschland ist in der Tat deutlich gewachsen, was aber vor allem am Einstieg der hierzulande bekannten Formel-Fahrer, vor allem von Juan Pablo Montoya, liegt. Das hat den Reiz der Serie in Europa massiv erhöht", sagt Schulz.

Ganassi wie Red Bull

Erfolge des Kolumbianers könnten das Interesse sicher noch weiter schüren, am liebsten natürlich die Meisterschaft. Aber dazu wird es kaum kommen.

Schulz erklärt: "Ich glaube nicht, dass er um den Titel fahren kann, weil sein Ganassi-Team dafür nicht die Voraussetzungen mitbringt. Das ist kein Top-Team. Das ist, als würde er in der Formel 1 bei Red Bull oder Renault fahren."

Villeneuve steht vor dem Aus

Ein Luxusproblem, wenn man seine Situation mit der von Neueinsteiger Jacques Villeneuve vergleicht. Der F-1-Weltmeister von 1997 steht nach seinem Aus in der Qualifikation für das Daytona 500 nicht nur ohne Sponsoren, sondern sogar ohne Auto da. Sein Team wird ihn durch Mike Skinner ersetzen.

Das ist zwar erstmal nur eine vorübergehende Maßnahme, dennoch steht in den Sternen, ob Villeneuves NASCAR-Laufbahn nicht schon vorbei ist, ehe sie so richtig begonnen hat.

Schade für die Fans in Europa, denn Duelle zwischen Montoya und Villeneuve hätten sicher noch mehr Zuschauer vor die Bildschirme gelockt.

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