Formel 1

Der Mitarbeiter des Monats

Von Alexander Mey
plakat, copyshop, mclaren
© Imago

München - Wer kennt sie nicht, die formschönen Bildergalerien im Tresenbereich einer weltweit ebenso anerkannten wie auch berüchtigten Fastfood-Kette.

Da stehen sie alle, die Helden der Burger, die Götter der Pommes, die Magier der Nuggets. Doch einer ist immer der Beste, er ist der Mann, den es zu schlagen gilt: Der Mitarbeiter des Monats.

Seit diesem Rennwochenende in Spa-Francorchamps gibt es diesen heldenhaften Titel auch im Umfeld der Formel 1, genauer gesagt bei Ferrari. Wie kam es dazu?

Das ist eine der SPOX-Geschichten aus Spa.

Mitarbeiter des Monats

Sein Name ist nicht überliefert, aber seine Funktion ist seit der Huldigung von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo berühmt. Er ist Mitarbeiter in einem englischen Copyshop, in dem Copyshop, in dem die Ehefrau von McLaren-Mercedes-Spion Mike Coughlan die Geheiminformationen von Ferrari vervielfältigte. Er war es, dem die Aktion spanisch vorkam und der die Scuderia über die merkwürdigen Vorgänge in seinem Laden informierte.

Dafür dankte ihm nun der Präsident: "Ich widme den Sieg in Spa dem Herrn aus England, der uns im Juni informiert hat, dass jemand, der zu einem anderen Team gehört, in seinen Shop kam und ihn bat, dutzende Seiten mit technischen Informationen über das Auto zu kopieren. Ohne ihn wäre es nie möglich gewesen, Licht in eine der schwärzesten Geschichten der Motorsport-Geschichte zu bringen."

Ob der gute Mann von nun an mit einem Ferrari zur Arbeit fahren darf, ist nicht bekannt.

Der Feind hört mit

Wenn wir schon beim Thema Spionage sind: Glaubt man Informationen des Fachmagazins "Autosport", dann ist der Boden des Fasses weitaus tiefer als befürchtet.

Kimi Räikkönen, der Mann, der bisher immer gewonnen hat, wenn er in Spa ins Ziel kam, plauderte während der Spionage-Verhandlung direkt vor dem Belgien-Wochenende aus, dass sein Ex-Arbeitgeber McLaren zwischen 2002 und 2006 regelmäßig den verschlüsselten Boxenfunk von anderen Teams abgehört hat. Ein neuer Skandal um die Silbernen, wäre da nicht gleichzeitig das Eingeständnis von Ferrari-Generaldirektor Jean Todt. Der Franzose gab in Spa zu: "Auch wir hören in einige Funkanlagen hinein."

Wenn es so leicht ist, die Kodierungen des Funks zu knacken, warum sendet man nicht gleich alle Nachrichten über die Strecken-Lautsprecher?

Die coolste Socke von Spa

Adrian Sutil neigt nicht gerade zu übermäßigen emotionalen Ausbrüchen. Er ist immer freundlich, analytisch und rational. Und das spielt er nicht nur, wie ein Test des TV-Senders Premiere bewiesen hat. Mit einem Pulsmesser ausgestattet raste Sutil zunächst durch die berüchtigte Kurve Eau Rouge. Puls: so um die 130. DTM-Piloten sollen in dieser Kurve schon über die 180 gekommen sein - für Sutil unvorstellbar.

Aber es kam noch besser. Wie bestellt leistete sich Sutil in der gleichen Session einen Abflug ins Kiesbett und die Reifenstapel. Wo unsereins wohl kurz vor einem Herzkasper gestanden hätte, kam Sutils Puls gerade mal auf rund 150.

An so viel Ruhe hätten Kardiologen ihre helle Freude.

Wie, Sonne?

Es hat nicht geregnet. In Spa. In den Ardennen. Man war noch nicht einmal dicht am Bodenfrost. Absolut erstaunlich, denn seit dem legendären Regenchaos von 1998, als Michael Schumacher beim Überrunden mit David Coulthard kollidiert ist, hat es bei vier von sechs Belgien-GPs mindestens an einem Tag geregnet.

Schluss mit Schumacher

Die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch erinnern. 1991 begann Michael Schumacher in Spa seine Karriere. Er startete von Platz sieben aus, musste das Rennen aber nach wenigen hundert Metern aufgeben.

Was vielleicht nicht viele wissen: Bis zum vergangenen Sonntag - Ralf Schumacher ging als Zehnter leer aus - war das das letzte Mal, dass kein Fahrer mit dem Namen Schumacher in Spa in die WM-Punkte fuhr.

Für die Statistiker: Natürlich war offiziell auch 1994 kein Schumacher in den Punkten, weil Michael wegen einer zu dünnen Bodenplatte an seinem Benetton disqualifiziert wurde. Aber sportlich hatte er das Rennen gewonnen.

Dreimal brauchte die Familie die Hilfe von Ralf, um die Serie aufrecht zu erhalten. 1998 (Ausfall von Michael), 1999 (Michael fehlte verletzt) und 2005 (Ausfall von Michael).

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