Khimki Moskau - Brose Baskets Bamberg 78:61

Khimki würgt die Baskets ab

Freitag, 22.01.2016 | 19:50 Uhr
Für die Bamberger war bei Khimki Moskau letztlich nichts zu holen
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Die Brose Baskets Bamberg (2-2) haben bei Khimki Moskau (3-1) den dritten Sieg in Folge verpasst. Am 4. Spieltag des Top 16 der Turkish Airlines Euroleague verlor der deutsche Meister in einer insgesamt schwachen Partie mit 78:61 in der russischen Haupstadt.

Die starke Verteidigung der Russen, die durch den Sieg die Führung in "Todesgruppe" F übernahmen, machte den Bambergern das ganze Spiel über größte Probleme, zumal mehrere Leistungsträger weit von ihrer Normalform entfernt waren. Die besten Leistungen zeigten noch Bradley Wanamaker (13 Punkte, 7 Assists), Daniel Theis (12 Punkte, 7 Rebounds) und Nicolo Melli (9 Punkte), insgesamt traf Bamberg aber nur schwache 41 Prozent seiner Zweipunktewürfe und 27 Prozent von der Dreierlinie.

Bei Khimki, das erst gegen Ende des dritten Viertels so richtig davonziehen konnte, war Alexey Shved mit 22 Punkten der beste Punktesammler, Petteri Koponen legte 11 Zähler auf.

Wenn die BBL nicht wäre, könnten die Bamberger direkt in Moskau bleiben: Am 5. Spieltag in der kommenden Woche müssen sie bei ZSKA ran. Khimki empfängt derweil Zalgiris Kaunas.

Die Reaktionen:

Andrea Trinchieri (Coach Bamberg): "Zwei Dreier am Ende der Shotclock von Shved und einer von Rice haben uns fertig gemacht. Aber ganz unabhängig davon haben wir ein schlechtes Spiel gezeigt. Wir waren nicht smart und haben nicht die Energie gebracht, die nötig gewesen wäre."

Daniel Theis (Bamberg): "Wir haben einfach weder defensiv noch offensiv richtig gut gespielt. Wir haben den Ball nicht gut bewegt und dann 78 Punkte kassiert, das ist einfach zu viel. Sie haben zudem besser verteidigt, als wir es erwartet hätten."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Tip-Off: Die Russen beginnen mit folgender Fünf: Rice, Shved, Honeycutt, Augustine und Monia. Trinchieri schickt zunächst Wanamaker, Zisis, Miller, Melli und Radosevic auf den Court.

4.: Hat hier jemand eine Ladung Backsteine bestellt? Beide Teams tun sich zu Beginn enorm schwer mit dem Scoring. Über vier Minuten ist ein Melli-Jumper der einzige Treffer des Spiels, bis Rice endlich auch Khimki aufs Board bringt. 2:2.

7.: Das Spiel ist immer noch unheimlich zerfahren, beide Teams verteidigen enorm fokussiert. Nach Offensiv-Rebound ist Dragic aber mal für den Dreier frei und trifft, dann schmeißt Zisis den Ball weg. Dragic erneut für 3 - und damit die erste Khimki-Führung. 10:8.

10.: Khimki findet mittlerweile immer besser ins Spiel. Dragic findet Sokolov für den Dunk, der auf 16:12 erhöht. Bamberg gelangen in den letzten fünf Minuten nur noch 6 Punkte.

14.: Bambergs Bilanz in den letzten Minuten: Mehrere Shotclock-Violations, mehrere Fehlwürfe, ein paar Ballverluste und 2 Punkte. Sokolov schubst Theis und Radosevic in der Zone mächtig rum - und dann trifft Shved den Dreier aus der Ecke. 24:14, Auszeit Trinchieri.

20.: Endlich geht es mal schnell und so kommt Melli zum ersten Dreier für Bamberg, dann wird auch Strelnieks für 3 gefunden und Wanamaker in Transition - 12:0-Run Bamberg! Shved gleicht an der Freiwurflinie aus, dann trifft Dragic zum 30:28 Khimki - das hätte dennoch deutlich schlechter aussehen können zur Pause.

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23.: Mit Shved auf der Bank bewegt Khimki den Ball zwar etwas besser, wirklich flüssig sieht das aber immer noch nicht aus. Wanamaker dagegen findet im Fastbreak Radosevic für den ganz einfachen Dunk - Bamberg führt wieder! 34:32, Auszeit Khimki.

27.: Rice macht bisher kein allzu gutes Spiel, der Stepback über Melli von drei Metern hinter der Dreierlinie ist trotzdem schick. Zisis trifft seine Freiwürfe, Honeycutt aber auch. Schrittfehler Strelnieks, dann erhöht Monia an der Linie auf 44:40 für Khimki.

