Finanzkrise beim Deutschen Eishockey-Bund

DEB bittet Eishockey-Familie um Hilfe

SID
Mittwoch, 15.10.2014 | 13:52 Uhr
DEB-Präsident Franz Reindl braucht die Unterstützung der gesamten Eishockey-Familie
© getty
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Wegen seiner Finanzmisere lädt der Deutsche Eishockey-Bund am Donnerstag zu einem Krisengipfel ein. Erstmals sollen zumindest intern konkrete Zahlen und Strategien auf den Tisch kommen.

Wenn ein Sportverband in der Einladung zu einem internen Treffen selbst das Wort "Krisengipfel" gebraucht, dann ist die Lage ernst. Beim DEB ist die Finanzmisere möglicherweise sogar existenzbedrohend. Für die Rettung bedarf es eines Schulterschlusses der gesamten Eishockey-Familie, die sich am Donnerstag in einem Hotel am Münchner Flughafen trifft.

"Wir brechen nicht zusammen", sagt DEB-Präsident Franz Reindl, "aber wir brauchen die Hilfe und Unterstützung der gesamten Eishockey-Familie, sonst werden wir es nicht schaffen." Und Daniel Hopp, DEB-Vizepräsident und Aufsichtsrat-Mitglied der DEL, meinte: "Jetzt werden wir sehen, wer mithelfen will, das Mutterschiff des deutschen Eishockeys fit für die Zukunft zu machen."

Eingeladen hat der DEB die Chefs der Landesverbände (LEV), die Geschäftsführer und Aufsichtsräte der DEL und DEL II sowie Vertreter der Oberligen Nord/Süd. Und die erhoffen sich vor allem eins: Konkrete Zahlen der unabhängigen Wirtschaftsprüfung, die der Verband in Auftrag gegeben hatte.

"Schluss mit den Fensterreden! Was nützt der ganze Dialog, wenn die harten Fakten nicht auf den Tisch kommen", sagte NRW-Verbandspräsident Wolfgang Sorge dem "SID" und kritisierte: "Bis auf Tagesordnungspunkte und Uhrzeit wissen wir nichts. Wenn es schon als Krisensitzung angekündigt ist, dann muss man es auch vernünftig vorbereiten."

Reindl verspricht für Transparenz

Reindl verspricht für Donnerstag Transparenz. "Da wird nichts beschönigt, die Zahlen und Sanierungskonzepte kommen auf den Tisch", sagte der ehemalige Nationalspieler dem SID. Sein Vorgänger Uwe Harnos war diese bei der Jahreshauptversammlung im Juli schuldig geblieben. In den Jahren 2011 bis 2013 hatte der DEB ein Minus von insgesamt rund 1,3 Millionen Euro gemacht und damit den Gewinn durch die Heim-WM 2010 komplett aufgebraucht. Der Fehlbetrag im laufenden Jahr fällt anscheinend deutlich höher aus als die kalkulierten 250.000 Euro. Über die Vermögenswerte des Verbandes gibt es widersprüchliche Aussagen, es dürfte aber nur noch wenig Spielraum geben.

Da kommt es schon überraschend, dass der DEB im Streit mit dem LEV Nordrhein-Westfalen um die Gewinnbeteiligung an der Heim-WM in Höhe von 300.000 Euro offenbar einlenkt. Laut NRW-Verbandschef Sorge habe man ein Schreiben des DEB-Anwalts bekommen, in dem zugesichert wird, dass der DEB die Gesamtsumme inklusive Zinsen bis spätestens zum 20. Oktober beleichen werde. "So groß kann die Not beim DEB also nicht sein", meinte Sorge. Auch der Bayerische Eissport-Verband (BEV) verlangt 48.000 Euro an noch ausstehenden Verbandsabgaben.

Finanzielles Engagement der DEL scheint auch unausweichlich

Konkrete Entscheidungen werden aber wohl erst beim sogenannten Dialog-Tag am 1. November und der Mitgliederversammlung einen Tag später getroffen werden. Eine Maßnahme dürfte die Verlängerung des Vertrages mit dem Schweizer Vermarkter Infront um drei weitere Jahre sein.

Ein stärkeres finanzielles Engagement der DEL scheint auch unausweichlich. "Wir sind nicht bereit, irgendwelche bizarren Deckel aus der Vergangenheit zu bezahlen", sagt DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, betonte aber auch: "Wenn es um transparente, nachvollziehbare Neubudgetierungen für die Zukunft geht, wird sich das Profi-Eishockey dem nicht verschließen."

Reindl hat sich bei seiner Amtsübernahme im Juli ein stärkeres Miteinander als oberstes Ziel auf die Fahnen geschrieben. Erste strukturelle Maßnahmen dafür hat der 59-Jährige bereits in die Wege geleitet. Am Donnerstag kommt es aber vor allem auf seine Überzeugungskraft an. "Wir sind jetzt etwa 100 Tage im Amt und haben schon sehr viel auf den Weg gebracht", sagt Reindl und fügt an: "Wir halten den Sportbetrieb aufrecht." Dass er dies überhaupt als Erfolg erwähnt, zeigt, wie tief der DEB in der Finanzkrise steckt.

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