Donnerstag, 14.06.2012
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Fanreporter Jakob Kunz: Tag 5 in Charkiw

Eine niederländische Verschwörung?

Die Deutschen waren in Unterzahl, dennoch wurde das Spiel gegen die Niederlande ein voller Erfolg. Dabei hatte der Gastgeber einen klaren Favoriten, wie INTERSPORT/adidas-Fanreporter Jakob Kunz berichtet.

Die "Schönheiten" aus den Niederlanden bevölkerten Charkiw
© spox
Die "Schönheiten" aus den Niederlanden bevölkerten Charkiw

Ja, liebe Fans, was soll ich sagen? Das war doch genau nach unserem Geschmack. Oder? Eigentlich nach 40 Minuten entschieden und dennoch spannend bis zum Schluss. So stell ich mir ein gutes Fußballspiel vor.

Aber der Reihe nach: Charkiw. Eine unschöne Stadt im Osten der Ukraine. Industrie eben. Als wir aus dem Flugzeug steigen, schlagen uns 30 Grad ins Gesicht. Gleichzeitig landen einige Maschinen, aus der massenweise holländische Fans strömen.

Schon jetzt steht fest: Wir sind in der Unterzahl. Deutlich. Die Gründe dafür sind schnell ausgemacht. Selbst die Einheimischen hier munkeln, dass der Oligarch, dem die halbe Stadt gehört, ein großer Holland-Fan ist und die niederländische Nationalmannschaft unbedingt in seiner Stadt haben wollte.

Fan-Invasion in oranje

Schon bevor die Teams den Spielorten zugelost worden sind, soll festgestanden haben, dass die Elftal nach Charkiw kommt. Und zwar für alle drei Gruppenspiele.

Fanreporter Jakob Kunz traf bei der Reise auch Hannover-Trainer Mirko Slomka
Fanreporter Jakob Kunz traf bei der Reise auch Hannover-Trainer Mirko Slomka
© spox

Natürlich sind das unbewiesene Gerüchte, dennoch: Die holländischen Fans hat es nach Charkiw gezogen, wie die Motten in das Licht.Wo man geht, wo man steht, alles ist "oranje".

Kurzes Aufbäumen der Niederländer

Das haben sich die deutschen Fans zur Kampfansage gemacht. Sowohl auf den Straßen, als auch am Abend im Stadion halten sie mit ihren Gesängen und Deutschland-Rufen wacker dagegen. Scheinbar mit großer Wirkung.

Nach 38 Minuten steht es 2:0, die deutsche Nationalmannschaft spielt groß auf. Die niederländischen Fans verstummen, Oranje wird mucksmäuschenstill.

Das Gesicht in den Händen vergraben, die Haare vor Groll über die schlechte Leistung zerzaust, vereinzelt sogar mit dem Rücken zum Spiel: das war der holländische Fan. Bis zur 73. Minute, bis zum Anschlusstreffer von van Persie.

Nochmals ein kurzes Aufbäumen, ein Erwachen aus der Schockstarre. Und am Ende die bittere Einsicht, dass man auch das zweite Spiel dieser EM vergeigt hat.

Spalier der deutschen Fans

Uns war's wurscht. Als der Sieg feststand, brach ein deutscher Jubelorkan über das Metalist-Stadion in Charkiw herein. Der Gruppensieg ist zum Greifen nahe, das Viertelfinale sowieso. Ein Pünktchen gegen Dänemark und man ist als Erster durch.

Eine perfekte Ausgangslage, man hat es selbst in der Hand. Trotzdem muss man auch den holländischen Fans ein Kompliment aussprechen: nicht nur die Mannschaft auf dem Rasen, auch die Fans auf den Rängen verließen als faire Verlierer den Platz und gratulierten artig zum Sieg.

Mit einem Gefühl der inneren Zufriedenheit ging es für uns wieder zurück nach Kiew. Am Flughafen trafen wir sogar noch einmal auf die holländischen Nationalspieler, die sich ihren Weg zum Flugzeug durch einen Spalier aus deutschen Fans bahnen mussten und dabei von "auf Wiedersehen, auf Wiedersehen"-Sprechchören begleitet wurden.

Ganz so sicher ist die Sache allerdings noch nicht, denn die Konstellation in Gruppe B ist äußerst interessant und spannend. Jede Mannschaft hat noch die Chance auf das Viertelfinale. Deutschland freilich mit der besten Ausgangsposition.

Tipp: DFB wird Gruppenerster

Und ich muss zugeben, ich war anfänglich sehr skeptisch - was das deutsche Weiterkommen in dieser starken Gruppe betrifft.

Aber nachdem, was ich bisher gesehen habe und nachdem wohl auch die Bayern-Spieler die bittere Finalniederlage in der Champions-League so gut verdaut haben, lehne ich mich jetzt mal weit aus dem Fenster: Deutschland zieht als Gruppenerster ins Viertelfinale ein.

Und danach ist alles drin. Von Spiel zu Spiel zum großen Ziel!

Euer Jakob Kunz


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