30.: Bitter für Bamberg: Sokolov quält einen Floater gerade so in den Korb, dann trifft Shved einen irren Dreier mit Brett. Die Baskets-Offense ist derweil wieder eingebrochen, bevor Theis endlich mal von draußen trifft und Wanamaker sein Glück per Drive erzwingt. Doch Shved trifft mit der Sirene nochmal von ganz weit draußen - und wieder mit Brett. 54:45!

34.: Nun geht es doch schnell dahin für Bamberg. Shved, Sokolov, Koponen und Todorovic erhöhen binnen weniger Minuten auf 63:46, da Bamberg über vier Minuten genau 1 (!) Punkt zustande bekommt.

40.: Shved punktet munter weiter und nimmt nebenher noch Zeit von der Uhr. Theis trifft immerhin nochmal einen Dreier, aber das ist dann nur noch Ergebniskosmetik. Am Ende ist es doch eine Ecke zu deutlich für Khimki geworden.

Khimki vs. Bamberg: Hier geht's zum BOXSCORE

Der Star des Spiels: Alexey Shved. Irgendwie war es bezeichnend für die Qualität dieses Spiels: Shved traf das ganze Spiel über merkwürdige Entscheidungen und bekam von seinem Coach sogar einen Denkzettel verpasst, als der ihn die ersten sechs Minuten des dritten Viertels auf der Bank schmoren ließ. Und doch war der bestbezahlte Spieler Europas mit seinen Dreiern und Freiwürfen dann doch der entscheidende Mann auf dem Court. 22 Punkte (4/8 3FG) und 5 Assists können sich sehen lassen - Hero-Ball oder nicht.

Der Flop des Spiels: Janis Strelnieks. Der Lette erlebte von Anfang an einen gebrauchten Abend und konnte sich offensiv kaum einbringen. Brachte nur einen einzigen Wurf im Korb unter (1/5 FG) und verlor mit einigen unklugen Aktionen viermal den Ball, ohne einen einzigen Assist zu spielen.

Das fiel auf:

  • Khimki startete defensiv mit einem unglaublich guten Fokus und ließ den Baskets fast überhaupt keine Räume. Die athletischen Guards der Russen kämpften sich regelmäßig so gut durch Blöcke, dass die Bamberger ihr geliebtes Pick'n'Roll überhaupt nicht effektiv einsetzen konnten. Zudem passte nahezu jede Rotation. Bamberg tat sich daher enorm schwer damit, gute Würfe zu bekommen, viel zu oft endeten Angriffe mit eng verteidigten Jumpern.

  • Auch die Bamberger spielten defensiv sehr gut und wilderten in den Passwegen, was vor allem Rice (4 Turnover im ersten Viertel) zum Verhängnis wurde. Allerdings konnten die Baskets aus diesen Ballverlusten kaum mal Kapital schlagen, da Khimki auch in Transition sehr aggressiv verteidigte.
  • So stark - und aggressiv - Khimki auch verteidigte, mit ihrer langsamen Offense machten die Baskets es den Gastgebern häufig aber auch zu leicht. Gerade bei Theis und Radosevic sah man regelmäßig, wie sie den einen Moment zu lange überlegten, bevor sie den Ball weiterspielten oder selbst eine Aktion Richtung Korb starteten - so konnte sich Moskau immer wieder formieren. Diese Behäbigkeit führte allein im zweiten Viertel zu mehreren Shotclock-Violations, bevor Bamberg kurz vor der Pause endlich mal auf die Tube drückte und prompt einen 12:0-Run hinlegte. Trinchieri sagte in der Pause dennoch nicht zu Unrecht, sein Team habe "schrecklich" gespielt.
  • Dabei war nicht nur das eigene Tempo ausschlaggebend, sondern auch die Khimki-Offense: Wie schon bei den beiden Niederlagen in der Vorrunde gegen Bayern verließen sich die Russen in dieser Phase ausschließlich auf Einzelaktionen. Natürlich sind Spieler wie Shved oder Rice häufig dazu in der Lage, durch solche Aktionen zu punkten, nur sollte der "Hero-Ball" eben nicht die einzige Komponente des Angriffs sein. In der zweiten Hälfte wurde die Balance etwas besser.
  • In einem Spiel, in dem beide Teams nicht gerade ihr Top-Niveau erreichten, waren dann wie so oft am Ende Nuancen entscheidend. Im Detail waren das die Ausbeuten von der Dreierlinie, wo Shved allein fast ebenso viel zustande brachte wie die Baskets als Team (Khimki: 11/28 Dreier, Bamberg: 5/18). Und auch bei den Rebounds hatte Khimki entscheidende Vorteile. Bamberg hatte gerade mit Sokolov, Augustine und Todorovic Probleme und erlaubte 10 Offensiv-Rebounds, insgesamt ging das Duell um die Bretter mit 39:31 an Khimki.

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